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Schopflocher Skizzen: Gemeinde Schopfloch

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Schopflocher Skizzen

Inhaltsverzeichnis Schopflocher Skizzen

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch zum Nachlesen. Sie können die Skizzen einzeln oder im Sammelordner auf dem Rathaus erwerben. Nähere Informationen hierzu finden Sie hier.

  • Nr. 05/2003
    Die Möbelfabrik Schübel
  • Nr. 01/2004
    Christian Kugler - Ein Leben für die Mission
  • Nr. 02/2004
    Die Schopflocher Segelflieger
  • Nr. 03/2004
    Die Schopflocher Filiale der Naturana
  • Nr. 04/2004
    50 Jahre Gasthaus "Schwanen" in Schopfloch
  • Nr. 05/2004
    Die Schule in Oberiflingen, Rektor Wanski geht in Ruhestand
  • Nr. 06/2004
    Der Rödelsberg bei Schopfloch-ein einzigartiger Aussichtsberg
  • Nr. 07/2004
    Die erste Wasserversorgung in Schopfloch (Teil I)
  • Nr. 08/2004
    Die erste Wasserversorgung in Schopfloch (Teil II)
  • Nr. 01/2005
    Hausnamen in Schopfloch
  • Nr. 02/2005
    Aus der Frühgeschichte in die Neuzeit - 1000 Jahres Oberiflingen (Teil I)
  • Nr. 03/2005
    Aus der Frühgeschichte in die Neuzeit - 1000 Jahres Oberiflingen (Teil II)
  • Nr. 04/2005
    Aus der Frühgeschichte in die Neuzeit - 1000 Jahres Oberiflingen (Teil III)
  • Nr. 05/2005
    Oberiflingen im zweiten Weltkrieg - Berichte und Erfahrungen, Aus der Nachkriegszeit
  • Nr. 06/2005
    Tuffstein aus Iflingen
  • Nr. 07/2005
    Geschichte des Oberiflinger Darlehenskassenvereins
  • Nr. 08/2005
    Geschichte der Handwerker in Oberiflingen Teil I
  • Nr. 09/2005
    Geschichte der Handwerker in Oberiflingen Teil II
  • Nr. 10/2005
    Aus der Geschichte der Michaelskirche in Oberiflingen

Nr. 1/2001 Schopflocher Ortskern, Die "Säge" von Schopfloch, Ortstafel von Schopfloch aus der Kaiserzeit

 Schopflocher Skizzen Rathaus - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Ortsmitte - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Sägewerkgelände - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Ortstafel - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 1 (2001)

(Bild 1)

Liebe Bürgerinnen und Bürger,
liebe Freunde der Gemeinde,

Was hat sich früher in unseren drei Ortschaften Schopfloch, Oberifingen und Unteriflingen abgespielt? Welche Blickwinikel eröffnen sich uns heute und wie
geht es künfig weiter?

Unter dem Motto "Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges" wollen wir Ihnen "Schopflocher Skizzen" aufzeigen.

In unserem Mitteilungsblatt erscheinen deshalb künfig einmal monatlich in lockerer Folge Aufsätze, Bilder und verschiedene Beiträge über unsere Gemeinde. Diese Sonderbeilagen eignen sich hervorragend zum Sammeln und werden im Lauf der Zeit einen bunten Strauß von heimatkundlichen Besonderheiten bilden.

Ein passender Ordner kann beim Rathaus und den Ortsverwaltungen erworben werden.

Ich wünsche Ihnen viel Freude beim Lesen, neue Erkenninisse und gute Unterhaltung.

Ihr
Klaas Klaassen
Bürgermeister

 

Der Schopflocher Ortskern aus der Luft (1959)

(Bild 2)

Welche tiefgreifenden Veränderungen seit dieser Luftaufnahme geschehen sind, lässt sich daran erkennen, dass es im Ortskern viele Häuser heute gar nicht mehr gibt, so z. B. das alte Rathaus und das alte Schulhaus (heutiger Standort des neuen Rathauses), das Bauernhaus der Familie Ziegler (heutiger Standort des Gemeindehauses), die Häuser Nagel, Schwab, Kohler und das alte Gasthaus Rose am Verbindungsweg zwischen Kirchsteig und Marktplatz, das Haus der Familie Schmid (Schütz), das der neuen Straße nach Dettlingen weichen musste, sowie die Häuser auf dem Bühl, darunter die alte Bäckerei Ziegler, das Müller-Eck, der alte "Ochsen", usw. usw.

 

Die "Säge" von Schopfloch

Noch vor wenigen Jahren gehörte die Säge an der Dornstetter Straße zum Alltag in Schopfloch. Langholzwagen luden Stämme ab, LKW's und Bauern mit Schleppern und Anhängern holten das Schnittholz.
Heute steht auf dem Gelände der ehemaligen Säge das von Arthur Pfau zum Wohnhaus umgebaute Sägewerksgebäude, umgeben von zahlreichen Bäumen und einem blühenden Garten.

Entwicklung von den Anfängen bis 1990
Sechs Schopflocher Bauern gründeten 1925 auf einem schmalen Grundstück an der Dornstetter Straße ein Genossenschaftssägewerk:

  • Friedrich Kugler (Vater von Fritz Kugler, (Gassenbauer, Hauptstraße)
  • Martin Kugler (Großvater von Willi Kugler, Glattener Straße)
  • Johann Georg Lutz (Vater von Eugen Lutz, Getränkehandlung, Bahnhofstraße)
  • Friedrich Schmid (Weber, Hauptstraße)
  • Michael Seeger (Großvater von Fritz Seeger, Gartenweg)
  • Jakob Vogt (Vater von Paul Vogt, Bühlstraße)

Sie betrieben die Säge gemeinschaflich. Anfangs wurde nur das eigene Holz gesägt, später auch im Auftrag anderer Waldbauern. Die Zufuhr des Holzes aus den Wäldern erfolgte mit den Langholzfuhrwerken von Bauern aus der näheren Umgebung. Sie arbeiteten mit einem Vollgatter der Firma Braun, Klosterreichenbach. Es wurde von einem Dieselmotor mit 30 (!) PS Leistung angetrieben.
1932 wurde Gottlob Frey (sen.) aus Oberwaldach als Säger eingestellt.
Fünf Jahre später konnte Gottlob Frey vier Anteile erwerben.

Vor dem Krieg und auch während des Krieges wurde das Holz mit der Bahn an seinen Bestimmungsort transportiert. Dazu hatte man beim Bahnhof ein Holzlager angelegt (etwa am heutigen Standort des Schuppens gegenüber der Firma Barth).
Schon damals wurde Holz in entferntere Gebiete verkauf, so z. B. bis nach Mailand. Martin Kugler (Ostend) war während des Krieges als Säger angestelt.
Von 1937 bis 1967 gab es auf dem Gelände des Sägewerks zwei Firmen, die dort anteilsmäßig arbeiteten:

  • Gottlob Frey mit vier Anteilen und
  • Friedrich Kugler und Michael Seeger mit zwei Anteilen

Nach dem Krieg wurden die Anteile der beiden Bauern an die Söhne Fritz Kugler (Gassenbauer) und Fritz Seeger sen. (Gartenweg) vererbt.

Wahrscheinlich 1946, als es an allem mangelte, wurde auf der Säge sogar der lederne Treibriemen gestohlen.
Vermutlich wurde das Leder dringend für Schuhsohlen gebraucht!
Frau Frey musste damals beim Gouvernement fancais in Baden-Baden eine Sondergenehmigung besorgen, um in Reutlingen einen neuen Treibriemen beschaffen zu können.

In der Wiederaufbauphase nach dem Zweiten Weltkrieg war die Nachfrage nach Bauholz riesig. Das Sägewerk Frey lieferte damals große Mengen von Bauholz ins Rheinland, ja sogar bis nach Holland.
Ein hilfreicher Partner beim Transport war dabei das neugegründete Transportunternehmen Seeger.
Von 1950-53 machte Gottlob Frey jun. eine Lehre als Sägewerker im vaterlichen Betrieb.
Da das alte Sägegatter nicht mehr zufriedenstellend arbeitete, wurde es 1956 gegen ein neues mit der doppelten Leistungsfähigkeit ausgetauscht.
Als 1957 Gottlob Frey sen. verstarb, übernahm der Sohn Gottlob die Leitung der Firma. Er legte 1964 mit Erfolg die Meisterprüfung als Sägewerksmeister ab.

Gottlob Frey jun. kam 1962 in ein elsäßisches Sägewerk bei Schirmeck.
Er schaute sich dort interessiert um und traf auf den Platzmeister, der in zunächst genau musterte und dann fragte, woher er käme. Auf die Antwort "aus Schopfloch" fragte dieser Mann wie aus der Pistole geschossen:
"Wie geht's denn dem Christian Winter?”
"Lebt der Küfer Lutz noch?"
"Ist der Detting Karl noch auf dem Bahnhof?"
und nach einer kurzen Pause meint er:
"Und du bist der junge Frey!"
Gottlob Frey staunte nicht schlecht!
Es stellte sich heraus, dass dieser Elsäßer nach dem Krieg bei der Rundholzverladung der Franzosen am Schopflocher Bahnhof mitgearbeitet hat und die Schopflocher dabei kennengelernt hatte.
Vielleicht kann sich in Schopfloch noch jemand an ihn erinnern?
Der Name ist leider nicht bekannt.

Der Holztransport verlagerte sich in den fünfziger Jahren immer mehr von der Schiene auf die Straße. Die Anfuhr des Stammholzes und der Abtransport des geschrittenen Holzes wurde zunehmend von LKW's übernommen. Die beengten Platzverhältnisse beim Entladen der Langholzwagen nach der unübersichtichen Straßenbiegung am Übergang von der Horber Straße in die Dornstetter Staße war immer ein Problem. Zum Glück gab es trotz des stark zunehmenden Verkehrs nie einen Unfall.
1967 konnte Gottlob Frey die restlichen beiden Anteile von den verbliebenen Bauern erwerben.
Er modernisierte den Betrieb erneut und ließ 1970 einen Portalkran aufstellen, der die Arbeit wesentlich erleichterte. Zehn Jahre später wurde das Gatter wieder von den Spezialisten aus Klosterreichenbach erneuert.
Dies wurde notwendig, weil die Jahresleistung in der Zwischenzeit auf ca. 6.000 m³ angewachsen war. Die Produktivität war nach dem Krieg um das Siebzehnfache angestiegen.

(Bild 3) Luftaufnahme des damaligen Sägewerksgeländes aus der Zeit nach 1970.

Man bearbeitete hauptsächlich heimische Hölzer aus den Wäldern von Tübingen bis Wolfach.
Die eingeengte Lage zwischen dem Gebäude der ehemaligen Möbelfabrik Pfau und der Landesstraße L 370 wurde zu einem unlösbaren Problem (siehe Foto). Die
Ausdehnungsmöglichkeiten waren ausgeschöpt, eine moderne Betriebsführung, die notwendigerweise auch mit einer Vergrößerung des Betriebs verbunden gewesen wäre, war an diesem Standort nicht mehr möglich.
So entschloss sich Gottlob Frey 1990 das Sägewerk in Schopfloch aufzugeben.
Er erwarb 1990 ein Sägewerk in Unterwaldach. Verbunden mit dem Umzug nach Unterwaldach übergab er den Betrieb seinem Sohn Bernhard.
Bernhard Frey hatte bereits eine Ausbildung als Holzbearbeitungsmechaniker und Industriefachwirt mit Erfolg durchlaufen und führt nun den Betrieb in der dritten Generation an dem neuen Standort weiter.

 

Ortstafel von Schopfloch aus der Kaiserzeit
Die alte Ortstafel steht, wenn man von Glatten kommt, an der rechten Seite der Glattener Straße. Die gusseiserne Tafel ist an einem Sandsteinpfahl befestigt. Die Tafel ist weifßgrundig mit schwarzer Frakturschrift und dunkelgrünem Rand. Der Sandstein ist etwa 2,60 m hoch und mit den Farben des Königreichs Württemberg rot-schwarz gewendelt gestrichen. Ortstafeln dieser Art waren zwischen 1871 und 1920 in Württemberg offiziell üblich.

(Bild 4)

Die Angaben auf der Tafel besagen, dass Schopfloch als Dorf eingestuft war und zum Oberamt Freudenstadt gehörte.
Die weiteren Angaben beziehen sich auf die Zugehörigkeit zum Militär.
Sie besagen, dass Soldaten aus Schopfloch zum 7. Württembergischen Landwehrregiment in das 1. Bataillon (mit Standort Horb) der 2. Kompagnie (mit Standort Freudenstadt) einrücken mussten. Die Zahl 125 bezieht sich auf die Reichsnummerierung des Oberamts Freudenstadt aus dem Kaiserreich.
Ortstafeln mit solchen militärischen Angaben sind heute selten.

Nr. 2/2001 Die Firma Kibri (Kindler & Briel)

 Schopflocher Skizzen Kibri - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Anzeige - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Preisliste - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen 100 Jahre Kibri - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Teile aus Angebotspalette - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Werksgelände - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Werkzeugmacher - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Betriebsgelände - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8
 Schopflocher Skizzen Tanktrack - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Modelle - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10
 Schopflocher Skizzen Katalog und 100 Jahre Kibri - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 11
 Schopflocher Skizzen Modell - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 12
 Schopflocher Skizzen Mitarbeiter - Das Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 13

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch

Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 2 (2001)

(Bild 1)

„Unser Vorbild ist das Original“

Das Handelsregister der Stadt Böblingen von 1895 nennt Wilhelm Kindler sen. und Adolf von Briel als Gründer einer Fabrik für feine Spielwaren.

Der Name „Kibri“ entstand erst 1928 zur Erinnerung an die beiden Firmengründer.

Die Firma feierte bereits 1995 das hundertjährige Bestehen, allerdings ist sie noch nicht so lange in Schopfloch angesiedelt.

(Bild 2) Diese Anzeige vom 22. August 1898 im, Wegweiser für die Keramische, Bronce-, Spiel, Kur, Galanterie- und Papierwaren-Industrie" ist der älteste Hinweis auf die Firma Kindler & Briel (aus der Schrift „100 Jahre Kibri“).

Eine wechselvolle Geschichte kennzeichnet die Entwicklung der Kibri von damals bis heute. Die Anfänge haben noch nicht viel mit Schopfloch zu tun, sind aber für das Verständnis der Zusammenhänge in der Firmengeschichte interessant:

Der wachsende Wohlstand der Birger im 19. Jahrhundert lief mehrere Spielzeugfabriken entstehen, eine davon war die Kibri. Bis heute haben nur zwei Firmen aus der damaligen Zeit überlebt: die Firmen Märklin und Kibri. Bereits zehn Jahre nach der Gründung konnte die Firma mit einem stattlichen Sortiment aufwarten: Die Produktion umfasste 33 Sachgruppen, von denen vier einen gewissen Schwerpunkt bildeten: Freiluftspielzeug, Puppenküchen und Zubehör, Kaufläden und Eisenbahnen.

Aus dem Jahr 1904 ist eine besondere Rarität, das sog. „Musterbuch No. 4“, ein umfangreicher Warenkatalog, im Nachdruck erhalten. Darin wird anschaulich vermittelt, welch großes Angebot an Spielwaren bereits im ersten Jahrzehnt nach der Firmengründung angeboten wurde.

(Bild 3)

Mit dem unglaublich vielfaltigen, detailgetreuen Eisenbahnzubehör der Kibri wird den staunenden Betrachtern gezeigt, wie es früher auf dem Bahnhof zuging. Dies ist Zugleich auch ein Stück Kulturgeschichte, denn vieles davon gibt es heute gar nicht mehr.

(Bild 4)

1912 wurden in Böblingen bereits 42 Mitarbeiter beschäftigt. Zahlreiche Produkte konnten schon damals im Ausland verkauf werden. Vor dem Ersten Weltkrieg wurden viele Aufträge bereits in Heimarbeit ausgeführt.

Die neuen Produkte wurden auf den Fachmessen, z. B. in Leipzig, Hannover und Nürnberg, vorgestellt, häufig ausgezeichnet und von den Sammlern mit Spannung erwartet.

Die Produktpalette wurde immer wieder den veränderten Anforderungen des Marktes angepasst: Mit der wachsenden Motorisierung wuchs auch das Angebot an Fahrzeugen, Tankstellen und Garagen. Passend zu der großen Zeit der Zeppeline wurde eine Luftschiffhalle angeboten, die heute zu den Sammlerraritäten zählt.

(Bild 5) Teile aus der umfangreichen Angebotspalette an Kaufladen (Quelle: Musterbuch No. 4, S. 51)

Eine schwierige Zeit war der Neubeginn nach dem Zweiten Weltkrieg. Besonders bemerkenswert ist, dass es damals einem kreativen Mitarbeiter gelang, aus einer gebrauchten Konservendose eine Tankstelle herzustellen. Als Werkstoff gewannen neben Holz und Metall in zunehmendem Maße Kunststoffe an Bedeutung.

Eine große Herausforderung war die zunehmende Kunststoffverarbeitung auch in der Spielzeugherstellung. Neue Maschinen und Werkzeuge wurden erforderlich.

Seit 1958 präsentiert die Kibri ihre Produkte jedes Jahr im neu erbauten Messezentrum bei der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg.

1973 fielen die Fabrikanlagen in Böblingen einem Brandanschlag Zum Opfer, bei dem leider auch die komplette historische Mustersammlung ein Raub der Flammen wurde.

Bis zum Neubau der Fabrikationshallen in Böblingen-Hulb wurden zusätzliche Teile in Schopfloch produziert.

 

Die Kibri und Schopfloch:

1963 bezog die Firma Kibri das Gebäude des Werks II der ehemaligen Möbelfabrik Schübel im Schopflocher Gewerbegebiet an der Hörschweiler Straße. Dort wurde hauptsächlich qualitativ hochstehendes Holzspielzeug hergestellt, so z. B. Kaufladen, Kasperletheater, Puppenhäuser und Puppenmöbel.

Das bestehende Fabrikgebäude musste immer wieder vergrößert werden und schon zwei Jahre später entstand der erste Erweiterungsbau. Dorthin wurde die Holzverarbeitung verlegt. Die Vergrößerung des Betriebs machte nun eine Kläranlage, eine eigene Trafostation und den Bau einer Lagerhalle notwendig.

Bis 1966 waren 22 Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Erweiterung stieg sie auf das Doppelte an. Die Kunststoffspritzerei und der Formenbau für die gesamte Produktion befinden sich seit 1975 im Schopflocher Werk.

(Bild 6) Das Werksgelände im Jahr 1985

(Bild 7) Die Werkzeugmacher (1975): von links Fritz Kugler, Werner Rosenberger, Wolfgang Stickel, Siegfried Lauter, Erwin Siegel, Josef Kaupp, Lothar Saier, Dieter Worm, Heinz Breithaupt, Wilfried Konrad

Die nächsten Erweiterungen des Schopflocher Werks wurden durch den Umzug der Restproduktion von Böblingen nach Schopfloch notwendig. Als vorläufiger Höhepunkt der Bautätigkeiten wurde im  März 1999 eine sechs Meter hohe Lagerhalle mit rund 4000 m² Fläche in Betrieb genommen. Darin ist das gesamte Warenlager untergebracht.

Insgesamt hat die Firma (1999) 110 Angestellte, von denen ca. 80 im Schopflocher Werk arbeiten. Der Betrieb bildet mehrere Werkzeugmacher und technische Zeichner aus.

(Bild 8) Das Betriebsgelände 1999

In der Vorweihnachtszeit 2000 zeigte die Kibri im Schopflocher Rathaus eine vielbeachtete Ausstellung ihrer Erzeugnisse. Bastler und Sammler bestaunten die vielfaltigen Exponate.

Bastelnachmittage für Kinder rundeten das Angebot ab und sorgten für Spaß und Begeisterung bei den Kids.

(Bild 9) Transprot eines riesigen Tanks (Quelle: 100 Jahre Kibri)

 

Was wird heute in der Kibri produziert?

Während sich die Hauptverwaltung weiter in Böblingen befindet, ist heute die gesamte Produktion, die Lagerung und die Auslieferung in Schopfloch untergebracht.

Dazu gehören nicht nur die vielen filigranen Einzelteile für Modellbahnzubehör, sondern auch das dafür notwendige komplizierte Werkzeug.

Im Vordergrund der Modellpalette stehen die Bausätze für vielfältige bahntechnische Anlagen wie Bahnhofe, Viadukte usw., Gebäude wie Dorf-, Stadt- und landschaftstypische Häuser, Kirchen, Kapellen, Burgen, verschiedene Industrieanlagen, Nutzfahrzeuge wie Lastwagen, Baukräne, Langholzfahrzeuge, Laderaupen und Zubehör zu allen Bereichen.

(Bild 10)

 

Was macht die Produkte der Kibri so besonders wertvoll?

Viele Erzeugnisse aus der langen Geschichte der Kibri sind heute wertvolle Sammlerobjekte, weil sie ein Stick Kulturgeschichte aufzeigen. Zum einen sind es technische Einrichtungen oder Fahrzeuge, die einst den neuesten Stand der Technik repräsentierten, heute jedoch schon längst „veraltet“ oder im Alltag gar nicht mehr vorhanden sind, zum anderen sind die Bausätze keine Phantasieprodukte, sondern möglichst originalgetreue Modelle bestehender Gebäude wie Dorf- oder Stadthäuser, Fachwerkhäuser, Fahrzeuge, Industrieanlagen usw..

Die Modelle werden maßstabsgetreu in HO, N und Z angefertigt, die Größenverhältnisse zwischen Gebäuden, Fahrzeugen und Zubehör sind identisch.

(Bild 11)

 

Wie entsteht ein Kibri-Modell?

Nachdem ein bestimmtes Objekt, z. B. ein Spezialfahrzeug, von den Mitarbeitern ausgewählt wurde, entsteht zuerst eine umfangreiche Fotoserie. Die technischen Zeichner fertigen danach maßstäbliche Skizzen mit allen Details. Diese Skizzen dienen als Vorlagen für ein erstes Modell aus Karton und Papier. Die Modellbauer erstellen ein sog. „Handmuster“, das genaue Abbild des späteren Serienmodells. Nun fertigen die technischen Zeichner exakte Konstruktionszeichnungen. Die Werkzeugbauer stellen die Gussformen anhand der Konstruktionszeichnungen her.

In der Kibri werden Modelle hergestellt, die aus mehr als 500 Einzelteilen bestehen. Zwischen der Entscheidung für ein bestimmtes Modell und seiner Präsentation im Laden liegen nicht selten zwei bis drei Jahre.

(Bild 12)

Das Zusammenbauen der Modelle, die als Bausätze für Bastler angeboten werden, ist unkompliziert. Durch Klippmarkierungen, die 1988 bei der Montage der Bausätze eingeführt wurde, können z. B. Häuser, auch mit Erkern, passgenau und sauber montiert werden.

 

Die Schopflocher Mitarbeiter:

Eine große Zahl von Arbeitskräften der Kibri kommt direkt aus Schopfloch oder den umliegenden Ortschaften. Viele von ihnen wurden hier schon ausgebildet. Zahlreiche Mitarbeiter haben dem Betrieb über viele Jahre die Treue gehalten und konnten bereits ein Betriebsjubiläum feiern. Besonders hervorzuheben ist auch Herr Fritz Söllner, der im Februar 1968 die Leitung des Schopflocher Werks übernahm und sich engagiert und tatkräftig für die Belange der Firma und seiner Mitarbeiter eingesetzt hat. Im Frühjahr 2001 hat er seinen wohlverdienten Ruhestand angetreten.

(Bild 13)

Nr. 3/2001 Die Bäckerei Ziegler, Firma Koch, Haus und Sanitärtechnik, Schopflocher Flurnamen, Spitzname (Auname) der Schopflocher: "D'Schollawattler"

 Schopflocher Skizzen Bäckerei auf dem Bühl - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Sohn Karl bei der Bäckerlehre - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen in der Backstube auf dem Bühl - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen in der Backstube in der Hauptstraße - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Grundriss der neuen Bäckerei - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Erster Standort der Firma Koch Garage - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Neuer Firmensitz der Firma Koch - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Einblick aus einer Badausstellung - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8
 Schopflocher Skizzen Flurnamen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Schopflocher Schollawattler - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 3 (2001)

(Bild 1)

Eine Bäckerei auf dem Land

Die Bäckerei Ziegler wurde 1924 von Wilhelm Ziegler, dem Großvater des heutigen Besitzers, gegründet. Damals war es üblich, neben der bestehenden Landwirtschaft ein Handwerk auszuüben.

Die Backerei war bis 1989 auf dem Bühl (siehe Bild 1).

In Schopfloch gab es früher noch zwei weitere Bäckereien, den Kohler-Beck und s'Schreiner-Becke (Schultheiß), sowie zwei gemeindeeigene Backhäuser.

In der Backstube von Ziegler's wurde nur zweimal pro Woche im Holzbackofen gebacken.

Verwendet wurde ausschließlich heimisches Weizenmehl und Hefe.

In den Gasthäusern waren Brezeln besonders gefragt. Samstags gab es Schneckennudeln.

Es war die Aufgabe der Bäckerkinder, mit dem Handwägelchen die Backwaren an die Wirtschaften in Dettlingen und Bittelbronn auszuliefern. Die Bauern backten üblicherweise ihr Brot selbst, sodass nur die Leute ohne eigene Landwirtschat, wie z. B. die Familien des Lehrers oder des Bahnhofsvorstehers, ihr Brot beim Bäcker holten.

(Bild 2)

Der Sohn Karl machte eine Bäckerlehre in Dornstetten (siehe Bild 2).

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen er und seine Frau Mathilde den Betrieb. In den ersten Jahren wurde die Landwirtschaft von der Familie Ziegler noch weiter betrieben. Da die Arbeit in der Backstube immer mehr zunahm und die ganze Arbeitskraft von Karl und Mathilde Ziegler beanspruchte, gaben sie die Landwirtschaft auf und bauten die Bäckerei in den folgenden Jahren ständig weiter aus.

Der alte Holzbackofen wurde durch einen neuen Backofen ersetzt, der mit Koks beheizt wurde. Da jetzt täglich gebacken wurde, heizte man den Backofen am Sonntagabend an und ließ ihn erst am Samstag wieder ausgehen.

Als Hefe knapp war, wurde mehr Sauerteig verwendet. Zunehmend waren auch süße Stückle und Plundergebäck gefragt. Für den Verkauf der Backwaren war über Jahrzehnte Maria Ziegler, die Schwester des Bäckermeisters, zuständig.

Die Kundschaft in Dettlingen und Bittelbronn bediente Karl Ziegler anfangs selbst. Mit der Krätze voller Backwaren auf dem Rücken fuhr er mit dem Zug nach Bittelbronn. Zu Fuß ging es über Dettingen nach Schopfloch zurück. Später wurden die frischen Backwaren mit dem Motorrad in die Nachbarorte gebracht. Der „modernen“ Zeit angepasst folgte als nächstes Fahrzeug ein VW-Käfer, dessen Beifahrersitz den Warenkörben hatte weichen müssen und nur zu ganz besonderen Anlässen, meist zu privaten Ausfahrten, umgebaut wurde.

Der Sohn Roland war der erste Lehrling, der von Karl Ziegler ausgebildet wurde.

(Bild 3) In der Backstube auf dem Bühl

Seit 1988 führen Roland Ziegler und seine Frau Regine den elterlichen Betrieb weiter.

Da die Räumlichkeiten auf dem Bühl den ständig wachsenden Anforderungen nicht mehr genügten, wurde nach einem neuen Standort gesucht. Dieser wurde in dem neuerrichteten Geschäftshaus in der Ortsmitte gefunden. Familie Ziegler eröffnete dort 1989 eine Bäckerei mit Lebensmittelmarkt.

Im selben Jahr wurde in Freudenstadt die erste Filiale eröffnet. Da es in Freudenstadt schon eine Bäckerei Ziegler gab, wurde aus diesem Anlass das Firmenlogo geändert:

Seither heißt der Betrieb: „Ziegler's Backstube“

(Bild 4) In der Backstube in der Hauptstraße

Bereits nach zwei Jahren wurde die neue Backstube in der Ortsmitte zu klein. Zunächst konnte von der Gemeinde ein Teil der danebenliegenden Tiefgarage angemietet werden.

Der Mietvertrag war jedoch auf fünf Jahre befristet und konnte auf Dauer nicht verlängert werden.

So ging es erneut um das Problem, ausreichend große Räumlichkeiten zu schaffen, die eine moderne Betriebsführung mit rationellen Arbeitsabläufen erlauben.

Die Erschließung einer größeren Gewerbefläche am Ortseingang aus Richtung Dornstetten ermöglichte einen großzügigen Neubau. Dieser wurde 1997 in Betrieb genommen.

Jetzt gibt es ausreichend Platz für alle Teilbereiche. Die Planung der Produktionsfläche wurde genau auf die erforderlichen Arbeitsabläufe zugeschnitten:

vom Mehlsilo geht der Arbeitsablauf über die Teigmacherei, die Aufarbeitung der Teige an den Arbeitstischen zu den Backöfen und zur Verteilung an die einzelnen Geschäfte.

(Bild 5) Grundriss der neuen Bäckerei

Besonders bemerkenswert ist dabei, dass die Fläche für die Verteilung der fertigen Backwaren ungefähr ein Drittel der Produktionsfläche beträgt.

Neben zehn eigenen Geschäften werden auch Kantinen namhafter Firmen, Lebensmittelgeschäfte, Kliniken und gastronomische Betriebe mit frischen Backwaren beliefert.

Eine wesentliche Erleichterung stellt ein computergesteuerter Roboter dar, der die Beschickung der Backofen übernimmt und so den Bäckern die körperlich schwere Arbeit des Broteinschießens abnimmt. Eine moderne EDV-Anlage unterstützt die Mitarbeiter bei der Planung und Durchführung aller notwendigen Arbeiten. So werden z. B. aus den mit dem Zentralcomputer in Schopfloch vernetzten Geschäften täglich alle notwendigen Informationen automatisch abgerufen. Aus diesen Angaben werden benötigte Mengen berechnet und ein Backzettel ausgedruckt. So wissen die Mitarbeiter genau, was und wieviel in der Nacht gebacken werden muss. Der ebenfalls ausgedruckte Versandzettel erleichtert das Herrichten der Backwaren für die einzelnen Geschäfte, an die frühmorgens ausgeliefert wird.

Da in der Bäckerei der Qualitätsanspruch, möglichst frische Ware zu liefern, sehr ernst genommen wird, müssen die Versandzettel mehrmals in die Hand genommen werden. Die frischen Brötchen kommen nämlich als Letztes vor dem Verschicken aus dem Ofen.

Besonderer Wert wird bei Ziegler's auf traditionelle, handwerkliche Herstellung der Brot und Backwaren gelegt. So werden z. B. die Körner für Brot und Brötchen täglich frisch gemahlen und mit eigenem Natursauerteig gebacken. Das Brot wird im gleichen Ofentyp wie vor 30 Jahren gebacken. Außerdem wird sehr darauf geachtet, eine gleichbleibend gute Qualität zu liefern. Alle Backwaren werden ständig von Fachleuten geprüft. Immer wieder werden neue Brot- und Brötchensorten angeboten, um den veränderten Kundenwünschen Rechnung zu tragen, so z. B. das Schopflocher Landbrot, ein rustikales, grobporiges Brot aus einem weichen Teig, das von Hand ausgebrochen und weiter bearbeitet wird.

Das Angebot an Backwaren umfasst ca. 30 Brotsorten, 30 Sorten Kleingebäck, 50 Sorten süßes Gebäck, 35 Sorten Kuchen und Schnitten, 25 Sorten Torten und Rouladen und 6 Sorten Zöpfe

Spezialitäten sind z. B.

  • die weitbekannte Laugenbrezel, die auch heute noch von Hand geschlungen und mehrmals täglich frisch gebacken wird,
  • das Chanet- und das Ährenbrot,
  • das Schopflocher Landbrot und
  • das Fünfkornquarkbrot für die ernährungsbewussten Kunden.

In dem kleinen Laden neben dem Produktionsbereich werden täglich ab 5:30 Uhr frische Backwaren angeboten. Diese frühe Öffnungszeit kommt den zahlreichen Berufspendlern sehr entgegen. Die Lage an der Durchgangsstraße von Dornstetten nach Horb und die günstigen Parkmöglichkeiten führen immer mehr Menschen mit großem Hunger und wenig Zeit in das angeschlossene Stehcafé. Täglich um die Mittagszeit werden zwei warme Gerichte angeboten: meist ist es ein traditionelles Gericht, wie z. B. Schnitzel mit Kartoffelsalat (von der Seniorchefin gemacht und von der Kundschaft hochgelobt) und ein Nudelgericht, natürlich mit selbstgemachten Nudeln aus der Bäckerei Ziegler.

 

Die Firma Koch, Haus- und Sanitärtechnik
Die Firma Koch war der erste Betrieb, der sich nach einem vorgezogenen Genehmigungsverfahrenim neuen Baugebiet an der Hörschweiler Straße niederließ. Heute floriert derBetrieb und ist aus der Palette der Schopflocher Handwerksbetriebe nicht mehr wegzudenken.

 

Entwicklungsgeschichte
Der Installationsmeister Martin Koch gründete am 01.09.1984 eine Firma für Haus- undSanitärtechnik. Erster Standort war die Garage seines Privathauses in der Goethestraße 8in Schopfloch. Als Werkstatt- und Lagerfläche standen damals ca. 35 m² zur Verfügung. DieAufträge wurden immer mehr, sodass bereits im Frühjahr 1985 ein zweiter Mitarbeitereingestellt werden musste.

(Bild 6) Erster Standort Garage

Mit wachsender Auftragslage wurde die Garage zu klein. Im Gebäude der ehemaligen Möbelfabrik Pfau in der Dornstetter Straße 2 fand der Betrieb geeignete Räumlichkeiten.

Auf 250 m² konnte nun eine richtige Werkstatt eingerichtet werden. Die Zahl der Mitarbeiter stieg ständig.

Weil auch der Platz dort bald nicht mehr ausreichte, wurde ein eigenes Gebäude im Gewerbegebiet „Bohläcker“ geplant und verwirklicht.

Seit 21.12.1991 ist der Firmensitz dort an der Hörschweiler Straße 4. Hier stehen großzügige Räume für Lager, Werkstatt, Büro, Sozialräume und Bäderausstellung zur Verfügung: 600 m² für das Lager, 400 m² für die Werkstatt, 100 m² für das Büro und 100 m² für die Ausstellung. Damals wurden 10 Mitarbeiter beschäftigt.

(Bild 7) Der neue Firmensitz an der Hörschweiler Straße

Im Februar 1992 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt. Geschäftsführer ist Martin Koch. Den bereits bestehenden Abteilungen Sanitär und Flaschnerei wurde 1996 eine Heizungsabteilung angegliedert.

Aus kleinsten Anfängen entstand hier ein leistungsfähiger Handwerksbetrieb, der im Jahr 2000 neben dem Geschäftsführer 2 Meister, 9 Monteure, 2 Lehrlinge und 2 Büroangestellte beschäftigte.

Einige von ihnen sind schon recht lange dabei (Angaben aus dem Jahr 2000):

  • Gerlinde Kugler ( kaufmännische Angestellte) 16 Jahre,
  • Eberhard Schaber ( Gas- u. Wasserinstallateur) 13 Jahre,
  • Ernst Burger ( Gas- u. Wasserinstallateur ) 11 Jahre,
  • Alexander Dettling ( Heizungsbauer ) 11 Jahre,
  • Thomas Fischer (Gas- u. Wasserinstallateur ) 11 Jahre.

Im Jahr 2000 wurden 2 Lehrlinge ausgebildet: Ein Gas- / Wasserinstallateur und ein Heizungs- / Lüftungsbauer haben ihre Lehre begonnen.

Zusätzlich zu den traditionellen Tätigkeiten, wie den Installationen im Gas- und Wasserbereich, werden immer mehr Arbeiten im Bereich der Lüftungstechnik ausgeführt. Die Erstellung einer Druckluftanlage in Dresden und der Einbau einer Großanlage in der Bäckerei Ziegler in Schopfloch gehören zu den größten Auftragen der letzten Jahre. Auch größere Aufträge der Homag aus dem Bereich der Haustechnik stellen immer neue Anforderungen an die qualifizierten Mitarbeiter.

Aufrage für Badrenovierungen und Badneugestaltungen nehmen in der letzten Zeit einen immer größeren Raum ein.

(Bild 8) Einblick in die Badausstellung im Firmengebäude

Der Wirkungsbereich der Firma Koch reicht von Reutlingen, Rottweil und Rastatt bis Calw und Stuttgart.

Das Leistungsspektrum wird einer interessierten Öffentlichkeit immer wieder vorgestellt.

Schopflocher Flurnamen
Flurnamen stammen meist aus alter Zeit und geben uns heute Auskunft über mancherlei.kulturgeschichtliche Hintergründe. Kelten, Römer, Alemannen und Franken haben in denFlurnamen sprachgeschichtliche Spuren hinterlassen, die oftmals mundartlich „angepasst“ wurden. Deshalb kann die Bedeutung mancher Flurnamen heute nicht mehr eindeutig geklärt werden. Im Folgenden sollen einige Flurnamen, die auch heute noch gebräuchlich und teilweise auch in Straßennamen erhalten sind, erläutert werden.

„Laiber“: Der Begriff bedeutet „Leiber“ und „Leben“. Dort wurden Alemannengräber gefunden.

„Balmen“: „balm"” oder „barm“ bedeutet überhängender Fels, auch Höhle. Am Balmen fällt das Gelände steil ab zur Bahnlinie.

„Schlossberg“: Auf dieser leichten Anhöhe in der Dorfmitte hat nie ein Schloss gestanden. Der Name kommt vermutlich daher, dass dort in früher Zeit das Haus der Ortsherren stand.

„Bräunles Halde": Der Name ist wohl vom Familiennamen Braun abgeleitet und bezeichnet den Besitz am Abhang. Heute liegt dort die Erddeponie und das Recycling-Center der Gemeinde.

„Bohläcker“: Das alte Wort „bol“ bedeutet Anhöhe, Erhebung. Lange wurde vermutet, dass unter dem Bohl ein Hügelgrab liegt. Es ist auch denkbar, dass dort Grundmauern einer mittelalterlichen Befestigungsanlage liegen. Allerdings wurde im heutigen Industriegebiet „Bohläcker“ nie gegraben, um endgültige Gewissheit zu bekommen. Auch der Name „Bühl“ bezeichnet eine Anhöhe im Dorf, die vom Bahnhof her unschwer zu erkennen ist.

„Pfaffenholz“: „Pfaffe” steht für Pfarrer, „holz“ bedeutet Wald, d. h, dieser Wald gehörte dem Ortspfarrer oder sein Ertrag wurde als Zinspflicht an ein Kloster bezahlt. Heute liegt das Sportgelände der Gemeinde im Pfaffenholz.

„Saihalde“: Heute auch „Seehalde“ geschrieben, verweist auf einen See, der bei anhaltenden Niederschlägen auch heute noch rechts von der alten Oberiflinger Straße entsteht.

„Rödelsberg“: „Raidel” oder „Reitel” sind dicke Prügel „Reite” ist eine zugerichtete Stelle, „Raiden“ eine eckige Bergform. Die genaue Bedeutung ist nicht klar. Heute befindet sich auf dem Rödelsberg ein Wasserreservoir mit einer Aussichtsplattform. Bei klarer Sicht ist ein weiter Blick von den Bergen der Schwäbischen Alb über die Schweizer Alpen, den Südschwarzwald und die Berge des nahen Nordschwarzwaldes möglich.

„Kugelburg“ – „Burg“ – „Bürgental“. Alle drei Flurnamen verweisen auf die ehemalige Befestigungsanlage. Die Schreibweise „Birkental” ist wohl auf die undeutliche Aussprache zurückzuführen.

(Bild 9) Quelle Festschrift zur 1200-Jahrfeier

„D' Schollawattler”
Die Einwohner jeder Ortschaft im Schwabenland wurden seit langer Zeit mit „Spitznamen“ versehen. Die Entstehungsgeschichte beruht häufig auf einem lustigen Ereignis, aber auch auf Sitten, Gebräuchen und landschaftlichen Besonderheiten. In der heutigen Zeit geben sie vielfach auch Auskunft über kulturgeschichtliche Hintergründe.

Mit diesen Übernamen, auch „Auname“ (Unname) wurden die Bewohner eines Fleckens humorvoll charakterisiert, gelegentlich auch gehänselt.

Da die Schopflocher Markung auf Muschelkalk liegt und sich bei Regenwetter auf den Ackern im Lehmboden schwere Schollen bilden, nannte man die Schopflocher „die Schollenwattler“. Das „Wattler” kommt von „waten“ = „schwer, mühsam gehen”.

Die Schopflocher „Schollenwattler” sind also Bauern, die sich mühsam auf ihren schweren, lehmigen Ackerschollen vorwärts bewegen.

Dabei muss man aber wissen, dass der schwere Lehmboden fruchtbarer ist, als der magere Sandboden mancher Nachbarorte. In Schopfloch wächst Weizen, dort nur Roggen.

(Bild 10)

Text und Foto: Manfred Maier

Nr. 1/2002 Kunstschmiede Peter Haizmann, Oberiflingen

 Schopflocher Skizzen Bild vom Wasserturm Oberiflingen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Logo von Herrn Haizmann - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Herr Haizmann zusammen mit Auszubildendem - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Aushängeschlid vom Betrieb - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Erweiterung Betriebsgebäude - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Bilder von Projekten - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Ganzstahlbild Schmetterling - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Figur auf Stein - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Ganzstahlplastiken - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber; Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt

Nummer: 1 (2002)

(Bild 1) Foto "Wasserturm in Oberiflingen" von Karl-Heinz Kübler

(Bild 2)

Man schüttelt den Kopf, wenn man liest, dass Metall leben soll. Einem Laien erscheint das unglaubhaft.

Wer kommt nur auf so einen Spruch?

Dass Metall lebt, das kann nur einer behaupten, der diesen Werkstoff genau kennt, ihn schätzt, beherrscht und zum Leben erwecken kann.

So ein Meister seines Faches lebt und arbeitet in Oberiflingen: Der Kunstschmied Peter Haizmann.

(Bild 3) Foto 2001, Peter Haizmann und Auszubildender Jan Scholz

Wer ist Peter Haizmann?
Nach dem Abschluss seiner Schulausbildung an der Grund- und Hauptschule in Schopflochbegann er 1975 seine berufliche Ausbildung in der Werkstatt des Kunstschmieds AntonArmbruster in Horb-Diessen.

Die Lehre schloss er 1978 als Innungsbester ab. Sein Gesellenstück war eine zweiflügelige Rundbogentüre.

In den folgenden Ausscheidungswettbewerben wurde er anschließend Kammersieger und Landessieger. (Jeweils die zwei besten Schmiede und Schlosser aus jedem Bundesland wurden zu einer viertägigen Prüfung nach Northeim bei Hannover zugelassen. Neben einer schriftlichen Prüfung, die verschiedene, auch allgemeinbildende Fächer umfasste, wurde im praktischen Teil das Schmieden, Feilen, Herstellen von Drehteilen, sowie die Gestaltung eines Werkstücks vom Entwurf bis zur Herstellung, verlangt.)

Peter Haizmann schaffe auch diese Hürde und wurde Bundessieger im Schmiedehandwerk.

Als Geselle arbeitete er weitere 4 Jahre in seinem Lehrbetrieb und schloss seine berufliche Ausbildung im Juli 1983 mit dem erfolgreichen Besuch der einjährigen Schlosser- und Schmiedemeisterschule in Göppingen ab.

Als Meisterstick fertigte er ein Aushängeschild für den eigenen Betrieb, das heute sein Wohnhaus ziert.

(Bild 4)

Seit 1983 ist Peter Haizmann selbständig. Der Sitz seines Betriebs ist am Zimmerplatz 4 in Schopfloch-Oberiflingen.

Er beschäftigt z. Zt. (Jan. 2002) einen Gesellen, einen Auszubildenden, eine Angestellte und zwei Aushilfskräfte.

(Bild 5) Foto 2001, Erweiterung des Schlossereigebäudes Fertigstellung im Jahr 2000, Ansicht von Süden. Das in massiver Bauweise erstellte Untergeschoss dient Lagerzwecken.

Neben Stahl verarbeitet er auch Edelstahl, Messing, Schmiedemessing, Schmiedebronze und Aluminium.

Die Ergebnisse seiner Arbeit sind vielfältig:

  • Lampen, Leuchter, Garderoben, Grabkreuze, Wetterfahnen,
  • Fenstergitter, Balkon- und Treppengeländer,
  • Werbeschilder, Messeständer für Informationsmaterial,
  • Zaunanlagen, Tore, Türen,
  • Möbelbeschläge und, und, und...

Seine Produkte werden in den unterschiedlichsten Stilrichtungen hergestellt und sind im weiten Umkreis verstreut:

  • in Radolfzell eine Reiherplastik und verschiedene Wandplastiken,
  • Kofferwagen in der „Traube“ in Tonbach,
  • das Tourist-Informationsschild in Dornstetten,
  • Türdrücker im „Hotel Bareiss“ in Mitteltal,
  • ein Metallbild in Slowenien,
  • ein Deckenleuchter bei Windhuk in Namibia,
  • Ständer für Prospekte, die die Firma Fischer, Waldachtal, weltweit in ihren Betrieben verwendet,
  • Fenstergitter, Balkon- und Treppengeländer in zahlreichen Privathäusern der näheren Umgebung.

(Bild 6)

Seit ca. 5 Jahren gestaltet er neben den eher konventionellen Aufträgen auch künstlerische Metallobjekte nach eigenen Entwürfen, die sich wachsender Beliebtheit erfreuen,

  • so z. B. Ganzstahlbilder aus den verschiedensten Metallen und mit unterschiedlicher Farbgebung, (Bild 7)
  • Plastiken auf Stein, wie z. B. Libellen, Schmetterlinge, Reptilien aus Eisen oder Buntmetallen, (Bild 8)
  • Ganzstahlplastiken für Garten, an Teiche oder für Wohnräume (Bild 9)
  • und es fällt ihm immer wieder etwas Neues ein!

Neben praktischen Problemlösungen hat sich Peter Haizmann durch seine künstlerischen Objekte ein zweites Standbein geschaffen. In beiden Fällen steht am Anfang ein gründlicher Denkprozess aus dem der erste Entwurf hervorgeht. Es folgt die Entwicklung und Erprobung bis zur handwerklichen Fertigung.

Einer zeitgemäßen, praktischen und optisch ansprechenden Gestaltung gilt dabei sein Hauptaugenmerk.

Ausstellungen in der näheren Umgebung seines Wohnorts in Baiersbronn, Dornstetten, Empfingen und Oberiflingen zeigten der interessierten Kundschaft das große Spektrum des handwerklichen Könnens und der gestalterischer Ideen von Peter Haizmann.

Von Nov. 98 - März 99 fand eine Ausstellung mit künstlerischen Metallobjekten aus der Werkstatt Haizmann im Schmetterlingshaus auf der Insel Mainau großes Interesse der Besucher.

Dass ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit von Peter Haizmann eine umfassende Lehrlingsausbildung ist, zeigt sich daran, dass Ingo Rues aus Dornhan, der von Peter Haizmann ausgebildet wurde, dritter Bundessieger beim praktischen Leistungswettbewerb der Handwerksjugend 2001 wurde. Als Prüfungsbester in der Gesellenprüfung seines Berufs musste Ingo Rues nacheinander erster Kammersieger und erster Landessieger werden, um sich an der Bundesausscheidung beteiligen zu können.

Auch dieses Ergebnis seiner Arbeit macht Peter Haizmann und sein ganzes Team stolz.

Nr. 2/2002 Die erste Frau mit Führerschein in Schopfloch, Die Wappen von Schopfloch, Ober und Unteriflingen, neues Wappen Gesamtgemeinde

 Schopflocher Skizzen Altes Foto der Gemeinde - Bild wird mit einem klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Weinfass wird auf Auto verladen - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Führerschein von Frau Winter - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Familie Winter - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Altes Wappen Schopfloch - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Altes Wappen Oberiflingen - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Altes Wappen Unteriflingen - Bild wird mit einem klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Neues Wappen Schopfloch - Bild wird mit einem klick vergrößert
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Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 2 (2002)

(Bild 1) Foto: "Es war einmal" Bernd Eberhardt, Schopfloch

Die erste Frau mit einem Führerschein in Schopfloch

Man könnte fast sagen: „Wie das Leben so spielt ...“

So manches über das man heute staunt, hat eigentlich ganz unspektakulär angefangen. So auch diese Geschichte:

Bedingt durch eine Kriegsverletzung war Küfermeister Christian Winter (1888 - 1960) nach seiner Rückkehr aus dem Ersten Weltkrieg (…) bevorzugt im Postdienst als Briefträger eingestellt worden. Die Post war damals im Kolonialwarengeschäft Jakob Maier in der Bühlstraße untergebracht.

Zweimal täglich musste er mit einem Handwagen auf den Bahnhof, um Post und Pakete am Postwagen, der am Zug angehängt war, abzuholen oder abzuliefern. Bei dieser Tätigkeit hatte er natürlich täglich mit dem „Postfräulein“ Maria Reutter aus Tumlingen zu tun. Maria Reutter (1897 - 1974) und der Briefträger und Küfermeister Christian Winter heirateten 1920.

Der Tag der Hochzeit hinterließ bei Maria tiefe Eindrücke. Sie wurde von ihrem Bräutigam mit der Königskutsche aus dem Besitz der Familie Schübel zuhause in Tumlingen abgeholt, begleitet von einem Leiterwagen mit mehreren Freundinnen und Freunden.

Neben seiner Tätigkeit als Briefträger und der Küferei betrieb Christian Winter auch einen Weinhandel. Die geschäftliche Aufwärtsentwicklung brachte es mit sich, dass ein Fahrzeug angeschafft werden musste. Man entschied sich für einen schwarzen 2 l-Opel.

(Bild 2) Foto: 1938, Das Weinfass wird auf den Anhänger festgezurrt. Die Fahrt kann losgehen, die Kundschaft wartet.

Es war damals geradezu sensationell, dass Maria Winter 1935 als erste Frau in Schopfloch den Führerschein Klasse 3 machte. Fahrlehrer Waldner aus Horb war ihr Lehrmeister und sie erzählte oft, dass sie schon an der Stellung seiner Zigarre sehen konnte, ob das, was sie während der Fahrstunden tat, richtig oder falsch war.

(Bild 3)

Nun war sie häufig mit dem schwarzen Opel auf den damals recht staubigen Schotterstraßen unterwegs. Ganz selbstverständlich brachte Maria Winter mit dem Auto und Anhänger die Weinfässer zur Kundschaft.

Die Familie Winter war auch in anderen Dingen recht fortschrittlich. So befand sich z. B. in ihrem Haus auch eines der ersten wenigen Telefone im Amt Dornstetten mit Nummer 82.

Frau Winter war eine begeisterte und beliebte Autofahrerin und öfter auch damit beschäftigt, jemand ins Krankenhaus zu fahren, z. B. wenn eine Geburt bevorstand. Bis in die letzten Kriegstage wurde sie mit ihrem Auto für Freud- und Leidfahrten gerne in Anspruch genommen. Beim Einmarsch der Franzosen am 17. April 45 wurde der PKW sofort beschlagnahmt.

Später wurde von Winters wieder ein fast identisches Auto erworben.

(Bild 4) Foto: Familie Winter mit den Kindern Christian, Else und Ernst

Von ihren 5 Kindern lebt heute noch der Sohn Ernst (Altbürgermeister) in Schopfloch.

Die Tochter Else lebt in Frankreich.
(Mit freundlicher Unterstützung von Ernst Winter)

 

Die Wappen von Schopfloch (Bild 5)
(Quelle: Jahrbuch für den Kreis Freudenstadt 1986)

1. Wappen der früheren Gemeinde Schopfloch

In Silber auf grünem Boden zwischen zwei grünen Tannen eine rote Scheune mit offenem Tor.

Deutung:
Dieses Wappen ist ein „redendes Wappen“: Schopf = Scheuer und Loch / Lohe = Wald.

Verleihung:
Das Wappen wurde bereits seit 1840 im Siegel geführt. Nach Angaben des Hauptstaatsarchivs wurde es 1956 in seiner endgültigen Form festgelegt.

Anmerkung:
Die Lehenshoheit über einen Hof in Schopfloch, vielleicht auch über den ganzen Ort, hattenim 13. Jahrhundert die Pfalzgrafen von Tübingen der Horber Linie, möglicherweise auch zeitweilig die Grafen von Hohenberg.

Der Ort gehörte später zur geroldseckischen Herrschaft Loßburg und wurde mit dieser 1501 an das Kloster Alpirsbach verkauft, von diesem 1526 an die von Hornberg veräußert, die den Ort 1589 an Württemberg verkauften.

Es wurde dem Amt und späteren Oberamt Dornstetten zugewiesen und kam 1807 / 1808 zum Oberamt und 1938 zum Altkreis Freudenstadt.

Am 01.07.1974 vereinigte sich Schopfloch mit Oberiflingen und Unteriflingen zur neuen Gesamtgemeinde Schopfloch.

Das alte Wappen der früher selbstindigen Gemeinde Schopfloch ist erloschen.

 

2. Das Wappen der Ortschaft Oberiflingen (Bild 6)

In Rot unter einem sechsstrahligen goldenen (gelben) Sten eine goldene (gelbe) Egge.

Deutung:
Die Egge wurde einem Fleckensiegel um 1820 entnommen, der Stern dem Wappen der Herren von Neuneck.

Die Wappenfarben Gold und Rot waren ebenso die Farben der Herren von Neuneck.

Verleihung:
Mit Erlass vorm 21. Oktober 1957 hat das Innenministerium Baden-Württemberg der Gemeinde Oberiflingen ihr früheres Wappen unter Beigabe eines Beizeichens und der Wappenfarbe bestätigt.

Anmerkung:
Oberiflingen gehörte größtenteils zur geroldseckischen Herrschaft Loßburg und wurde mit dieser 1501 an das Kloster Alpirsbach verkauft.

Mit Alpirsbach kam es an Württemberg. Oberiflingen gehörte bis 1806 zum Klosteramt Alpirsbach, ab 1807 / 1808 zum Oberamt, ab 1938 zum Altkreis Freudenstadt. Oberiflingen verlor am 01.07.1974 seine Selbstständigkeit.

Das Wappen der früher selbständigen Gemeinde Oberiflingen ist erloschen.

 

3. Das Wappen der Ortschaft Unteriflingen (Bild 7)

In Blau eine fünfblättrige bewurzelte goldene (gelbe) Lindenstaude.

Deutung:

Der einstige Ortsadel der Ifinger führte eine goldene Lindenstaude in rotem Schild.

Da dieses Wappen aber bereits von der Gemeinde Lackendorf, Kreis Rottweil, angenommen worden war, wurde hier zur Unterscheidung ein blauer Schildgrund gewählt.

Verleihung:

Mit Erlass vom 16. März 1957 hat das Innenministerium Baden-Württemberg der Gemeinde Unteriflingen das Recht verliehen, ein Gemeindewappen zu führen.

Anmerkung:

Der Ortsadel ist 1085 und 1095 erstmals mit Bubo von Ueningen bezeugt, Unteriflingen kam früh an die Herrschaft Neuneck und mit dieser über die von Ehingen und von Closen an Württemberg. Der Ort gehörte stets zum Amt bzw. Oberamt, seit 1938 zum Altkreis Freudenstadt.

Unteriflingen verlor am 01.07.1974 seine Selbständigkeit.

Das Wappen der früher selbstindigen Gemeinde Unteriflingen ist erloschen.

 

4. Das neue Gemeindewappen (Bild 8)

Unter goldenem (gelbem) Schildhaupt, darin eine schwarze Hirschstange, in Rot ein goldenes (gelbes) Tatzenkreuz mit je drei schwarzen Punkten an den Enden der Arme.

Deutung:

Die schwarze Hirschstange in Gold ist dem Wappen des Hauses und des Landes Württemberg entnommen, dem die drei Teile der heutigen Gemeinde Schopfloch über lange Zeit unterstanden (Schopfloch seit 1589, Oberiflingen seit 1534, Unteriflingen seit 1614).

Das goldene griechische Kreuz (Kreuz mit gleich langen, hier nach außen verbreiterten Balken), weist auf die Frühgeschichte von Oberiflingen mit seiner Kirche hin. Östlich der Kirche wurde im Jahr 1896 ein Grabhügel ausgegraben, in dem, den Beigaben nach zu schließen, (vermutlich) in der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts ein Alemanne mit seiner Frau bestattet worden war; unter den Beigaben war ein sog. Goldblattkreuz (2,8 cm).

Beide gehörten, der Art ihrer Bestattung nach, dem alemannischen Adel an; mindestens die Frau bekannte sich zum christlichen Glauben. Die beiden in dem Hügel Bestatteten oder andere Angehörige ihres Geschlechts dürfen die Stifter der Kirche Sankt Michael gewesen sein.

Oberiflingen war allem Anschein nach der Mittelpunkt einer alemannischen Adelsherrschaft.

Rot und Gold als Wappenfarben galten im Mittelalter als ein Kennzeichen für Angehörige des schwäbischen Adels, in gewissem Sinn also als Farben der Schwaben.

Verleihung:

Mit Erlass vom 04. Juli 1978 hat das Landratsamt Freudenstadt der Gemeinde Schopfloch das Recht verliehen, ein Gemeindewappen zu führen, sowie eine Flagge in Gelb – Rot (Gold - Rot).

Nr. 3/2002 Seeger Ferntransporte GmbH

 Schopflocher Skizzen Ansichtskarte aus der Zeit um 1950 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Umzug der Schopflocher Skizzen Familie Erlemann aus dem Kaufhaus Schwarz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Der zweite LKW vor der damaligen Werkstatt in der Schloßbergstraße - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen 1951 Fritz Seeger gegenüber der Lorelei - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Spezialfahrzeug (Mercedes Actros) mit größerer Ladelänge und 480 PS - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Jakob-Frieder und Anette Seeger, Rainer und Anne Seeger - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Hochbetrieb auf dem Firmengelände - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Einfahrt nach Schopfloch aus Richtung Dettlingen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch

Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 3 (2002)

(Bild 1) Ansichtskarte aus der Zeit um 1950

Seeger-Ferntransporte GmbH
Wer von Dornstetten kommend nach Schopfloch hereinfährt, sieht rechts von der L 370 dasFirmengelände mit dem neuen Betriebsgebäude der Firma Seeger Ferntransporte GmbH.

Wer am Wochenende dort vorbeifährt, staunt über die akkurat aufgereihten, gelben und blauen LKW´s, die, meist schon beladen, auf die Fahrt zu ihren Bestimmungsorten warten.

Entwicklungsgeschichte
Bereits in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lieferte der Großvater der heutigen Besitzer, der Landwirt Jakob Seeger (1896-1954), Landprodukte mit einem Pferdefuhrwerk an die Bauern der näheren Umgebung. Er erkannte frühzeitig die Zeichen der Zeit und sah neue  Entwicklungen im Transportgewerbe voraus. Im Jahre 1947 schaffte er seinen ersten LKW an, einen Mercedes mit 120 PS und einen Viertonnenanhänger.

(Bild 2) Umzug der Familie Erlemann aus dem Kaufhaus Schwarz (Haus Lorek in der Hauptstraße) in Schopfloch nach Bad Schussenried. Von links: Jakob Seeger, - ? -, Inge Erlemann, Helene Schwarz, Elisabeth Schwarz, Gerd Erlemann, Fritz Seeger

 

Um diesen LKW ranken sich einige Geschichten, die uns heute schmunzeln lassen:

Am Sonntag wurden Bänke auf die offene Pritsche des LKW gestellt und Spieler und ihre Fans fuhren gemeinsam zu Fußballspielen in der näheren Umgebung.

Besonders bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang das Fußballspiel gegen Loßburg, am Tag nach der Hochzeit von Eugen Hornberger und Lotte, geb. Kilgus.

Es war die erste öffentliche Hochzeit im Dorf nach dem Krieg und...

… Loßburg gewann das Spiel mit 17:0.

***

Gelegentlich fuhr man auch zum Heidelbeeren sammeln auf den Kniebis. Eine der 20 „Heidelbeerfrauen“ berichtet, dass es aber „gar koine ghet hot”.

***

Auch zu Beerdigungen in der näheren Umgebung fuhr man mit dem LKW von Seegers. Dicht gedrängt saßen die Leute in ihrer schwarzen Trauerkleidung auf der offenen Pritsche.

Dabei und auch bei manch anderer Fahrt war der Chauffeur Otto Barth (Restauration).

 

Die ersten Transporte fanden vorwiegend im Nahbereich statt: So transportierte Jakob

Seeger z. B. Frühkartoffeln aus eigenem Anbau und Gelbe Rüben aus dem Gäu nach Freudenstadt, um zur (Grundversorgung der Stadtbevölkerung mit Lebensmitten beizutragen.

Diesen ersten LKW fuhr dann der Sohn Fritz (1930 - 1994), als er den Führerschein gemacht hatte.

Nach der Währungsreform und hervorgerufen durch das allgemeine Wirtschaftswachstum während der Nachkriegsjahre stieg der Bedarf an Transportkapazitäten sprunghaft an, deshalb wurde ein zweiter LKW angeschafft.

(Bild 3) Der zweite LKW vor der damaligen Werkstatt in der Schloßbergstraße

 

Der Transport von Baustoffen für die wachsende Bauwirtschaft wurde zum Haupterwerbszweig für Jakob und Fritz Seeger. Bau- und Schnittholz aus dem Schwarzwald wurden ins Rheinland und ins Ruhrgebiet transportiert. Teilweise fuhren die LKW sogar mit zwei Anhängern, was damals keine Seltenheit war. Auf dem Rückweg brachten sie Hohlblock- und Bimssteine aus dem Neuwieder Becken mit (siehe Foto 4). Diese Steine wurden während des Wiederaufbaus von Freudenstadt in großen Mengen gebraucht. Wenn man überlegt, dass es damals noch keine modernen Hubstapler und Kräne zum Be- und Entladen gab, kann man sich vorstellen, welch harte Arbeit das für die Fahrer war.

(Bild 4): 1951 Fritz Seeger gegenüber der Lorelei

 

Nach dem Tod von Jakob Seeger übernahm der Sohn Fritz 1955 den aufstrebenden Betrieb. Mit dem Kauf eines dritten LKW, einem Büssing mit 125 PS, im gleichen Jahr, begann bei der Firma Seeger der Einstieg in den Fernverkehr.

Weil Bims- und HohIblocksteine zunehmend durch andere Baumaterialien ersetzt wurden und auch der Holztransport rückläufig war, musste sich Fritz Seeger nach anderen Auftraggebern umsehen. Er fand eine Marktlücke im Transport von Spezialfahrzeugen und Maschinen aller Art.

Um diese Güter transportieren zu können, wurden Spezialfahrzeuge angeschafft, die mit modernster Technik und starken Motoren ausgerüstet und den jeweiligen speziellen Anforderungen angepasst waren. Anfangs wurden hauptsächlich Mähdrescher und Traktoren transportiert.

Schwerpunktmäßig werden jetzt Fahrzeuge der Firma Kramer, Überlingen, transportiert.

(Bild 5) Spezialfahrzeug (Mercedes Actros) mit größerer Ladelänge und 480 PS.

 

Heute reicht die Palette der Transportmöglichkeiten von Fahrzeugen aller Art über Baumaschinen und Baumaterialien bis zu den unterschiedlichsten Industriegütern.

Seit ca. 30 Jahren werden regelmäßig Transporte nach Südeuropa, insbesondere Spanien und Portugal durchgeführt. Dabei werden hauptsächlich Schlepper und Baumaschinen ausgeliefert.

Immer wieder gab es neue Herausforderungen für Belegschaft und Fahrzeuge, so z. B.

  • den Transport einer neuen Schopflocher Kirchenglocke oder
  • den Transport von Hilfsgütern nach Rumänien.

1994 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt und die Söhne Jakob-Frieder und Rainer als Geschäftsführer aufgenommen. Nach dem plötzlichen Tod von Fritz Seeger im gleichen Jahr führen sie jetzt den Betrieb unter tatkräftige Mithilfe ihrer Ehefrauen weiter.

(Bild 6) Jakob-Frieder und Anette Seeger, Rainer und Anne Seeger

 

Gleichzeitig mit dem 50-jährigen Betriebsjubiläum 1997 wurde das neue Firmengebäude auf einem 5000 m² großen Grundstück am Ortseingang von Schopfloch im neuen Gewerbegebiet „Bohläcker“ bezogen. Dort entstand ein Hallenneubau zur Wartung und Reparatur der Fahrzeuge und moderne Büro- und Sozialräume.

Die Firma Seeger Transporte beschäftigt (2002) 14 Angestellte.

12 blaue und gelbe Fahrzeuge sind die Woche über in ganz Europa unterwegs und kommen am Wochenende meist nach Schopfloch zurück.

Seit der Öffnung der Grenzen zu den Ländern des ehemaligen Ostblocks wurden gelegentlich Transporte nach Polen (ca. 2 000 km) durchgeführt. Slowenien (ca. 900 km) wird seitdem wöchentlich angefahren.

(Bild 7) Hochbetrieb auf dem Firmengelände.

(Bild 8) Foto von Bernhard Burkert: Einfahrt nach Schopfloch aus Richtung Dettlingen

Nr. 4/2002 Geschichtlicher Überblick

 Schopflocher Skizzen
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Tabelle 1 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Tabelle 1 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Tabelle 2 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Tabelle 2 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Tabelle 2 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Tabelle 3 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Tabelle 3 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8

(Bild 1) Sog. „Zeugen“ aus den ehemals selbständigen Ortschaften Oberiflingen, Schopfloch und Unteriflingen, die jeweils unter die Marksteine gelegt wurden.

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 4 (2002)

Die im 19. Jahrhundert angeordnete Beschreibung aller Oberämter im Königreich Württemberg ermöglicht, zusammen mit den 3 Übersichtstabellen zu verschiedenen Bereichen des täglichen Lebens, ein detailliertes Bild des damaligen Zustands aller Gemeinden. Darüberhinaus ist für Leser in unserer Zeit auch die im 19. Jh. übliche Rechtschreibung und Ausdrucksweise interessant. In den folgenden Auszügen aus der Beschreibung des Oberamts Freudenstadt wurde die Originalschreibweise übernommen.

An verschiedenen Stellen wurden von der Redaktion Fußnoten eingesetzt.

Um den Lesern einen Eindruck von der mühevollen Arbeit der Beteiligten zu geben, wurde das Schlusswort an den Anfang der Texte gestellt.

Beschreibung des Oberamts Freudenstadt
Herausgegeben von dem
Königlich statistisch-topographischen Bureau, 1858
Schlusswort (S. 340)

Die unter der Redaktion des Königl. statistisch-topographischen Bureau als 38. Heft der angeordneten Beschreibung des Königreichs erscheinende Oberamtsbeschreibung von Freudenstadt hat im Allgemeinen das Bureau-Mitglied Finanz-Assessor Paulus zum Verfasser, welcher die topographischen, naturhistorischen und archäologischen Partien derselben an Ort und Stelle aufnahm und bearbeitete. Das Bureau-Mitglied Oberstudienrath v. Stälin hat durch die Bearbeitung der politisch-historischen Theile wesentlich mitgewirkt, während die statistischen Notizen und Berechnungen auf der Kanzlei des Bureaus durch Kanzleirath Diezel gefertigt wurden.

Außer den zunächst für die Ortsbeschreibungen beigezogenen weltlichen und geistlichen Vorstehern haben namentlich Oberamtmann Rominger, Oberförster Schlette und Oberamtsarzt Dr. Diez in Freudenstadt und Conrector Pfaff in Esslingen interessante Beiträge geliefert und das Bureau hierdurch zu besonderem Dank verpflichtet.

Stuttgart, im Februar 1858
Herdegen

S. 128-132: VII Geschichtlicher Überblick

4. Alterthümer A. Römische

1) Die Consularstraße,
welche vor der römischen Niederlassung bei Regensburg (Reginum) nach der bei Windisch in der Schweiz (Vindonissa) führte, zieht zunächst von Rottenburg (Sumlocenne) herkommend unter den Benennungen alte Straße, Hochstraße, Heerweg, östlich von Schopfloch in den Bezirk bis Schopfloch, wo sie sich durch Terrainverhältnisse bedingt, schnell gegen Süden wendet, nach Oberiflingen führt und südlich vom Ort den Bezirk verlassend, ihren Zug über Leinstetten, Dornhan nach Rottweil etc. fortsetzt.

2) Von dieser letztbeschriebenen Consularstraße
ging bei Schopfloch eine römische Straße ab, die unter der Benennung Heerstraße nördlich an  Dornstetten vorüber nach Aach und von da über Wittlensweiler nach Freudenstadt führt. Von Freudenstadt lief sie auf der alten Kniebisstraße auf den Kniebis und weiter über Oppenau nach Straßburg. Sie war die Straße, welche das römische Sumlocenne (Rottenburg) mit der römischen Niederlassung Argentoratum (Straßburg) verband.

3) Von der ad 1) beschriebenen Straße
ging fermer in der Nähe von Schopfloch eine Straße, jetzt Heergasse genannt, ab, die ihren Zug über Hörschweiler, Cresbach, Pfalzgrafenweiler nach Altensteig hatte.

4) Eine andere Straße
führt unter den Benennungen Hochsträß, Heergäßle, Zigeunersträßle, von Oberiflingen über Neuneck, nördlich an Wittendorf vorüber nach Loßburg.

Als Überreste römischer Niederlassungen lassen sich annehmen:

1) Die 1/4 Stunde südwestlich von Unteriflingen gelegene Altstadt, wo nach der Volkssage eine Stadt (Rockesberg) gestanden haben soll. Man findet daselbst noch auf einem Bergvorsprung gegen das Glattthal ein Mauern und Wall umgebenes Eirund, dessen große Achse 1000*1 die kleine 500' lang ist. Die Höhe der zerstörten, ungefähr 3' dicken Mauer, beträgt an der Innenseite öfters 4 - 5', an der Außenseite aber zuweilen gegen 10'.

Der außerhalb der Mauer führende Wall hat gegen Innen eine Höhe von 2 - 3', gegen Außen gegen 10'. Der Wall beginnt an dem Eingang in die Altstadt (sog. Thor), welcher sich am östlichen kleinen Bogen des Eirundes befindet. Zunächst an dem Eingang zieht der Wall ganz nahe an der Mauer hin, entfernt sich aber allmälig gegen 60' weit von ihr, bis er endlich an dem größern, gegen Westen gekehrten Bogen der Altstadt verschwindet. Durch das sog. Thor führt eine gepflasterte Straße, der Stadtweg, in die Altstadt zu einer holzlosen, 265' langen und 50' breiten Platte, welche der Markt genannt wird; außer ihr findet man innerhalb der ummauerten Altstadt noch viele dicht verwachsene Erhöhungen und Vertiefungen, die ehemalige Gebäude verrathen, von denen man schon öfters Grundmauern, Backsteine, Ziegel etc. ausgrub, die eine abgegangene namhafte Niederlassung bekunden. Wie der Verfasser annimmt (s. Württ. Jahrb. Jahrg. 1846, 1. Heft, S. 155 ff.) lag hier das auf der Peutinger Tafel angegebene Area flaviae, das früher in Rottweil gesucht wurde. Nördlich von der Altstadt befindet sich am Anfang eines Seitenthälchens des Glatt-Thals ein 10-12' hoher, künstlich aufgeworfener, mit Graben umgebener Hügel, der sog. Burggraben, dessen kreisrunde Kuppe etwa 45' Durchmesser hat. Derselbe stand ohne Zweifel mit der befestigten Altstadt in engster Verbindung und scheint ein Wachhügel gewesen zu sein.

[…]

6) Auf der sog. Lauppe nördlich von Schopfloch stand ein wahrscheinlich römischer Wohnplatz.

 

*1 = altes Längenmaß: 1 Württ. Fuß = 28,65 cm

4. Alterthümer. B. Deutsche

[…] Westlich von Unteriflingen bestanden zwei Grabhügel, von denen einer in neuerer Zeit abgetragen wurde, er enthielt neben den Resten eines menschlichen Gerippes mehrere schön gearbeitete Bronceringe der ebengedachten Art, sowie Ohrenringe; ferner Fibeln*2 und eine thönerne, von zwei Seiten zusammengedrückte, hohle Kugel, in der sich Gegenstände, vermutlich kleine Steinchen, befinden, die beim Rütteln der Kugel klappern; ebenso wurde ein hohler Broncering gefunden, Steinchen zum Klappern enthaltend (s. hier. Württ. Jahrb. Jahrgang 1846, 1Heft, S. 159).

[...] Gräber, nicht in aufgeworfenen Hügeln, sondern in den gewachsenen Boden eingesetzt und wohl einer späteren Periode als die Todtenhügel angehörig, wurden in und bei Oberiflingen gefunden. [...]

Von abgegangenen Burgen, Schanzen und Schlössern, wovon sich noch mehr oder weniger Spuren finden, sind folgende zu nennen:

[…] Auf der Markung Schopfloch, eine Burg (Schloßberg), stand südlich am Ort und eine weitere an der Straße nach Dornstetten. [...]

Abgegangene Orte, Klöster, Waldbrüderhäuser, Kapellen etc., von denen sich (s. die betreffenden Ortsbeschreibungen) noch einzelne Spuren finden, kommen vor: [...]

6) Auf der Markung Schopfloch der Stadthof am Martinsbühl. […]

*2 Fibel = Spange zum Zusammenhalten von Gewändern

 

(Bild 2-3) Tabelle 1: Einwohner, Gebäude und Viehstand

(Bild 4-6) Tabelle 2: Flächenmaß

(Bild 7-8) Tabelle 3: Staatssteuern, Gemeinde und Stiftungshaushalt nach den Rechnungen des Jahres 1855/56

Nr. 5/2002 Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt zu den Ortsteilen Ober- und Unteriflingen

 Schopflocher Skizzen Unteriflingen im Frühling - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Ortsplan von Unteriflingen aus dem Jahr 1836 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Ortsplan von Oberiflingen aus dem Jahr 1836 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Frühlingserwachen in Oberiflingen, Unterdorf - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 5 (2002)

Bild 1 Foto von Frieder Eberhardt: Unteriflingen im Frühling

Beschreibung des Oberamts Freudenstadt Herausgegeben von dem Königlich statistisch-topographischen Bureau, 1858

(Anm. d. Red.: Es wurde die Originalschreibweise übernommen. Fußnoten erklären Begriffe und Zusammenhänge, die heute nicht mehr allgemein gebräuchlich oder schwer verständlich sind.)

S. 325 - 326: Unteriflingen,

Gemeinde III. Kl.*1 mit 249 Einw. - Pfarrfilial von Neuneck

Das sehr freundliche, in die Länge gebaute Dorf liegt 3 Stunden südöstlich von der Oberamtsstadt und 1/4 Stunde östlich von dem Mutterort in einer weit ausgerundeten Mulde, welche den Anfang eines kleinen Seitenthälchens des nur 1/4 Stunde westlich vom Ort vorbei ziehenden Glatt-Thales  bildet. Im Rücken des Dorfes erhebt sich das Terrain halbmondförmig und gewährt demselben Schutz gegen rauhe Nord- und Westwinde, während die Gegend gen Süden und Südwesten geöffnet ist, was zur gesunden und fruchtbaren Lage des Orts wesentlich beitragt.

Der Ort ist reinlich gehalten und besteht größtenteils aus sehr ansehnlichen, meist verschindelten und beinahe durchgängig mit Schindeln gedeckt Bauernwohnungen, die auf den ersten Anblick die Wohlhabenheit der Einwohner verraten. Zwischen diesen freundlichen mit schönen Obstbäumen umgebenen Gebäuden ragt, etwas hoch gelegen, das Ortskirchlein hervor, welches im Jahr 1831 namhaft vergrößert, übrigens bei dieser Veranlassung seines ursprünglichen germanischen Baustyls vollends beraubt wurde; im Jahr 1825 ist auf dem Westgiebel der Kirche ein ziemlich hohes, schlankes Türmchen, ein sog. Dachreiter, aufgesetzt worden. Die beiden Glocken sind 1795 und 1793 gegossen.

1* Die Gemeinden wurden nach der Größe geordnet: Orte III. K1. sind kleine Orte unter 1000 Einwohner.

 

Das weiß getünchte Innere der Kirche ist geräumig, freundlich und hell. Die Kirche ist Eigentum der Gemeinde, welche auch die Verbindlichkeit hat, dieselbe im Bau zu unterhalten.

Der mit einer Mauer umfriedigte Begräbnisplatz wurde im Jahr 1829 am südöstlichen Ende des Orts neu angelegt, bis dahin sind die Verstorbenen nach Oberiflingen und nur die totgeborenen Kinder auf einen kleinen, um die Kirche gelegenen Gottesacker beerdigt worden.

Am östlichen Ende des Orts liegt erhöht das gut erhaltene, im Jahr 1837 neu erbaute Schulhaus mit Türmchen und Glocke; in demselben befinden sich auch die Wohngelasse des Lehrers und das Gemeinderatszimmer.

Gutes Trinkwasser liefern 4 laufende Brunnen, auch ist auf den Fall von Feuersgefahr eine Wette*2 angelegt.

Die körperlich kräftigen Einwohner sind gesittet, wohlgeordnet und gehören beinahe alle zu dem sog. Mittelstande, der sein gutes Auskommen hat, so dass der Ort in jeder Beziehung zu den besten des Oberamtsbezirks gerechnet werden darf. Der ausgedehnteste Güterbesitz beträgt 90 - 100 Morgen*3. Die Hauptnahrungsquellen der Einwohner sind Feldbau und Viehzucht.

Die mittelgroße, ziemlich ebene Feldmarkung hat im Allgemeinen einen fruchtbaren, teils aus den Verwitterungen des Muschelkalks, teils aus Diluviallchm*4 bestehenden Boden, in welchem die gewöhnlichen Getreidearten gut gedeihen; die natürlichen Verhältnisse sind überhaupt denen auf der Markung Oberiflingen so ziemlich gleich und eher, namentlich die klimatischen, noch günstiger als jene. Auch für den Obstbau ist der Boden günstig.

*2 Wette = Feuerlöschteich
*3 1 Morgen = Fläche, die ein Mann vom Sonnenaufgang bis zur Mittagshitze abmähen konnte (=31,51 Ar)
*4 Diluviallehm = Lehm, der im Diluvium (im Eiszeitalter vor 600 000 - 12 000 Jahren) entstanden ist.

Was die landwirtschaftlichen Verhältnisse betriff, so verweisen wir auf die Ortsbeschreibung von Oberiflingen, da beide Ortschaften gemeinschaftliche Zelgen*5 und den gleichen landwirtschaftlichen Betrieb haben. Auch auf der Markung Neuneck besitzen die Einwohner von Unteriflingen noch einzelne Güterstücke.

Der Gemeindehaushalt ist geordnet, auch ist die Gemeinde im Besitz von 300 Morgen Waldungen, von deren Ertrag jeder Bürger jährlich 2 Klafter*6 Holz erhält, s. Tabelle III. über den Gemeinde- und Stiftungshaushalt.

Vicinalstraßen*7 sind nach Oberiflingen und Neuneck angelegt.

Wesentlich nur etliche hundert Schritte vom Ort befindet sich der sog. Burggraben (Burg), ein 10 - 12'*8 hoher künstlich aufgeworfener, mit einem Graben umgebener Hügel, dessen ebene, kreisrunde Kuppe 45' im Durchmesser beträgt. Nach der Volkssage soll hier eine Burg gestanden seyn, was übrigens nach der geringen Ausdehnung der Oberfläche des Hügels, und da dieser in einer Vertiefung künstlich aufgeworfen ist, sehr zweifelhaft erscheint. Viel wahrscheinlicher ist, dass diese Befestigung mit der abgegangenen Stadt Rockesberg in Verbindung stand; über diese, wie über mehrere bei Unteriflingen vorkommende Altertümer s. den allgemeinen Teil.

Unteriflingen als inferior Vueningen im Reichenbacher Codex (20 b) um 1100 vorkommend, gelangte frühzeitig an die Herren von Neuneck, von diesen mit der Herrschaft Neuneck selbst an die von Ehingen und sodann über die Herren von Closen im J. 1614 an Württemberg (s. Neuneck).

Die hiesige ritterschaftliche Collectation*9 erhielt Württemberg im J. 1769 durch Vertrag mit der Ritterschaft auf ewige Zeiten eingeräumt.

*5 Zelgen = Bereiche der Dreifelderwirtschaft: 1 Zelge Sommerfrucht, 1 Zelge Hackfrucht, 1 Zelge Winterfrucht
*6 Klafter = Raummaß, 3,386 m³
*7 Vicinalstraßen = kleine Straßen mit untergeordneter Bedeutung
*8 = altes Längenmaß, 1 Württ. Schuh = 28,65 cm
*9 Collectation: Abgaben, Steuern

 

Bild 2 Ortsplan von Unteriflingen aus dem Jahr 1836, aufgenommen von Geometer Hartmann

 

Beschreibung des Oberamts Freudenstadt Herausgegeben von dem Königlich statistisch-topographischen Bureau, 1858

(Anm. d. Red.: Es wurde die Originalschreibweise übernommen. Fußnoten erklären Begriffe und Zusammenhänge, die heute nicht mehr allgemein gebräuchlich oder schwer verständlich sind.)

S. 277 - 280: Oberiflingen

Gemeinde III.Kl*1 mit 374 Einw., wor. 11 Kath. - Evang. Pfarrei; die Kath. sind nach Heiligenbronn, O. A. Horb eingepfarrt.

Der große, etwas in die Länge gebaute Ort liegt 3 Stunden südöstlich von Freudenstadt, auf der Hochfläche zwischen dem Glatt- und dem Diesener-Täle; ein Teil desselben lagert sich in einer schön ausgerundeten, einigen Schutz gewährenden Mulde, welche den Anfang eines Seitentälchens Diesener Tals bildet. Die mäßig auseinander gebauten, zwischen Obstgärten liegenden, beinahe durchgängig mit Ziegeln bedeckten Gebäude sind meist ansehnliche Bauernwohnungen mit anstoßenden Scheunen, welche die Wohlhäbigkeit ihrer Besitzer bekunden. Die Ortsstraßen sind reinlich gehalten und überdieß führen gut angelegte Vicinalstraßen*2 nach Glatten, Schopfloch, Dettlingen, Dürrenmettstetten und Unteriflingen.

In der Mitte des Orts liegt innerhalb des großen, ummauerten Begräbnisplatzes die sehr ansehnliche, dem heiligen Michael geweihte Kirche, welche früher die Mutterkirche mehrerer Orte der Umgebung war. Das sehr alte Gebäude, welches noch Spuren seiner ursprünglichen romanischen Bauweise zeigt, wurde später in den germanischen Styl verändert, von dem sich die spitzen, mit germanischem Maaßwerk gefüllten Fenster am

*1 Die Gemeinden wurden nach der Größe geordnet: Orte III. K1. sind kleine Orte unter 1000 Einwohner.
*2 Vicinalstraßen = kleine Straßen mit untergeordneter Bedeutung

Langhaus und an den mit einem halben Achteck schließenden Chor größtenteils noch erhalten haben: letztere sind besonders schön und aus einer früheren Periode als die des Schiffs. Über dem südlichen, spitzen Eingange steht die Jahreszahl 1509, welche ohne Zweifel das Jahr der durchgreifenden Veränderung des Langhauses angibt.

Der viereckige, an den Ecken mit Buckelsteinen*3 versehene Turm ist in seinen unteren Teilen sehr alt und massiv erbaut; das obere, erst später aus Holz aufgesetzte Stockwerk trägt ein einfaches Zeltdach. Von den 3 Glocken sind 2 in neuerer Zeit gegossen worden, die größte aber trägt außer den 4 Evangelistennamen die in alten Majuskeln*4 ausgeführte Umschrift: O rex glorie veni cum pace. Das Innere der sehr geräumigen Kirche ist hell und sowohl das Langhaus als der Chor flach gedeckt; in letzterem befindet sich ein schön aus Stein gearbeitetes Tabernakel mit der Jahreszahl 1515. Die Unterhaltung der Kirche steht der Stiftungspflege zu.

Das in der jeweiligen zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts massiv erbaute Pfarrhaus, welches der Staat zu unterhalten hat, steht zunächst der Kirche.

Das Schulhaus, zugleich ein Gemeinderatszimmer und die Wohnung des Lehrers enthaltend, wurde im Jahr 1845 mit einem Gemeindeaufwand von beinahe 8,000 fl.*5 in einem ansprechenden Styl massiv erbaut. Neben der Volksschule, an der nur ein Lehrer unterrichtet, besteht seit einiger Zeit eine Industrieschule*6.

Der Ort bezieht sein Trinkwasser nur aus Schöpfbrunnen, die in trockenen Jahrgängen meist versiegen; eine Wette ist vorhanden.

Ein ausgezeichneter Oberiflinger ist Christoph Friedrich Sartorius, geb. den 22. Oct. 1701, Sohn des Pfarrers daselbst. Er studierte in Tübingen Theologie, wurde 1733 Klosterpräceptor und Prediger in Bebenhausen, 1747 Decan in Ludwigsburg,

*3 große Buckelquadersteine
*4 Majuskeln = große Buchstaben
*5 fl. = Gulden
*6 Schule zur Aus- und Weiterbildung von Frauen in hauswirtschaftlichen Fertigkeiten

 

1755 Professor der Theologie, Prediger und Superattendant*7 des theologischen Stifts in Tübingen, 1780 Kanzler der Landesuniversität und starb den 9. Dec. 1785. Außer vielen Dissertationen verfasste er auch ein streng orthodoxes Compendium theologiae dogmaticae (4. Aufl. 1784), welches längere Zeit der würt. Geistlichkeit zum Lehrbuch diente.

Die Einwohner sind im Allgemeinen schöne, gesunde, fleißige Leute, die sich in befriedigenden Vermögensumständen befinden.

Feldbau und Viehzucht bilden die Hauptnahrungsquellen der Orts-Einwohner, im Einzelnen beträgt der ausgedehnteste Güterbesitz 50 - 60 Morgen. Die Feldgüter der mittelgroßen Markung liegen meist eben und haben im Allgemeinen einen fruchtbaren Boden, der größtenteils aus den Verwitterungen des Muschelkalks besteht und wegen der vielen Steine, die häufig zusammengelesen werden müssen, schwer zu bebauen ist. An einzelnen Stellen überlagert ein ergiebiger Diluviallehm*8 den Muschelkalk. Die Luft ist rein, aber scharf und meist stark bewegt.

Der Feldbau wird im Dreifeldersystem, mit teilweiser Anwendung verbesserter Ackergerätschaften emsig und gut betrieben. Von den Getreidearten kommen hauptsächlich Dinkel und Hafer - weniger Gerste, Roggen, Weizen und Einkorn*9 zum Anbau; in der zu etwa ¼ angeblümten*10 Brache zieht man Futterkräuter, Kartoffeln und etwas Reps. Flachs, Hanf, Kraut etc. wird in eigenen Ländern gebaut. Der Ertrag eines Morgens Acker wird zu 5 - 10 Scheffelt*11 Dinkel, 4 - 7 Scheffel Hafer und 3 - 6 Scheffel Gerste angegeben; Die Preise der Aecker bewegen sich von 30 - 200 fl. per Morgen. Getreide wird viel nach Außen verkauf, dagegen muss Holz angekauft werden. Die Wiesen, von denen nur ein kleiner Teil Wässerung erhält, ertragen durchschnittlich 20 Centner Heu und 12 Center Oehmd per Morgen.

*7 Superattendant = Dekan
*8 Diluviallehm = Lehm, der im Diluvium (im Eiszeitalter vor 600 000- 12 000 Jahren) entstanden ist.
*9 Einkorn = alte Getreidesorte
*10 angeblümt = angepflanzt
*11 Scheffel = Hohlmaß für Getreide: ! Scheffel = 8 Simri = 177.23 Liter

Mit der Obstbaumzucht, welche sich in den letzten Jahren sehr gehoben hat, gibt man sich viel Mühe, übrigens liefert sie selten einen ersprießlichen Ertrag. Eine namhafte Gemeindebaumschule ist vorhanden.

Die Rindviehzucht ist in gutem Zustande; sie beschäftigt sich hauptsächlich mit einer guten Landrace, welche durch 3, an einen Bürger verpachtete Farren nachgezüchtet wird. Mit Zugvieh wird einiger Handel getrieben. Die Zucht der Pferde ist unbedeutend.

Schafzucht wird von einem Pacht-Schäfer betrieben, der etwa 200 Stück Landschafe auf in dem die für das eigene Bedürfnis nötigen Ferkel von außen aufgekauft werden. Die Bienenzucht ist nicht von Belang.

Außer wenigen den örtlichen Bedürfnissen dienenden Gewerben sind 3 Schildwirtschaften und ein Krämer vorhanden.

Über das Vermögen der Gemeinde und Stiftungspflege s. Tabelle III. Aus einer besonderen Stiftung, die Beinhäusles-Stiftung genannt, werden jährlich am Andreastag Geld und Wecken an die noch nicht confirmirten Kinder und Brod an unbemittelte Familien ausgeteilt.

In und zunächst dem Ort wurden schon öfters alte, mit Steinplatten umfangene Gräber aufgedeckt.

Oberiflingen kommt im J. 1005 (freilich in einer unterschobenen Urkunde) erstmals vor als Vfeningen unter den Erbgütern K. Heinrichs II, womit dieser den 1. Oct. d. J. das Kloster Stein am Rhein beschenkte ( Wirt. Urk.-Buch 1, 241).

Vom hiesigen Ortsadel erscheint im J. 1087 ein gewisser Bubo., welcher das Kloster Reichenbach mit einem Gut bei Gründringen beschenkte (Cod. Reichenb. 4a, 8a), es wird hier geschrieben (Voeningun, - en); letzteres Kloster erhielt hier selbst auch Besitzungen (ib. 19a). Im Jahr 1244 sind Hermann von J. und sein Sohn C.(Conrad) Zeugen des Ritters Konrad von Weitingen mit dem Zunamen des Lammes bei einem Verkauf eines Guts an das Kloster Kirchberg. Obiges Kloster Stein am Rhein verlieh den 4. Nov. 1245 an Volmar (wie aus späteren Lehensbriefen sicher zu schließen, einen Herrn von Neuneck) den Hof J. und besaß in Verbindung hiermit die mit reichen Zehnten ausgestattete Pfarrkirche, welche es mit Genehmigung P. Urbans V. vom 22. Juni 1363 sich incorporirte*12. Im J. 1403 erwarb teils durch Tausch teils gegen Geld das Kloster Alpirsbach von dem Kloster Stein die Oberherrlichkeit über solchen Hof nebst der Kirche; der Hof hieß damals Ungerichtshof, höchst wahrscheinlich deshalb, weil die Lehensträger desselben, die Herren von Neuneck (s. d.) solchen an die Familie Ungericht in Sulz als Afterlehen*13 verliehen hatten.

In der Beschreibung der Rechte des Klosters Alpirsbach von 1534 heißt es von dem Ungerichtshof: „gehört dem Gotteshaus mit Grund, Boden und aller Herrlichkeit zu und gehören zu diesem Hofe viele Zehnten, nämlich der Zehent zu Neuneck, Schopfloch, Grünmettstetten, Diessen, Leinstetten, Gerolsweiler, Glatten, Wittendorf, Lombach, Dietersweiler, Bittelbronn, Böffingen und Dürrenmettstetten“. (Reyscher, Stat. Rechte 55)

Ein Hauptteil des Dorfes kam im J. 1501 mit Loßburg (s. o.) an das Kloster Alpirsbach und im J. 1517 ertauschte dasselbe Kloster auch verschiedene Kastvogteien*14, Zehent, Leibeigene etc. in Oberiflingen von Rudolf von Ehingen, welcher sie durch seine Gattin Sophie von Neuneck erhalten hatte.

Im J. 1579 belehnte Graf Heinrich von Fürstenberg den Burkhard von Ehingen mit dem Schaflüzels- und dem Metzgerhofe, welche früher wahrscheinlich auch Neuneckisch waren, und im 18. Jahrhundert nach einander von den Closen, Thumb von Neuburg, von Kniestädt, von Uxkull als fürstenbergische Lehen getragen wurden.

Der Ungerichtshof aber war nach einigem Besitzwechsel ein Jahrhundert über Lehensbesitz derer von Landsee (s. unter Neuneck) gewesen, als ihn den 5. Juli 1796 der herzogl. württembergische Kirchenrath für 40,000 fl. erkaufte.

Die Pfarrstelle in Oberiflingen hängt von königlicher Collatur*15 ab.

*12 incorporirte = wurde einverleibt
*13 Afterklehen = Lehen, das vom ursprünglichen Lehensherrn weitergegeben wurde
*14 Kastvogteien: Kasten = Vermögen der Kirche, Vogt = Verwalter des Kirchenguts: Kirchenbezirke, deren Besitz von einem Vogt verwaltet wurde
*15 Collatur = finanzielle Ausstattung

Bild 3 Ortsplan von Oberiflingen aus dem Jahr 1836, aufgenommen von Geometer Hartmann, Ergänzung am rechten oberen Rand: Aufgenommen und gezeichnet vom Oberamt Freudenstadt im Jahre 1878/ 79

Bild 4 Foto (Marion Schmid): Frühlingserwachen in Oberiflingen, Unterdorf

Nr. 6/2002 Beschreibung des Oberamtes Freudenstadt zum Ortsteil Schopfloch

 Schopflocher Skizzen Lageplan - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Karte Schopfloch um 1848 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 6 (2002)

Bild 1

Beschreibung des Oberamts Freudenstadt Herausgegeben von dem Königlich statistisch-topographischen Bureau, 1858
(Anm. d. Red. Es wurde die Originalschreibweise übernommen.)

S. 314 - 316: Schopfloch
Gemeinde III. Kl. Dorf mit 507 Einw.- Pfarr-Filial von Oberiflingen

An der östlichen Grenze des Bezirks, welche hier teilweise die Landesgrenze zwischen Württemberg und dem kgl. Preußischen Hohenzollern'sche Lande bildet, liegt 3 Stunden östlich von der  Oberamtsstadt hoch und weithin sichtbar der ziemlich große, übrigens, unregelmäßig gebaute unebene Ort, dessen Gebäude, namentlich die des oberen Dorfteils, größtenteils ansehnlich und wohl erhalten sind.

Die erhöht gelegene Kirche, deren Langhaus im Jahr 1618 neu erbaut und im Jahr 1837 durchgreifend erneuert wurde, hat keinen architektonischen Wert, dagegen ist der nicht hohe, mit einem Zeltdach versehene Turm sehr alt, und enthält in seinem unteren Stockwerke, welches die Stelle des Chores vertritt, ein Kreuzgewölbe, dessen Gurten von Fratzengesichtern ausgehen und an dem Kreuzungspunkt einen Wappenschild enthalten.

Von den beiden Glocken wurde die größere 1817, die kleinere von Leonhard Sydler zu Esslingen 1530 gegossen. Das geräumige und helle Innere der Kirche hat außer einem alten Taufsteine nichts Bemerkenswertes. Die Baulast der Kirche hat der Staat.

Der ummauerte Begräbnisplatz liegt in einem Tälchen ziemlich entfernt (südlich) vom Ort früher wurden die Verstorbenen auf den um die Kirche gelegenen Begräbnisplatz - und noch früher in Oberiflingen beerdigt.

Das im stündlichen Teil des Orts gelegene Schulhaus, welches auch die Wohnung des Lehrers und die Gelasse für den Gemeinderat enthält, wurde im Jahr 1817 neu und solid erbaut.

Öffentliche Waschhäuser sind 2 vorhanden.

Der Ort ist mit gutem Trinkwasser, das 3 laufende Brunnen und eine bedeutende, überwölbte Quelle liefern, das ganze Jahr hindurch hinreichend versehen. Auch ist eine Wette*1 vorhanden.

Die fleißigen Einwohner befinden sich im Allgemeinen in befriedigenden Vermögensumständen, indem der sog. Mittelstand vorherrscht der größte Güterbesitz beträgt 60 Morgen*2, der allgemeinste 30 Morgen.

Die Hauptnahrungsquellen bestehen in Feldbau und Viehzucht; Gewerbe sind nur für die nötigsten örtlichen Bedürfnisse vorhanden.

Die mittelgroße, schön arrondierte Markung hat in ihrem südlichen Teile eine ebene Lage, und wird im Übrigen teils von dem Bürgental, teils von dem bei Schopfloch beginnenden Dettlinger Tale durchschnitten; auch erhebt sich östlich vom Ort der Rödelsberg, ein scharf markierter Hügel, von dem man eine sehr ausgedehnte Aussicht über den Schwarzwald und an die Alp genießt. Trotz der hohen Lage sind die klimatischen Verhältnisse doch beträchtlich milder, als in den eigentlichen Schwarzwaldorten, zu denen Schopfloch nicht mehr gerechnet werden darf, indem es schon auf dem Muschelkalkplateau am Saume des Schwarzwaldes liegt. Die Obstzucht ist daher auch ziemlich ausgedehnt und liefert nicht selten Ertrag, obgleich sie immer noch nicht mit der nötigen Umsicht und Liebe gepflegt wird. Hagelschlag kommt selten vor, nur im Jahr 1854 wurde seit langer Zeit die Markung sehr empfindlich von demselben heimgesucht. Der Boden ist, wie auch in Oberiflingen, im Allgemeinen ergiebig, und besteht meist aus den Verwitterungen des Muschelkalks, dem nicht selten eine Mengung oder Bedeckung des Diluviallehms*3 zukommt, und sich gut für den Getreideanbau eignet.

*1 Wette= Feuerlöschteich
*2 Morgen = Fläche, die ein Mann vom Sonnenaufgang bis zur Mittagshitze abmähen konnte (=31,51 Ar)
*3 Diluviallehm = Lehm, der im Diluvium (im Eiszeitalter vor 600 000 - 12 000 Jahren) entstanden ist.

Der Feldbau wird mit teilweiser Anwendung verbesserter Ackergerätschaften im Dreifeldersystem mit zu 1/4 angeblümter Brache*4 fleißig betrieben und liefert die gleichen Erzeugnisse und den gleichen Ertrag wie der Mutterort Oberiflingen (s. o.).

Die höchsten Preise eines Morgens Acker betragen 300 fl.*5, die mittleren 150 fl. und die geringsten 15 fl. Das erzeugte Getreide reicht nicht nur zur Befriedigung des örtlichen Bedürfnisses hin, sondern erlaubt noch einen nicht unbeträchtlichen Verkauf nach Außen.

Die Wiesen, die keine Wässerung erhalten, aber reichlich gedüngt werden, sind ergiebig und liefern durchschnittlich 20 - 25 Centner Heu und 10 Centner Oehmd vom Morgen; ihre Preise bewegen sich von 150 – 300 fl. pr. Morgen.

Die mit einer tüchtigen Landrace sich beschäftigende Rindviehzucht befindet sich in gutem Zustande und wird durch 3 gute Zuchtstiere, die ein Bürger gegen eine Gemeinde-Entschädigung von jährlich 103 fl. hält, gepflegt. Mit Zug- und Schmalvieh wird einiger Handel getrieben. Die Stallfütterung ist längst eingeführt.

Schafzucht wird von einigen Bürgern in mäßiger Ausdehnung betrieben; der Weidepacht nebst der Pferchnutzung trägt der Gemeinde jährlich etwa 400 fl.

Schweinezucht wird nicht getrieben, dagegen werden viele Ferkeln von außen aufgekauft und für den eigenen Bedarf gemästet.

Die Gemeinde ist im Besitz von etwa 200 Morgen Waldungen, die gegen 70 Klafter*6 jährlich abwerfen; hiervon erhält jeder Bürger 1/2 - 1 Klafter. (Über das Vermögen der Gemeinde und der Stiftungspflege s. Tabelle III.)

Die von Freudenstadt über Dornstetten nach Horb führende Vicinalstraße*7 berührt den oberen Teil des Dorfs und überdies sind noch Vicinalstraßen nach Glatten, Oberiflingen, Tumlingen und Hörschweiler angelegt.

*4 angeblümt = angesät
*5 fl. = Gulden
*6 Klafter = Raummaß, 3,386 m³
*7 Vicinalstraßen = kleine Straßen mit untergeordneter Bedeutung

Am südlichen Ende des Dorfs wird ein schön gerundeter Bergvorsprung der Schloßberg genannt, daselbst soll nach der Volkssage ein Schloß gestanden seyn, wovon übrigens keine Spur mehr vorhanden ist.

Etwa ¼ Stunde wesentlich vom Ort an der Straße nach Dornstetten stand auf einem ziemlich steilen Hügel eine Burg, von der nach Reste des Burggrabens sichtbar sind.

Am nördlichen Fuß des Martinsbühls, ½ Stunde nordwestlich von Schopfloch stand der sogen. Stadthof, von dem man beim Nachgraben noch Überreste aufgefunden haben will. Der Hof gehörte der Stadt Dornstetten und wurde deshalb Stadthof genannt.

Schopfloch kommt im Jahr 772 erstmals vor; wenigstens wird auf diesen Ort gedeutet. Die Scopholder marca in Bertoldesbara, wo am 8. Juni d. J. ein gewisser Erbo das Kloster Lorsch beschenkte (Cod. Laur. nr. 3270, der Name könnte hier etwas verschrieben seyn).

Der Ort stund unter pfalzgräflicher Tübingischer Oberlehensherrlichkeit: als 1277 Altschultheiß Eberwein von Dornstetten seinen hiesigen Hof ( in Schopfeloch) dem Kloster Kniebis vergabte, erteilten die Pfalzgrafen Otto und Hugo als Dienstherren des Schenkgebers ihre Einwilligung hierzu (Schmid, Pfalzgr. v. Tüb. Urk. 50).

Im Jahr 1501 verkaufte Gangolf von Geroldseck den Ort an das Kloster Alpirsbach, von welchem er 1526 wieder an Hans von Hornberg veräußert wurde. Wolf Dietrich von Hornberg mit seiner Tochter verkaufte ihn 1589 für 8000 fl. an Herzog Ludwig von Württemberg. Später hatten die Eden von Neuneck als Lehen von Württemberg Anteil am großen und kleinen Zehnten auf der Markung von Schopfloch; dieser Zehnten rührte vom Ungerichtshof*8 in Oberiflingen her. Im Vergleich von 1769 überließ die Ritterschaft Cantons Neckarschwarzwald*9 ihre Ansprüche an die hiesige Collectation*10 an Württemberg (Cramer, Nebenstunden 112, 600).

*8 Ungerichtshof = Hof, den die Familie Ungericht bewirtschaftete
*9 Zusammenschluss der Ritter
*10 Collectation = Abgaben, Steuern

Bild 2 Karte Schopfloch um 1848, Hausnummern und weitere Angaben erarbeitet von Eugen Schwab.

Hausnummern in Schopfloch um 1848

1

Friedrich Schmid

2

Wilhelm Platz (1813) „Hirsch“

3

Georg Weisser (1816) „Krone“

4

Matthäus Braun (1836)

5

Johann Michael Kugler (1826)

6

Matthäus Seeger (1800)

7

Caspar Stöhr „Sonne“

8

Zehntscheuer

9

Christian Kugler (1804)

10

Gemeindewaschhaus

11

Johann Jakob Kugler (1764)

12

Johann Georg Ketterer

13

Martin Kugler

14

Friedrich Kugler

15

Kirche

16

Jakob Eberhardt

17

Leonhard St. Kieffer (1589)

18

Michael Seeger

19

Matthäus Seeger (1829)

20

Matthäus Maier

21

Matthäus Ruoss

22

Gottlieb Dölker

23

Johannes Stöhr

24

Geog Maier

25

Matthäus Lutz

26

Matthäus Braun (1789)

27

Johann Michael Schmid

28

Matthäus Kaupp

29

Johan Georg Schwab

30

Matthäus Kaupp

31

Gottlieb Braun

32

Matthäus Bauer

33

Jakob Alt

34

Josef Stöhr

35

Jakob Rempp

36

Caspar Rempp

37

Michael Kübler

38

Jakob Schleeh

39

Michael Ziegler

40

Friedrich Weisser

41

Michael Braun “Adler”

42

Johannes Schultheiß

43

Matthäus Bauer

44

Gemeindebackhaus und Ortsarrest

45

Christian Ruoss

46

Friedrich Winter

47

Johann Georg Lutz

48

Johannes Eberhardt

49

Jakob Seeger

50

Martin Schwarz

51

Christan Weisser (1816)

52

Adam Weisser (1790)

53

Gottlieb Braun

54

Jacob Stör (1589) “Gasthaus”

55

Conrad Stöhr (1707) “Ochsen”

56

Jakob Guth

57

Konrad Schwab (1750)

58

Martin Finkbohner

59

Jakob Wolber

60

Caspar Stöhr

61

Jakob Lutz

62

Johann Georg Vogt

63

Abraham Kugler

64

Johann Braun

65

Christian Siegel

66

Jakob Finkbohner

67

Jakob Vogt

68

Christian Schwarz

69

Johann Michael Schmid

70

Johann Schwab

71

Matthäus Schmid

72

Christian Finkbohner

73

Jakob Stöhr (1790)

74

Johannes Finkbohner

75

Johann Georg Braun (ehemalige Ziegelhütte)

76

Christian Schwarz

77

Michael Schmid

78

Matthäus Schwab

79

Andreas Braun

80

Georg Schübel

Quelle: Aufzeichnungen von Eugen Schwab nach dem 1749 – 1752 angelegten Güterbuch der Gemeinde. Die Zahlen in Klammern verweisen auf die erste  urkundliche Angabe.

Heimatlied

Kennst du das Dörflein dort an jenem Bergeshang
und seines Kirchleine trauten Glockenklang?
Siehst du das Kornfeld wogen wie ein Meer?
Mir ist's als ob dort meine Heimat wär!

Kennst du den Rödelsberg und seinen Forchenhain,
den Schelmenwasen mit dem sonn'gen Rain?
Lag dir zu Füßen, weites Heimatland!
O, schöner Ort, da meine Wiege stand!

Kennst du den Blick auf endlos dunklen Tannenwald,
wenn weiß vom Dießental der Nebel wallt?
Sahst du die Heimatfluren tief verschneit?
O, goldne Jugendzeit, wie bist du weit!

Kennet du die Kugelburg, darauf die Römerschanz,
der Legionen Weg zum Waffentant?
Erzählt sie nicht von manchem Stelldichein?
O, schöne Jugendzeit, ich denke dein.

Kennet du den Laiber dort, wo schon seit grauer Zeit
die Ahnen ruhn, erschlagen wohl im Streit,
gewappnet noch, die Knochenhand am Speer,
hält treue Wacht das Alemannenheer.

Kennst du das Birkental und seinen klaren Quell,
der Bubenschar vertrauten Spielgesell?
Lagst du im Waldesdom auf weichem Moos:
Wie träum ich süß in meiner Heimat Schoß!

Und standest auf dem Berg du in Gewitternacht,
wenn Blitzesstrehl den Himmel aufgemacht?
Dann bete an den großen Schöpfer dort:
Allmächt´ger schirm du meinen Heimatort!

von Otto Schwarz (18.06.1953)

Nr. 7/2002 Thomas Friz erinnert sich

 Schopflocher Skizzen Pfarrer August Birk u. Bürgermeister Otto Schwarz vor der Schopflocher Kirchentüre (1947) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Pfarrer Birk, Thomas Friz, (?) und Emma Birk bei einem Familienfest 1983 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Thomas Friz (Aus dem Beiheft zur CD „endlich“, erschienen 2001) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Erinnerungen von Thomas Friz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Erinnerungen von Thomas Friz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Erinnerungen von Thomas Friz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Erinnerungen von Thomas Friz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Erinnerungen von Thomas Friz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 7 (2002)

Bild 1: (M. Maier): Pfarrer August Birk u. Bürgermeister Otto Schwarz vor der Schopflocher Kirchentüre (1947)

Thomas Friz erinnert sich

Wer ist Thomas Friz?
Thomas Friz (*1950) sang schon als Kind sehr gern, er war zehn Jahre lang Mitglied der Stuttgarter Hymmnuschorknaben. Dort erhielt er eine solide Stimmbildung. Er bekam Instrumentalunterricht, lernte u. a. Querflöte und Gitarre.

Nach dem Theologiestudium am Tübinger Stift studierte er das Lehramt an Grund- und Hauptschulen an der Pädagogischen Hochschule in Esslingen.

Wer ist Thomas Friz?
Seine ersten Lieder, eigene und Kästner-Vertonungen nahm er 1970/71 auf. 1975 gründete er zusammen mit Erich Schmeckenbecher das Duo „Zupfgeigenhansel“, das neue deutsche Volksliedgeschichte schrieb. 1976 veröffentlichten sie ihr erstes Album: „Es wollt ein Bauer früh aufstehen". In den folgenden Jahren erschienen mehr als zehn gemeinsame Alben. Tourneen von Portugal bis zum Polarkreis schlossen sich an. Die Auszeichnung „Künstler des Jahres - Pop-National“ der dt. Phonoakademie erhielt er 1978.

Wer ist Thomas Friz?
1986 präsentierte er wieder ein Soloprogramm mit jiddischen Liedern und Texten, weitere folgten. Volkslieder, Kirchenlieder, Weihnachtslieder, jiddische Lieder, Kinderlieder, Widerstandslieder und „freche“ Lieder gehören zu seinem umfangreichen Repertoire. Die Vielfalt seiner Programme macht ihn zu einem bekannten und gefragten Künstler. Zuletzt tauchte sein Name im Februar 2002 in der Liedbestenliste des SWR auf. Seine stimmliche Ausdruckskraft und die intensive Textinterpretation lassen eine künstlerische Einheit entstehen, die die Menschen anspricht und bewegt. Inzwischen sind über 20 CD´s erschienen, sieben Mal bekam er den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Wer ist Thomas Friz?
Er ist ein Mensch, der sich mit seinen künstlerischen Begabungen seit mehr als dreißig Jahren für Mut und Toleranz in unserem Land einsetzt.

Er ist der Enkelsohn des früheren Pfarrerehepaars August und Emma Birk.

Bild 2: Pfarrer Birk, Thomas Friz, (?) und Emma Birk bei einem Familienfest 1983

Bild 3: Thomas Friz (Aus dem Beiheft zur CD „endlich“, erschienen 2001)

Bild 4 - 8 Erinnerungen

Nr. 8/2002 Kurhaus Schübel, Schopfloch der Wintersportplatz vor Freudenstadt

 Schopflocher Skizzen Flyer Kurhaus Schübel - Bild wird einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Werbeanzeige - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Postkarte - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Speisekarte - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Flyer - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Hochbetrieb auf der Liegewiese - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Spiele mit Volksfestcharakter - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Spiele mit Volksfestcharakter - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8
 Schopflocher Skizzen Eine Gruppe von „Boschfrauen” - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Bescheinigung über die Erlaubnis zu einem Kuraufenthalt - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10
 Schopflocher Skizzen Speisekarte für die französischen Gäste vorm Barbaratag - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 11
 Schopflocher Skizzen Gebäude des ehemaligen Kurhauses Schübel kurz vor dem Abbruch - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 12
 Schopflocher Skizzen Bild aus Werbeprospekt - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 13
 Schopflocher Skizzen Anzeige - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 8 (2002)

Bild 1

DAS KURHAUS SCHÜBEL
(1926 bis 1998)

Mitte der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entstand ein stattliches Haus auf der Laiber: Das Kurhaus Schübel.

Der Erbauer war der Möbelfabrikant Gottfried Schübel (1869-1933).

Schon bald nach der Jahrhundertwende strebte er die Einführung des Fremdenverkehrs in Schopfloch an, konnte aber erst etliche Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges seine Pläne verwirklichen.

Durch die guten Eisenbahnverbindungen nach Stuttgart und Karlsruhe, sowie die zunehmende Motorisierung, entdeckten viele Städter die Freude am Reisen und somit die Schönheit der Natur. So kam es auch, dass es wohlhabende Stadtbewohner zur Sommerfrische, wie man es damals nannte, in den Schwarzwald zog. Mit der guten und staubfreien Luft wurde damals um Gäste geworben.

Bild 2: Mit dieser Anzeige aus den Anfangsjahren wurden Kurgäste angelockt.

Die 700 Meter hoch und außerhalb der Nebelzone gelegene Schwarzwaldgemeinde Schopfloch hatte alle Voraussetzungen für eine Prädikatisierung als Luftkurort. Das war aber nicht der einzige Grund zur Errichtung dieses für die damalige Zeit in Schopfloch einmaligen Hauses. Gottfried Schübel wollte auch verhindern, dass Geschäftsreisende, die über Nacht gerne hier geblieben wären, nach auswärts gehen mussten, da sie hier kein geeignetes Übernachtungslokal vorfanden.

Im Hause befanden sich 20 Fremdenzimmer. Zwei geräumige Gastronomieräume und das Café waren im Erdgeschoss untergebracht. Über der Küche, durch einen Speisenaufzug verbunden, befand sich ein großer Speisesaal, der auch als Festsaal benutzt werden konnte. Ein daneben liegender Aufenthaltsraum war als Leseraum für die Kurgäste gedacht. In der Dependance, einem älteren Nebengebäude, wurden später weitere Gästezimmer eingerichtet und im Untergeschoss eine moderne Kegelbahn eingebaut.

Prospekte wurden angefertigt und an Reisebüros in ganz Deutschland versandt. Nach und nach kamen nun die Gäste erst aus Württemberg und Baden, bald auch aus dem übrigen Reichsgebiet angereist.

Bild 3

Bild 4: Speisekarte von 1927/28, Preise in Reichsmark

Es hatte sich bald herumgesprochen, wie vorzüglich man im Kurhaus aufgehoben war, wie gut man sich bei der gesunden, würzigen und reinen Luft erholen konnte. Die herrliche Lage inmitten grüner Wiesen und Felder gestattete einen einmaligen Fernblick zur Schwäbischen Alb und bei entsprechender Wetterlage auch auf die Schweizer Alpen.

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Für die Sportbegeisterten stand eine große Spielwiese zur Verfügung, während die Ruhesuchenden sich in bequemen Liegestühlen auf der großen Liegewiese erholen konnten.

Bild 6: Hochbetrieb auf der Liegewiese

Die Kegelbahn konnte nicht nur bei Regenwetter, sondern jederzeit von den Gästen benutzt werden. Ski- und Schlittengeräte standen für die Winterurlauber kostenlos bereit.

Im nahen Burgwald wurde eine Skisprungschanze errichtet auf der auch Skimeisterschaften ausgetragen wurden. Skilanglauf war bei den Wintergästen eine sehr beliebte Sportart.

Sowohl für die Kurgäste, als auch für die Dorfbewohner wurden Volksfeste mit Wettkämpfen arrangiert. Für die Kinder wurden Kletterbäume aufgestellt, behängt mit allerlei begehrenswerten Sachen am hohen Kranz. Im Sommer wurden Gartenfeste veranstaltet, dabei war für das leibliche Wohl der älteren Generation auf das Beste gesorgt.

Bild 7

Bild 8

Fotos: Erinnerung an fröhliche Spiele mit Volksfestcharakter (1926)

Mit Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 nahm der normale Kur-und Hotelbetrieb schlagartig ein Ende. Auch Schopfloch blieb nicht unberührt von den Folgen.

Vorübergehend wurde das Kurhaus von einer Nachschub- und Verpflegungseinheit der Wehrmacht belegt. Die Offiziere hatten hier ihre Dienstzimmer und wohnten auch im Hause. Danach kamen, durch einen Vertrag mit der Firma Robert Bosch in Stuttgart, 30 bis 40 weibliche Angestellte in vierwöchigem Turnus zur Erholung ins Kurhaus.

Die „Boschfrauen” waren sehr gerne hier und bei der hiesigen Bevölkerung auch sehr beliebt.

Bild 9: Eine Gruppe von „Boschfrauen” (1939)

Bild 10: Bescheinigung über die Erlaubnis zu einem Kuraufenthalt

Im weiteren Verlauf des Krieges wurde das Konstruktionsbüro einer Reutlinger Firma im Speisesaal notdürftig eingerichtet. Der Chef des Büros wohnte mit seiner Familie in einem Gästezimmer im Haus und die angestellten Techniker aus Holland waren bei benachbarten Familien untergebracht.

Der Krieg endete für Schopfloch am 17. Mai 1945 mit dem Einmarsch französischer Truppen. Es folgten schwere Zeiten für das Haus: erst wurde das Kasino hier eingerichtet und später bezogen französische Offiziere und Unteroffiziere mit ihren Familien die Räume.

In der Kirche walteten französische Köche mit nordafrikanischen Kolonialsoldaten als Hilfspersonal.

Bild 11: Speisekarte für die französischen Gäste vorm Barbaratag 1945

Nach dem Abzug der Besatzungstruppen und Freigabe durch die Französische Militärregierung im Jahre 1947 konnte der Betrieb des Hauses als Hotel am 1. Juli 1948, nach gründlicher Renovierung, wieder aufgenommen werden.

Durch einen Vertrag mit dem Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche kamen die ersten Nachkriegsgäste zur Erholung. Unter den ersten Erholungssuchenden verbrachte auch der Vater des späteren Bundespräsidenten Engen Gerstenmaier einige Zeit in Schopfloch. Dr. Eugen Gerstenmaier weilte mehrmals zu Besuch im Kurhaus Schübel.

In den fünfziger Jahren verpachteten die Besitzerinnen Maria und Emilie Schübel krankheitshalber das Kurhaus an den Kreisverband Reutlingen; es wurde als Kinderheim weiterbetrieben.

Nach Ablauf des Pachtvertrages 1964 erfolgte der Verkauf an M. Brückel, der das Haus als Alters- und Pflegeheim bis 1994 weiterführte.

Im Jahre 1994 ging das ehemalige Kurhaus in den Besitz der Gemeinde Schopfloch über und wurde nach vierjährigem Leerstand 1998 abgebrochen.

Bild 12: Das Gebäude des ehemaligen Kurhauses Schübel kurz vor dem Abbruch am 07.03.1994

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Große Schneewachte; Schopfloch, OA. Freudenstadt, Gebiet Nordhalde. phot. G. Schübel

Schopfloch, der Wintersportplatz vor Freudenstadt.
Hierüber schreibt Heimer in der angegebenen Zeitschrift:
"Jeder der die gesunden Brettlesfreuden schätzt, findet hier das Gelände, das seinem Können entspricht und das ihn weiter in der weißen Kunst fördern kann. Weite sichtige Ebenen, auf denen man bequem spazieren kann, sanfte Neigungen als Übungsplätze für Anfänger und steilere Abhänge für künftige Telemarkmeister. Im nächsten Winter wird eine kleine Sprungschanze die Bretterstudenten erwarten. Und schön und abwechslungsreich wie die vertikale Gliederung ist die horizontale: prächtig im Rauhreif funkelnde Wälder wechseln mit weißen, sonnigen Wiesenflächen. Hier läuft man nicht, wie auf den überfällten Plätzen, zu denen die unten vorbeifahrenden Zunftgenossen eilen, Gefahr, plötzlich eine Skispitze in den Rücken gebohrt zu bekommen, hier ist die Auswahl an Gelände sehr groß und findet jeder eine Stelle, wo er ungehemmt üben und unbeobachtet seine unfreiwilligen Purzelbäume schlagen kann.”

Schlitten und Skigeräte sind im Hause reichlich vorhanden.

Quelle: Werbeprospekt des Kurhauses Schübel für Schopfloch als Wintersportplatz (Foto von 1929). (Siehe auch Deckblatt)

In einem Prospekt aus dem Jahr 1929 findet man folgende Beschreibung:

„In wenigen Minuten erreicht man würzigen Tannenwald, der zu längeren oder kürzeren Spaziergängen einlädt und in dessen reiner Luft man Ruhe und Erholung in vollen Zügen genießen kann. Selbs im Hochsommer ist hier eine drückende Schwüle ausgeschlossen.

Ebenso schön ist es hier im Winter, wenn Wald und Feld tief verschneit sind. Für die Ausübung des Wintersports ein geradezu ideales Gelände. Ausgedehnte Übungsplätze für den Skisport wechseln mit steilen Hängen und sogar eine kleine Sprungschanze für Anspruchsvolle ist vorhanden."

Im „Schwäbischen Ski-Führer” (1933) von Julius Wais steht:

„Schopfloch, OA. Freudenstadt 667 - 720 m, an der Bahnlinie Eutingen - Freudenstadt, Haltepunkt der Wintersportsonderzüge. Höhenluftkurort und Wintersportplatz. Prächtige Übungshänge jeder Steilheit; neuerbaute Sprungschanze, Skiverein Schopfloch-Schwarzwald. - Infolge der freien Hochlage sehr schöne Aussicht vom Rödelsberg, 720 m (eine Viertelstunde vom Bahnhof) umfassender Rundblick auf den Schwarzwald vom Hohloh bis zum Feldberg, auf die Alb vom Randen bis zur Achalm, an hellen Wintertagen sehr oft auf die Schweizer Hochalpen. Das umliegende Gelände ermöglicht sehr abwechslungsreiche Skiwanderungen.”

Bild 14

Text und Fotos: Manfred Maier

Nr. 9/2002 Eugen Hornberger; vom Schmied zum Aufsichtsratsvorsitzenden der Fa. Homag

 Schopflocher Skizzen Haus Hornberger in Unteriflingen (1960) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen 1942 in der Neunecker Straße - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Familie Kilgus vor der Schmiede - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Die Schmiede um das Jahr 1950 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Ackerwagen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Kirchenportal in Schopfloch - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Lackgießmaschine - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Erster Bauabschnitt (1962) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Ehrung der Vereinsmeister im Tennis 1978 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10
 Schopflocher Skizzen Auszeichnung Eugen Hornberger - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 11
 Schopflocher Skizzen Eugen Hornberger bei seiner Dankesrede - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 12
 Schopflocher Skizzen Lotte, Ingrid und Eugen Hornberger - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 13
 Schopflocher Skizzen Gerhard Schuler und Eugen Hornberger - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 14
 Schopflocher Skizzen Homag von oben - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 15

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 9 (2002)

Bild 1: Haus Hornberger in Unteriflingen (1960)

Vom Schmied zum Aufsichtsratsvorsitzenden

Eugen Hornberger wurde 1924 als zweites von fünf Kindern des Schmiedemeisters Christian Hornberger und seiner Ehefrau Friederike in Unteriflingen geboren.

Während der damals üblichen siebenjährigen Schulzeit lernte er fleißig. Vor allem das technische Zeichnen begeisterte ihn, weil es seinem ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen entgegenkam.

Damals war es der Brauch, dass der älteste Sohn das Handwerk des Vaters erlernte, um den elterlichen Betrieb weiterzuführen. Es war also ganz natürlich, dass Eugen Hornberger 1938 eine Schmiedelehre begann. Zunächst lernte er bei seinem Vater Christian später auch in auswärtigen Betrieben.

Bild 2: aufgenommen 1942 in der Neunecker Straße von links nach rechts: vordere Reihe: Friederike, Manfred, Christian, hintere Reihe: Friedel, Eugen, Gottlob, Helene

Der Zweite Weltkrieg wirkte sich stark auf seine nächsten Lebensjahre aus. Nach einer sechsmonatigen Grundausbildung in Frankreich geriet er 19-jährig an die Ostfront.

Mit dem letzten Schiffstransport aus Danzig, am 4. Mai 1945, gelangte er nach Lübeck in englische Gefangenschaft. Für ihn ist es ein Wunder, dass er diese schlimme Zeit überleben durfte.

Bild 3 (1928): Familie Kilgus vor der Schmiede
von links: Mutter: Maria Kilgus mit den Kindern: Emma, Fritz, Jakob, eine Nichte, Anna
(Im Hintergrund das alte Rathaus)

Nach Ende der Kriegswirren kam Eugen Hornberger als Geselle in die Schmiede von Jakob Kilgus in Schopfloch. Dort arbeitete er zielstrebig darauf hin, möglichst bald die Meisterprüfung ablegen zu können.

Der junge Mann „vom Land” wurde in der Berufsschule anfangs von den anderen Schülern wegen seiner ländlichen Kleidung belächelt, ließ sich aber von den „Städtern” nicht beeindrucken und verfolgte gewissenhaft sein berufliches Ziel: 1948 war es soweit, er legte als jüngster Prüfling des Kammerbezirks Reutlingen die Meisterprüfung ab. Die 40 DM Kopfgeld, die er bei der  Währungsreform erhalten hatte, reichten genau für die Prüfungsgebühr.

Der berufliche Werdegang schien gesichert. Nun wagte er sich daran; eine Familie zu gründen. 1949 heiratete er Lotte Kilgus.

Bild 4: Die Schmiede um das Jahr 1950

Bereits im darauffolgenden Jahr machte er sich selbständig und übernahm die Schmiede des Schwiegervaters Jakob Kilgus.

Neben der Herstellung von Geräten aller Art entwickele und baute Eugen Hornberger die ersten luftbereiften Ackerwagen, von denen bis heute noch einige in kleineren bäuerlichen Betrieben in und um Schopfloch in Gebrauch sind.

Bild 5: Ackerwagen

Außer an die vielfältigen alltäglichen Schmiede- und Installationsarbeiten erinnert er sich besonders an die schwierige Verlegung der Hauptwasserleitung von Schopfloch zur neuen Pumpstation im Bürgental, an die Einführung von Propangasherden in Schopfloch, sowie an verschiedene Kunstschmiedearbeiten, u. a. für die Bartholomäuskirche in Schopfloch.

Bild 6: Kirchenportal in Schopfloch

Da in den 50-er Jahren in Schopfloch noch verschiedene Möbelfabriken existierten, entstanden immer wieder technische Probleme bei der Fertigung von Möbelstücken.

Die Ideen und handwerklichen Fertigkeiten Eugen Hornbergers zur Lösung dieser Probleme waren zunehmend gefragt. So entwickelte er auf Anregung des Betriebsleiters Ulrich Rother von der Möbelfabrik Schübel eine neue Maschine, die das Lackgießverfahren wesentlich vereinfachte und verbilligte. Dabei gelang ihm die erste Erfindung, die auch zum Patent angemeldet wurde. In der Schmiedewerkstatt am Marktplatz und in der Werkstatt von Fritz Barth im Kirchsteig (heute Werkstatt der Flaschnerei Beilharz) wurden die Maschinenteile für die Lackgießmaschinen hergestellt und in der Möbelfabrik Schübel montiert. Da dem jungen Meister die Kontakte zur auswärtigen Möbelindustrie fehlten, wurde die Maschine über die Möbelfabrik Schübel vertrieben.

In diese Zeit fällt auch das Zusammentreffen mit Gerhard Schuler, der damals als junger Holzingenieur die Betriebsleitung der Möbelfabrik Schübel übernommen hatte.

Bild 7: Lackgießmaschine

Der wachsende Bedarf an Möbeln in den Jahren des Neubeginns verlangte in zunehmendem Maße industrielle Fertigungsmethoden. Es fehlte jedoch an Vorrichtungen und Maschinen, die die technischen Probleme rationell bewältigen konnten. Dies war die Stunde für ideenreiche, technisch und handwerklich versierte, aber auch risikobereite Menschen.

Zusammen mit Gerhard Schuler, der durch die Rationalisierung von Betriebsabläufen in der Möbelherstellung deutliche Erfolge erzielen konnte, erkannte er die Möglichkeit, die Produktion von Möbeln durch den Einsatz geeigneter Vorrichtungen und Maschinen zu verbessern. In dieser Situation wurde als Teilbereich des 1956 neugegründeten Ingenieurbüros Schuler in Pfalzgrafenweiler eine Abteilung „Vorrichtungsbau“ angegliedert. Die Entwicklungen und die Herstellung übernahm Eugen Hornberger. Durch die speziellen Bedürfnisse der holzverarbeitenden Betriebe entstanden mehrere patentfähige Vorrichtungen und Maschinen, die ihrer Zeit voraus waren.

Bild 8: Dübelautomat

Im Jahr 1960 gründete Eugen Hornberger gemeinsam mit Gerhard Schuler eine neue Firma zur Herstellung von Maschinen für die holzverarbeitende Industrie, die Hornberger Maschinenbaugesellschaft OHG (Homag).

Bild 9: Erster Bauabschnitt (1962)

Eine bahnbrechende Erfindung gelang mit der Entwicklung einer neuartigen Kantenanleimmaschine, die Kanten an Möbelstücken erstmals im Durchlaufverfahren aufbringen konnte. Diese Maschine, die 1962 zum Patent angemeldet wurde, erlangte weltweit Bedeutung und wurde zum Sprungbrett für eine steigende Aufwärtsentwicklung.

Eugen Hornberger war und ist trotz seiner beruflichen Beanspruchung vielseitig interessiert und engagiert, so z. B. in den örtlichen Vereinen wie Sportverein, Männergesangverein, Schwarzwaldverein, im Tennisclub, bei der Freiwilligen Feuerwehr und bei der Genossenschaftsbank Schopfloch. In den letzten Jahren wurde er zu einem begeisterten Golfspieler.

Bild 10: Ehrung der Vereinsmeister im Tennis 1978
von links: Manfred Hornberger (Abteilungsleiter), Heinz Kampe (Trainer), Sieglinde Adrion, Eugen Hornberger, Prakash

Mit zunehmendem Wachstum der Homag galt sein Interesse auch den Verbänden und Institutionen. In zahlreichen Gremien ist sein Rat gefragt, er ist Mitglied im VDI (Verband deutscher Ingenieure), war 20 Jahre Mitglied in der Vertreterversammlung der AOK (Allgemeine Ortskrankenkasse), Vorstandsmitglied im VDMA Fachgemeinschaft Holzbearbeitung (Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbauer) und Delegierter bei der 16. Tagung der dt.-russ. Kommission in Moskau, ist Mitglied der CDU, Mitglied der Mittelstandsvereinigung der CDU, Gründungsmitglied der Stiftung „Wirtschaft hilft Hungernden“, Mitglied im Unternehmerbeirat der GWZ (Gesellschaft für wirtschaftliche Zusammenarbeit) in Stuttgart, Beiratsmitglied des Mittelstandsförderungszentrums im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg (in Jekaterinburg), und, und, und …

Darüber hinaus wurde Eugen Hornbergers Einsatz für Gemeinde, Vereine, Betrieb und Verbände durch zahlreiche Ehrenmitgliedschaften gewürdigt.

Am 24. August 1984 wurden ihm das Bundesverdienstkreuz und die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Schopfloch verliehen (s. Foto).

Bild 11

Anlässlich seines 70. Geburtstages wurde Eugen Hornberger mit der Verdienstmedaille der IHK (Industrie- und Handelskammer) Nordschwarzwald ausgezeichnet.

Ein Festtag für Eugen Hornberger und seine Familie: 24. August 1984

Bild 12: Eugen Hornberger bei seiner Dankesrede

Bild 13: von links: Lotte, Ingrid und Eugen Hornberger

Bild 14: Gerhard Schuler und Eugen Hornberger

Bild 15

Nr. 10/2002 Die Drechslerei Schwarz in Schopfloch

 Schopflocher Skizzen Friedrich Schwarz (1877 - 1949) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Familie Friedrich Schwarz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Friedrich Schwarz jun. hinten links, während seiner Gesellenzeit in Ludwigsburg - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Zuzugsgenehmigung für die Familie Friedrich Schwarz jun. - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Fasshahn mit Spannplatte zum Nachdichten - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Friedrich Schwarz 1956 auf einer Ausstellung in Frankfurt - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Ehepaar Doris und Friedrich Schwarz jun. nach der Heirat - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Meisterstück von Walter Schwarz: Spieltisch mit Schachbrett und Schachfiguren - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Vorführung bei der Schau des HGV Schopfloch 2001 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Walter Schwarz in seiner Werkstatt - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10
 Schopflocher Skizzen Werkstücke von Walter Schwarz - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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 Schopflocher Skizzen Ehrenurkunde - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 12
 Schopflocher Skizzen Walter Schwarz mit seiner Frau Gerlinde und den Töchtern Carolin und Corinna bei der Ausstellung des HGV 2001 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
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Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 10 (2002)

Bild 1: Friedrich Schwarz (1877 - 1949)

... und schon fliegen die Späne

Wie der Auszug aus dem Gewerbekataster von Schopfloch auf dem Titelblatt zeigt, wurde am 19. Februar 1903 von Friedrich Schwarz eine Dreherei als Gewerbe angemeldet. Eine weitere Urkunde der Handelskammer Reutlingen belegt, dass dieses Gewerbe jedoch schon 1902 dort in der Handwerksrolle Nr. 11 für das Holz- und Schnitzstoffgewerbe eingetragen worden war. Der erste Sitz der Dreherei war in der Glattener Straße 21, dem heutigen Haus Joos.

Die Drechslerei Schwarz kann also im Jahr 2002 auf das 100-jährige Bestehen in der dritten Generation zurückblicken. Dies soll um Anlass genommen werden, ein altes Handwerk etwas genauer zu betrachten.

Die Drechslerei gilt als eines der ältesten Handwerke überhaupt. Sie machte im Laufe ihrer langen Geschichte eine interessante Entwicklung durch. Im Mittelalter galt die Drechslerei sogar als „königliches Handwerk”.

Drechseln oder drehen?
Dreher war ehemals die eher allgemeine Bezeichnung für Handwerker, die an der Drehbank arbeiten. Der Dreher bearbeitete das sich drehenden Werkstück, das aus den verschiedensten Materialien bestehen konnte durch das Abheben von Spänen mit unterschiedlichen Werkzeugen. Deshalb wird Friedrich Schwarz, der Gründer der heutigen Drechslerei Schwarz als „Dreher“ bezeichnet. An dem Gebäude in der Glattener Straße 23, wo die Familie Schwarz wohnt, hing über  viele Jahre das Firmenschild: Mechanische Dreherei.

Heute ist Dreher ein technisch orientierter Beruf, der ausschließlich mit Metall, jedoch nicht nur an der Drehbank, arbeitet.

Der Drechsler, wie der frühere Dreher heute genannt wird, verwendet für seine Arbeiten die verschiedensten Hölzer, so z. B. Eiche, Kiefer, Buche, Ahorn und in zunehmendem Maße auch Red Alder, die amerikanische Erle. Er bearbeitete darüber hinaus auch Horn, Elfenbein, Knochen und Bernstein zu meist kunstgewerblichen Gegenständen.

Seine Tätigkeitsbereiche liegen im Entwurf, der Anfertigung und Reparatur von  Gebrauchsgegenständen, Möbelteilen, Haus- und Küchengeräten, Spielgeräten und technischen Artikeln. Künstlerisch ausgestaltete Gegenstände werden für den Wohnbedarf und zur Dekoration hergestellt.

Eignungskriterien für den Drechsler sind handwerkliches Geschick, künstlerische Begabung, Kreativität, die Fähigkeit, präzise zu arbeiten, technisches Verständnis, Kenntnisse über die verwendeten Materialien sowie gutes Stehvermögen und Ausdauer.

Der Handwerksbetrieb, den die Familie Schwarz in der Glattener Straße bereits in der dritten Generation betreibt, ist eine Drechslerei. Ihre Besitzer haben sich den wechselnden Anforderungen der Zeit angepasst und ihre Fähigkeiten mit den wirtschaftlichen Anforderungen der jeweiligen Zeit in Einklang gebracht.

Vor 100 Jahren wurde von Friedrich Schwarz, dem Großvater des heutigen Besitzers, eine „Dreherei“ gegründet. Damals wurde der Betrieb bei der Handwerkskammer Reutlingen angemeldet und in der Handwerksrolle für das Holz- und Schnitzstoffgewerbe aufgezeichnet.

Bild 2: Familie Friedrich Schwarz
von links: hintere Reihe: Andreas, Bärbel, Friedrich jun., Christel, Johannes (Hans), Wilhelm
vordere Reihe: Gotthilf, Rosa, Barbara, geb. Maier, Friedrich sen.

Die Familie Schwarz lebte, wie es damals üblich war, vorwiegend von der Landwirtschaft. Von Frühjahr bis Herbst lag der hauptsächliche Tätigkeitsbereich in der Landwirtschaft, während in den Wintermonaten die handwerkliche Produktion im Vordergrund stand. Friedrich Schwarz fertigte hauptsächlich Vorhangstangen mit Ringen an.

Die technische Entwicklung
Mit der Erfindung der Wippdrehbank war es möglich geworden, dass der Drechsler beide Hände zum Bearbeiten des Werkstücks frei hatte. Der Antrieb geschah durch Fußtritt. D. h. um das zu drehende Werkstück wurde eine Schnur geschlungen, die mit dem Fuß geführt wurde. Der Nachteil war jedoch, dass sich das Werkstück nicht immer drehte, sondern jeweils 50 % Rücklauf hatte. Es konnte also nur dann mit dem entsprechenden Werkzeug bearbeitet werden, wenn es sich zum Drechsler hindrehte.

Ein Meilenstein war die Entwicklung der Fußdrehbank, die Friedrich Schwarz verwendete. Der Antrieb erfolgte durch Kurbel und Schwungrad mit den Füßen, wie bei einer Nähmaschine. Um mehr Kraft bei der Bearbeitung auf das Werkstück übertragen zu können, stemmte sich der Drechsler gegen ein Brett, das ihm als Lehne diente. Diese Drehbänke waren fast zwei Meter lang. Wenn große, schwere Werkstücke, z. B. Säulen aus Eichenholz zu drehen waren, mussten mehrere Personen wie Lehrlinge, Gesellen oder Familienmitglieder beim Treten helfen.

Später erwarb Friedrich Schwarz einen Elektromotor mit dem er drei Drehbänke antreiben konnte. Durch Transmissionen wurde der Antrieb auf die Drehbank übertragen.

Zwei der Söhne nämlich Hans und Friedrich jun. wollten Drechsler werden. Da es im elterlichen Betrieb nur für einen Arbeit gab, musste Friedrich, wie damals üblich, in die Fremde. Er war zunächst bei der Firma Späth in Ludwigsburg als Geselle beschäftigt.

Bild 3: Friedrich Schwarz jun. hinten links, während seiner Gesellenzeit in Ludwigsburg

Später kam Friedrich jun. (1907-1982) in einen Betrieb in Stuttgart, der für die Wehrmacht arbeitete. Deshalb musste er auch nicht in den Krieg. n Stuttgart-Weilimdorf heiratete er im Jahr 1938 Dora, geb. Schumm. Die drei Kinder Marianne, Heinz und Walter wurden in Stuttgart geboren.

Da die drei Söhne Hans, Andreas und Gotthilf von Barbara und Friedrich Schwarz sen. aus dem Krieg nicht zurückgekehrt waren, führte Friedrich Schwarz sen. seine Drechslerei bis zu seinem Tod am 01.05.1949 allein weiter.

Nach dem Tod des Vaters zog der Sohn Friedrich 1949 mit seiner Familie von Stuttgart wieder zurück ins heimische Schopfloch.

Bis der Sohn Friedrich die Meisterprüfung abgelegt hatte, durfte die Witwe Barbara, geb. Maier (*22.06.1884), mit einer Sondergenehmigung der Handwerkskammer Reutlingen ein Jahr lang den Handwerksbetrieb ohne Meister führen.

Bild 4: Zuzugsgenehmigung für die Familie Friedrich Schwarz jun.

Nachdem Friedrich Schwarz jun. die Meisterprüfung abgelegt hatte, übernahm er am 02. August 1950 die elterliche Drechsler-Werkstatt.

Schwerpunkt war die Produktion von Kleiderständern und Fasshahnen. Er entwickelte einen speziellen Fasshahnen mit einer Spannplatte zum nachträglichen Abdichten, den er auch als Reichsmuster angemeldet hatte. Bei der Produktion dieser Fasshahnen wurde er von seiner Frau Dora tatkräftig unterstützt. Sie lackierte und montierte die Einzelteile und prüfte zum Schluss, ob der Hahn auch wirklich dicht war.

Bild 5: Der von Friedrich Schwarz jun. entwickelte Fasshahn mit Spannplatte zum Nachdichten

Mit diesem Erzeugnis reiste Friedrich Schwarz zu Fachausstellungen für Küfer in Frankfurt, Offenburg und Heidelberg. Vielfach besuchte er auch die Küfer direkt, um seine Waren anzubieten.

Bild 6: Friedrich Schwarz 1956 auf einer Ausstellung in Frankfurt/M. Bildmitte: Sohn Walter

Bild 7: Das Ehepaar Doris und Friedrich Schwarz jun. nach der Heirat

In der dritten Generation wurde Walter Schwarz von 1960 bis 1963 im elterlichen Betrieb von seinem Vater zum Drechsler ausgebildet. Allerdings wurde seine Gesellenzeit durch einen Arbeitsunfall überschattet, bei dem er ein Auge verlor. Doch trotz den daraus resultierenden Schwierigkeiten bestand er 1971 die Meisterprüfung. Für sein Meisterstück, einen Schachtisch mit Schachfiguren erhielt er eine Auszeichnung und die Note „sehr gut".

Bild 8: Meisterstück von Walter Schwarz: Spieltisch mit Schachbrett und Schachfiguren.

Bild 9: Vorführung bei der Schau des HGV Schopfloch 2001

Bild 10: Walter Schwarz in seiner Werkstatt

Bild 11: Werkstücke von Walter Schwarz

Ende des Jahres 1971 erlitt der Vater den ersten Schlaganfall und wurde dadurch arbeitsunfähig. Die Mutter unterstützte nun den Sohn Walter zusammen mit verschiedenen Aushilfskräften bei allen anfallenden Arbeiten bis zu ihrem überraschenden Tod 1976.

Seit 1972 leitet Walter Schwarz den Betrieb in der dritten Generation. Somit ist das Jahr 2002 auch für ihn ein Jubiläum: Seit dreißig Jahren führt er die Drechslerei Schwarz.

Heute stehen in der Werkstatt von Walter Schwarz vier moderne Drehbänke, Kopiermaschine, Volldrehautomat, Schleifautomat und Kanteldrehautomat, teilweise elektronisch gesteuert, zur Herstellung von Massenartikeln für die Industrie. Als Zulieferer für Schreiner, Zimmerleute und Möbelindustrie fertigt er in Kleinserien, aber auch in Massenproduktion Stuhl- und Tischbeine, Möbelknöpfe, Schrankfüße, Balluster für Balkone, sowie die verschiedensten kunstgewerblichen Gegenstände.

Bild 12

Und wie geht es weiter?
Während es nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ungefähr 2500 Betriebe mit ca. 6000 Beschäftigten gab, schließen heute immer wieder Drechslerwerkstätten und es werden immer weniger Drechsler ausgebildet. Auch Walter Schwarz macht sich Sorgen um die Zukunft. Seinen Kindern kann er den Beruf des Drechslers nicht mit ruhigem Gewissen empfehlen, denn die wirtschaftliche Lage und die veränderten Lebensgewohnheiten erlauben keine rosige Zukunftsperspektive.

Eigentlich wäre es schade, wenn ein ehemals „königliches Handwerk” aussterben würde.

Bild 13: Walter Schwarz mit seiner Frau Gerlinde und den Töchtern Carolin und Corinna bei der Ausstellung des HGV 2001

Mit freundlicher Unterstützung der Familie Walter Schwarz

Nr. 1/2003 Vergangenheit und Gegenwart des Gasthauses "Ochsen"

 Schopflocher Skizzen Früher und heute: Der
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Inschrift am rechten Eckbalken (Nordosten) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen damalige Beschreibung der Gaststätte - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Relief am Haupteingang J. G. M. - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Schlussstein an der Kellertürüberwölbung JGM 1813 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Türsturz auf der Südseite des EG 1832 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Gasthaus Ochsen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Fachwerk im Obergeschoss - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8
 Schopflocher Skizzen Nordseite des Gebäudes - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9
 Schopflocher Skizzen Ostgiebel - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 10
 Schopflocher Skizzen Teile der Holzkunstruktion - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 11
 Schopflocher Skizzen Bogenstein mit der Jahreszahl 1608 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 12
 Schopflocher Skizzen Der
Bild 13

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 1 (2003)

Bild 1: Früher und heute: Der "Ochsen" in Schopfloch und in Neuhausen

Vergangenheit und Gegenwart des „Gasthauses zum Ochsen“
Vor nunmehr 25 Jahren begann ein neuer Lebensabschnitt für den „Ochsen“. Dies soll zum Anlass genommen werden, seine wechselvolle Geschichte in Erinnerung zu rufen.

Im Staatsarchiv von Stuttgart lagen ein Dokument, das besagt, dass ein Jacob Stöhr bereits 1589 in Schopfloch ein Gasthaus betrieb: „Huß vnnd Hofreithin mit Zugeherung am Buholl*1 stoßt an die Gassen". Die „Gasse” war Teil des alten Fernwegs, der seit dem Mittelalter von Augsburg über Ulm, Urach, Tübingen und Schopfloch nach Straßburg führte.

„Schopfloch mit neu hergerichtetem Gasthaus über Glatten nach Freudenstadt” so berichtet Martin Zeiller, der Verfasser eines 1650 gedruckten Reiseführers über eine Reise von Tübingen nach Straßburg um das Jahr 1628. War es der „Ochsen“? Unser Ochsen wohl kaum.*2

[Durch den Fund eines Bogensteins mit der Jahreszahl 1608 (als Eckquader in der nord-westlichen Gebäudeecke eingesetzt) beim Abbruch des 1813 errichteten Kelleranbaus wird vermutet, dass dieses erstgenannte Gasthaus an gleicher Stelle oder in unmittelbarer Nachbarschaft des „Ochsen“ stand. Für die Fachleute bildet dieser Stein bisher ein Rätsel.]*3

Das historische ehemalige „Gasthaus Ochsen” wurde 1707 von Conrad Stöhr*4 (1674-1750) erbaut. Das Gebäude war wegen des feuchten Untergrundes nicht unterkellert. (Das stattliche Haus setzte sich im Laufe der Jahrhunderte, deshalb führte später hinter der Eingangstüre eine Stufe abwärts in den Hausflur.) Es bestand aus einem gemauerten Erdgeschoss, einem Fachwerkobergeschoss und zwei Dachgeschossen, ebenfalls aus Fachwerk. Im Erdgeschoss lagen ein sog. Längsstall und verschiedene Nebenräume. Der Eingang war auf der östlichen Giebelseite. Durch einen langen Flur und eine Treppe gelangte man in die Gaststube und die Wohnräume im Obergeschoss.

*1 = Buholl – Bühl [leichte Erhebung hinter dem Ochsen]
*2 = Quelle: Museumsführer, S. 14
*3 = […] In den eckigen Klammern wurden Erklärungen eingefügt
*4 = Der Familienname wird in verschiedenen Dokumenten unterschiedlich geschrieben Stehr, Stör oder Stöhr

Nach dem Entfernen des Putzes beim Abbau wurde eine Inschrift im rechten Eckbalken des Obergeschosses gefunden.

Bild 2: Inschrift am rechten Eckbalken (Nordosten)

Die Stöhrs waren eine alteingesessene, wohlhabende Schopflocher Familie. Jacob Stöhr, der Großvater des Erbauers, war 32 Jahre lang Schultheiß gewesen.

[Die Landesherrschaft benannte damals nur den zum Schultheißen, der etwas besaß und der Besitz der Stöhrs war umfangreich.]*5

Conrad Stöhr wird in den Archivunterlagen als Metzger und Schultheiß bezeichnet. Er war in erster Ehe mit Anna Maria, geb. Kübler, aus Loßburg und nach deren Tod 1730 in zweiter Ehe mit Anna Katharina, verw. Schleeh aus Nagold verheiratet.

Das Schultheißenamt bekleidete er von 1706-1746.

*5 = Quelle: Museumsführer S. 14

Bild 3

Mitte des 18. Jh. wird der Besitz so beschrieben: „eine zirnliche Wirthsbehausung zum Ochsen […] mit Stallung, Hofraithin und Zubehör“, sowie eine zu „einer Behausung gerichteten Scheunen mit Stallung" und ein „besonders erbautes Haus” hinter seinem Haus, also drei Wohnhäuser an einem Platz.

Der „Ochsen“ war eine „Schildwirtschaft", die kalte und warme Speisen geben und Gäste übernachten lassen durfte. Zwei „zweischläfrige” Gastbetten standen den Reisenden zur Verfügung.

Erst der Sohn Hans Jakob Stöhr (1699-1765), verheiratet mit Anna Maria, geb. Ottmann, wird in den Archivunterlagen als „Ochsenwirt“ benannt. Er hatte keine leiblichen Kinder, deshalb ging sein Besitz 1761 an seinen Stiefsohn Michael Seeger über. Der Ochsenwirt Michael Seeger starb 1775 und die reiche Ochsenwirtin Anna-Maria, geb. Kugler, heiratete bereits nach acht Monaten Trauerzeit Johann Georg Mäder. Auch er war Schultheiß. Mäder vergrößerte den Besitz und erwarb 1777 noch eine Ziegelhütte „mit Brennöfen versehen, oben im Dorf”.

Bild 4: Relief am Haupteingang J. G. M.

Noch zu Lebzeiten von Johann Georg Mäder ging der Ochsen 1809 an seinen Sohn Johann Georg Mäder d. J. über.

„Geld kommt zu Geld", hieß es, denn die neue Ochsenwirtin Christina Schmid brachte 2000 Gulden Bargeld mit in die Ehe. Die Wirtsleute bauten 1813 einen unterkellerten Anbau für einen Tanzsaal an den „Ochsen" an. Der Ochsenwirt Johann Georg Mäder d. J. war zwar nicht Schultheiß, aber als Gemeinderat ziemlich einflussreich.

Bild 5: Schlussstein an der Kellertürüberwölbung JGM 1813

Die Jahreszahlen 1832 und 1864 (s. S. 1) deuten auf weitere Umbaumaßnahmen hin.

Bild 6: Türsturz auf der Südseite des EG 1832

Anlässlich des Todes von Johann Georg Mäder im Jahr 1841 wurde im „Ochsen „ Inventur gemacht über lebendes und totes Inventar. Schon der Viehbestand war beachtlich, insbesondere die Zahl der Pferde und der Kühe: 5 Pferde, 1 Fohlen, 4 Kühe, 2 Stiere, 3 Kälber, 4 „Anbindlinge", 1 Farren, 70 Hammel, 20 Lammschafe, 2 Böcke, 4 Hühner, 2 Schweine.

Mindestens 3 Arbeitskräfte (Gesinde) standen für Arbeiten im Haus und auf dem Feld zur Verfügung. Drei „aufgemachte” Wagen standen bereit.

Seine Witwe Christina, geb. Schmid, übergab ihren gesamten Grundbesitz 1842 an ihren Sohn Christian Mäder, der jedoch bereits 6 Jahre später mit 28 Jahren verstarb.

Seine aus einem vermögenden Bauernhaus in Grüntal stammende junge Witwe Louise, geb. Graf, heiratete in zweiter Ehe Johannes Welker  aus Egenhausen. Er wurde 1851 als Ochsenwirt und Bierbrauer verzeichnet.

1880 wurde Johann Georg Welker Ochsenwirt. Er war der Sohn von Johannes und Louise Welker, verheiratet mit Pauline, geb. Gaiser. Er war Holzfachmann und betrieb neben dem „Ochsen” auch ein Sägewerk im Raum Böblingen. Auf diese Arbeit konzentrierte er sich zunehmend. Aus dieser Zeit stammt die Eintragung im Güterbuch bezüglich des Besitzes des Ochsenwirts und seiner Ehefrau:

No. 54: 2 ar 9.5 qm
ein zweistöckiges Wohnhaus mit Speicher, Scheune, Stall und Schopf und Keller unter einem Ziegeldach, neben sich selbst und Andreas Weißer

No. 55: 7 ar 47 qm Wirtshaus und Hofraum,
16 qm Schweinestall
7 ar 63 qm

Ein zweistöckiges Wohnhaus mit Backofen Stallung und gewölbtem Keller unter einem Ziegeldach, nebst besonders stehendem Schweinestall und Hofraum gemeinschaftlich mit dem Haus No. 54.
Die Schildwirtschaft z. Ochsen mit dinglicher Wirtschaftsgerechtigkeit neben sich selbst u. Adam Sailer.

Der Besitz wurde nach dem Tod von J. G. Welker unter seinen acht lebenden Kindern aufgeteilt. Dieser massive Eingriff in die Besitzverhältnisse hat die Zukunft des „Ochsen" stark geprägt.

Johann Georg Keck wird 1906 Ochsenwirt. Er hatte die Witwe Pauline Welker geheiratet. Friedrich Walz, Metzger, unverheiratet und Matthäus Walz, aus Oberiflingen, erwarben den „Ochsen” 1907 von Pauline Keck. Matthäus Walz war Ochsenwirt u. Sattler, verheiratet mit Christine, geb. Nübel, nach deren Tod in zweiter Ehe verheiratet mit Christine, geb. Schultheiß. Ältere Bürgerinnen und Bürger erinnern sich noch gut an diesen Ochsenwirt.

Albert Walz, zweitältester Sohn von Matthäus Walz, von Beruf Metzger, verließ den „Ochsen” 1936 bereits nach zwei Jahren wieder. Er übernahm eine Metzgerei mit Wirtschaft in Feuerbach, die er jedoch nicht kaufen konnte, weil das Gebäude im Krieg zerstört worden war. Nach der Heimkehr aus italienischer Gefangenschaft übernahm er zusammen mit seiner Frau deren elterliches „Gasthaus Lamm“ in Dornstetten.

1936 kam Max Walz, älterer Bruder von Albert, von Beruf Schuhmacher, wohnhaft in der Pfalz, mit seinem Sohn Hans und seiner zweiten Frau Ruth in den Heimatort zurück, um den „Ochsen” weiterzuführen. Während des Krieges, führte Ruth Walz das Gasthaus und die Postagentur. Allerdings waren in dieser Zeit nur Übernachtungen möglich.

Am 4. Januar 1946 wurde der Wirtschaftsbetrieb eingestellt. Um die Konzession nicht zu verlieren, wurde in den folgenden Jahren nur noch einmal pro Jahr geöffnet. Aber auch dieser Schankbetrieb wurde am 9. Februar 1951 endgültig eingestellt. Die älteren Schopflocher erinnern sich noch an den Tag, als Max Walz zum letzten Mal ausschenkte.

Die lange Tradition des „Gasthauses zum Ochsen” in Schopfloch war zu Ende gegangen.

Bild 7

Nach der Schließung der Wirtschaft 1946 versahen die Eheleute Walz die Postagentur im Erdgeschoss des „Ochsen“. Ruth Walz versah den Schalterdienst, während ihr Mann Max die Post austrug.

1955 wurde Hans Walz, der Sohn von Max Walz, Besitzer des Gebäudes. Auch Hans Walz versah die Poststelle, bis er zur Firma Daimler wechselte. In den folgenden Jahren wurde der „Ochsen“ nur noch zu Wohnzwecken und als Lagerraum genutzt.

***

Das Landesdenkmalamt sah im „Ochsen“ ein „Kulturdenkmal aus dem frühen 18. Jh., dessen Bestand aus wissenschaftlichen, künstlerischen und heimatgeschichtlichen Gründen gesichert werden sollte.” Dabei wurden besonders die Giebelfront mit ihrer außerordentlich reichen Ornamentik (als typisch für den Freudenstädter Raum), die Kassettendecke in der Gaststube des Obergeschosses, sowie Türgewänder und alte wertvolle Türen hervorgehoben. „Wir messen dem Gebäude eine so erhebliche Bedeutung bei, dass wir seinen Bestand gesichert sehen wollen", heißt es in einem Brief des Landesdenkmalamts vom 10. Oktober 1974.

***

1977 kaufte die Gemeinde Schopfloch das Gebäude zum Zweck des Abbruchs. Es befand sich in einem Zustand, war unbewohnt und teilweise baufällig. Da es augenscheinlich das einzige Fachwerkhaus im alten Ortskern war, wurde es als nicht charakteristisch für das Ortsbild und deshalb auch nicht als schutzwürdig angesehen.

Weil Schopfloch im Sommer 1977 in das Dorfentwicklungsprogramm des Regierungspräsidiums Karlsruhe aufgenommen worden war, erhofften sich Bürgermeister Winter und der Gemeinderat Zuschüsse zur Ortskernsanierung. Die Gemeinde erhielt jedoch trotz jahrelanger und vielfältiger Bemühungen keine Abbruchgenehmigung für den „Ochsen”.

Dies blockierte hauptsächlich die geplanten Straßenbaumaßnahmen in der Ortsmitte. Das Hauptproblem war dabei die Verweigerung der Abrissgenehmigung durch das Landesdenkmalamt.

Verschiedene Vorschläge wurden diskutiert, so z. B.:

  • die Giebelfont des „Ochsen” könnte in einem Rathausneubau wieder eingebaut werden
  • das neue Rathaus könnte als moderner Anbau hinter den alten „Ochsen” gebaut werden

Bei allen Gesprächen war ein wichtiger Aspekt, dass von den Sachverständigen einem Verbleiben des Gebäudes am alten Standort Priorität eingeräumt wurde.

Schließlich wurde eine Lösung gefunden, die sowohl das Landesdenkmalamt als auch die Gemeinde Schopfloch zufriedenstellte. Der „Ochsen“ sollte in einem neu zu errichtenden Freilichtmuseum eine Heimat finden. Da die Gemeinde wegen der Zuschüsse für Abbruchmaßnahmen und den Straßenbau unter zeitlichem Druck stand, entschloss man sich zu einer vorläufigen Zwischenlagerung des abgetragenen Gebäudes im Kraichgau.

Am 08. April 1980 begann der Abbruch durch Handwerker und Hilfskräfte aus Kraichtal. „Sämtliche transportwürdige Bausubstanz“ sollte für ein später zu errichtendes Freilichtmuseum übernommen werden.

Bild 8: Während der ersten Phase der Abbauarbeiten entstanden Zweifel, ob das vorgefundene Fachwerk im Obergeschoss dem Original entsprach. Später wurden Beweise gefunden, dass dieses einfache Fachwerk vermutlich 1864 eingebaut worden sein muss.

Bild 9: Die Nordseite ist vollständig abgedeckt. Deutlich sind die Windverbände erkennbar. Die jetzt sichtbaren Pfetten, auf denen die Sparren aufliegen, laufen auf die ganze Haustiefe durch. Da sie gebeilt sind, besitzen sie auf der Giebelseite einen größeren Querschnitt als im Westen. Dort ist der Binderabstand geringer.*6

Bild 10: Der aus drei Teilen bestehende Ostgiebel wurde jeweils in Geschosshöhe mit Stahlbändern umklammert und dann geschosshoch abgebaut.

*6 = Quelle: Dokumentation von F. Pleibel, Stadtbaurat a. D. Bl. 9

Jedes Einzelteil des Bauwerks wurde exakt vermessen, seine Lage dokumentiert, sorgfältig abgebaut und mit Spezialfahrzeugen nach Kraichtal abtransportiert. Zunächst wurde alles im Kraichgau zwischengelagert, vier Jahre später jedoch nach Neuhausen ob Eck verbracht, weil das Kraichgauer Freilichtmuseum nicht verwirklicht werden konnte.

Der Abbau des „Ochsen“ brachte überraschende Details ans Licht, so z. B.

  • noch 1/3 der handgestrichenen Biberschwänze waren im Original erhalten.
  • Das gesamte Holz des Dachstuhls war nur mit dem Beil bearbeitet worden.
  • Der gesamte Dachstuhl war ohne einen Nagel errichtet worden.
  • Handgeschmiedete Vierkantnägel fanden sich nur in den Dielenbrettern der Böden. Keiner der Nägel hatte Rost angesetzt.

Bild 11: Erst in jüngerer Zeit war auf der Nordseite ein Kamin aufgemauert worden, der nicht sachgemäß verwahrt worden war. Dadurch konnte Regenwasser eindringen und benachbarte Teile der Holzkonstruktion verfaulten und waren nicht mehr tragfähig. Nach statischen Begriffen hätte der Dachstuhl nicht mehr stehen dürfen.

Bild 12: Beim Abbruch des Kelleranbaus aus dem Jahr 1813 wurde in der nordwestlichen Gebäudeecke ein Bogenstein mit der Jahreszahl 1608 gefunden. Woher dieser Stein stammt, bleibt ein Rätsel (s. S. 2).

1982 erhielt der Landkreis Tuttlingen die Baugenehmigung für den Bau eines Freilichtmuseums in Neuhausen ob Eck. Dort sollte auf ca. 18 ha die naturgetreue Abbildung eines Dorfes aufgebaut werden, in dem Felder und Gärten bearbeitet und die Gebäude aus dem 17. und 18. Jh. in ihrer ursprünglichen Funktion gezeigt werden. 1984 begann der originalgetreue Wiederaufbau des „Ochsen“ aus Schopfloch.

Bild 13: Der "Ochsen" bildet eine besondere Attraktion als Eingangsgebäude und vielbesuchte Museumsgaststätte.

Quellen: Aufzeichnungen von Eugen Schwab. Führer durch das Museumsdorf Neuhausen: Wolfgang Kramer (ehem. Kreisarchivar und Museumsleiter). Bilddokumentation über den Abbau des „Ochsen” von F. Pleibel, Stadtbaurat a. D. Bietigheim-Bissingen und weitere Unterlagen aus dem Archiv der Gemeinde Schopfloch

Nr. 2/2003 Hochzeitsbräuche in Schopfloch gegen Ende des 19. Jahrhunderts

 Schopflocher Skizzen Johannes Maier und Anna, geb. Bartler feierten ihre Hochzeit - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen von links: Christine, geb. Kugler und Johannes Adrion (aus Dürrenmettstetten) heirateten am 14. Mai 1914, Johann Georg Maier und Friederike, geb. Sailer heirateten am 4. / 8. Januar 1914 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Hochzeitsanzeige - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Hochzeit von Albert Müller, Landwirt aus Weiden und Christine, geb. Vogt - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4
 Schopflocher Skizzen Die Hochzeitsgesellschaft nach dem Kirchgang - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 5
 Schopflocher Skizzen Hochzeit von Otto Finkbohner und Eva, geb. Seeger - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 6
 Schopflocher Skizzen Johann Georg Maier und Friederike, geb. Sailer an ihrem Hochzeitstag - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 7
 Schopflocher Skizzen Aufzeichnungen aus dem Kirchenregister - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 8
 Schopflocher Skizzen Hochzeit am 28. Juni 1919 Georg Vogt und Christine, geb. Maier - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 9

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 2 (2003)

Bild 1: Johannes Maier und Anna, geb. Bartler feierten ihre Hochzeit in Schopfloch am 12. Oktober 1912 *1

Im Herbst 1899 erging an alle Gemeinden in Württemberg der Aufruf, volkstümliche Sitten und Bräuche, die im Ort gepflegt wurden, aufzuschreiben, bevor sie verloren gingen. Alle eingeschickten Manuskripte befinden sich heute bei der Landesstelle für Volkskunde in Stuttgart.

Aus Schopfloch wurde damals ein Bericht geliefert (vermutlich vom Lehrer oder Pfarrer aufgeschrieben), der uns Sitten und Bräuche aus dem Alltagsleben überliefert. Der folgende Text wurde daraus entnommen.

Hochzeitsbräuche in Schopfloch gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Der Aussteuerwagen, kurzweg Hausrat genannt, wird auf einem neu angestrichenen Leiterwagen, bekränzt mit Moos- und Papierkränzen, obenan die Wiege und Kunkel mit flatternden Bändern der vom Brautführer (Gsell) oder vom Wirt, bei dem die Hochzeit stattfindet, geführt. Muss der Hausrat auswärts geholt werden, so wird ein Fuhrmann angestellt, und Bräutigam, Brautführer, Brautjungfer und Nähterin fahren auf einem besonderen Wägelchen. Die Braut nimmt beim Hausratführen 1 Laib Brot und etwas Mehl im Aussteuerkasten mit und bewahrt dieses stets auf, damit nie ein Mangel eintreten soll.

Bei der Rückkehr am Eingang des Orts wird das Brautpaar von Schulkindern oder auch von schon konfirmierten Kindern aufgefangen, indem sie ein Seil ausspannen oder eine Stange über die Straße halten, damit das Gefährt anhalten muss. Gegen ein Trinkgeld wird dann der Weg wieder freigegeben.

*1 Anmerkung zum Foto 1: Johannes Maier war der Bruder von Johann Georg Maier (s. auch Foto 2)

Bild 2: von links: Christine, geb. Kugler und Johannes Adrion (aus Dürrenmettstetten) heirateten am 14. Mai 1914, Johann Georg Maier und Friederike, geb. Sailer heirateten am 4. / 8. Januar 1914. (Da die beiden Frauen eng befreundet waren, wurde diese Aufnahme in der festlichen Hochzeitskleidung möglicherweise am Hochzeitstag der Eheleute Adrion, gemacht) *2

Die Hochzeiten finden gewöhnlich im Frühjahr und Herbst am Dienstag und Donnerstag in der Woche statt. Gewöhnlich dauert die Hochzeit nur einen Tag. Nur bei großer Verwandtschaft kann dieselbe auch zwei Tage dauern. Die glücklichen und unglücklichen Zeiten und Wahrzeichen werden mit ängstlicher Sorgfalt beachtet. Nur bei zunehmendem Monde, aber nicht in den Hundstagen wird die Hochzeit gehalten.

*2 Anmerkungen zum Foto: Johannes und Christine Adrion waren die Schwiegereltern von Lydia Adrion, die Großeltern von Kurt Nagel und Hannelore Letzgus, geb. Nagel, von Erika Ade, geb. Adrion, Erich Ade und Sieglinde Kotlinski, geb. Adrion, sowie von Ralf und Martina Adrion. Johann Georg und Friederike Maier waren die Großeltern von Hilde Pfau, geb. Finkbohner, Irma Kugler, geb. Finkbohner und Erwin Finkbohner.

Bild 3

Zu einer Hochzeit werden die Verwandten und Bekannten der umliegenden Ortschaften, so wie alle Bürger des Orts geladen. Alle Teilnehmer müssen die „Zeche” selbst bezahlen.

Das Einholen der Braut geschieht am Morgen des Hochzeitstages. Acht Tage vor der Hochzeit, oder wenigstens am Sonntage vorher, geht das Brautpaar mit Brautführer und Brautjungfer in alle Wirtschaften des Orts und trinkt 1 Flasche Wein. Die Wirtschaft, in welcher die Hochzeit stattfindet, wird zuletzt besucht. An diesem Tag ladet der Bräutigam die männliche ledige Jugend und die Brautjungfer die weibliche Jugend zur Hochzeit, sowie auch zum Kirchgang ein. Am Tage vor der Hochzeit macht das Brautpaar noch Besuche bei den Verwandten und Bekannten, sowie auch beim Schultheißen und Lehrer im Ort. Letzterer erhält 1 Schoppen Wein, 1/4 Kuchen und ein Taschentuch. Am Abend desselben Tages bringen die Kameraden des Bräutigams vor dessen Haustüre zwei prächtige Tannenbäumchen als Zierde an, desgleichen auch vor der Wirtschaft. Zum Abschied aus dem Jünglingsleben zahlt der Bräutigam der ledigen männlichen Jugend noch einige Fass Bier, wobei Humor und Gesang zur Geltung kommen. Man nennt dies den „Ausstand“.

Beim Einholen der Braut sammeln sich sämtliche ledigen Buben, mitunter auch bloß die Kameraden des Bräutigams vor dem Hause desselben, um ihn auf einem bekränzten Leiterwagen zu begleiten. Der Bräutigam fährt mit dem Brautführer auf einem besonderen Wägelchen. Vor der Abfahrt erhalten die Teilnehmer noch ein Frühstück, bestehend in Kaffee, Wein und Kuchen. Nachdem die anwesende Hochzeitsnähterin die „Buben“ mit einem Strauße, die Pferde mit Bändern geschmückt hat, werden von denjenigen „Buben", welche Pistolen bei sich haben, einige Schüsse als  Abfahrtszeichen abgegeben, worauf dann aufgestiegen und unter Schießen und Gesang zum Dorfe hinausgefahren wird.

Durch unvorsichtiges Schießen und leichtsinniges Fahren sind schon of Unglücksfälle vorgekommen. Ein zweiter Leiterwagen fährt noch ab, um Hochzeitsgäste vom Orte der Braut abzuholen. In früheren Zeiten gab es beim Abholen der Braut einen „Ritt“. Die „Ledigen“ benützten so viele Pferde im Orte, als nur aufzutreiben waren und ritten vor dem Bräutigam, der in einem Wägelchen folgte, her.

Derjenige, welcher das lustigste Pferd hatte, musste den Vorreiter machen. Auf dem Heimweg, wenn der Reiter in der Frühe dem Weinglase stark zugesprochen hatte, kam es nicht selten vor, dass das Pferd zum großen Gaudium der Hochzeitsgäste allein ankam. Ist der Abholungszug im Orte der Braut angekommen, so besucht der Bräutigam mit seinen Begleitern die Wirtschaften des Dorfes, wobei er den Wein bezahlen muss. Hierauf begibt man sich vor das Haus der Braut, schießt, singt  Abschiedslieder, nimmt noch einen kleinen Imbiss ein und fährt der Heimat wieder zu. In sämtlichen Ortschafen, die durchfahren werden, trinkt man eine Flasche Wein.

Ist man nach schneller Fahrt im Hochzeitsorte angekommen, so begibt sich die ganze Gesellschaft in das Elternhaus des Bräutigams, wo selbst die sogenannte „Morgensuppe“: Suppe und Fleisch - eingenommen wird. Die Braut wirft sich während dieser Zeit in ihren Hochzeitsstaat. Die Anlegung desselben soll zwischen dem 1. und 2. Läuten geschehen und nicht langer als 1/4 Stunde dauern. Ist dies geschehen, so geben einige „Buben“ durch Pistolenschüsse das Zeichen zur Ziviltrauung.

Bild 4: Hochzeit von Albert Müller, Landwirt aus Weiden und Christine, geb. Vogt am 30. Mai 1939*3 Die Aufnahme entstand vor dem Gasthaus „Restauration zum Bahnhof“. Von links Mina (Schwester der Braut), Albert Hartmann (späterer Ehemann von Mina), das Brautpaar, Frau von Hans V., Hans (Bruder der Braut), hinter Hans V.: Fritz V. (Bruder der Braut, „Platten-Vogt”), links neben Fritz V. die Näherin des Brautkleids aus Bittelbronn, rechts hinter Albert Müller die Rössle-Wirtin aus Weiden, deren verstorbener Ehemann ein  Bruder des Bräutigams gewesen war, am rechten Türpfosten: Andreas V., Maurer (Vater der Braut), im Eingang zwei Schwestern der Braut (An diesem Tag war die Mutter der Braut Wilhelmine, geb. Zeller, sowie der Vater des Bräutigams Friedrich Müller, Alt-Rössle-Wirt aus Weiden und die Mutter Karoline, geb. Wolber, bereits verstorben.

Der Hochzeitszug gruppiert sich folgendermaßen: Kinder, (ledige) Mädchen, Brautführer, Brautpaar, Eltern und Anverwandte. Der Ziviltrauung selbst wohnen meistens nur die Eltern und nächsten Anverwandten an. Nach Beendigung derselben erfolgt der Kirchgang in derselben Ordnung.

Am Altar stehen während der Trauung Braut und Bräutigam möglichst nah zusammen, dass die „bösen Leute” nichts dazwischen machen können. Die leeren Plätze des Brautpaars werden unterdessen von Brautführer und Brautjungfer besetzt, damit die Hexen ihr Spiel nicht treiben können.

*3 Albert und Christine Müller waren die Eltern von Helene Maier, die Schwiegereltern von Hedwig Müller, Großeltern von Wolfgang und Andreas Maier, von Eva Sailer, geb. Müller, Johannes Müller und Christina Keppler, geb. Müller.

Schlägt während der  Trauung die Uhr 13, so sollen die Eheleute bald voneinander sterben oder bekommen viele Kinder. Will die Frau in der Ehe die Oberhand bekommen, so kniet sie auf den Rockzipfel des Mannes oder sucht beim Zusammengeben der Hände ihre Hand nach oben zu bringen.

Auf dem Rückweg von der Kirche wirft manche Braut unbemerkt ein Geldstück weg, damit die Ehe glücklich werden soll. Früher war es Sitte, dass einer der ledigen Buben die Braut aus der Kirche führte, jetzt aber führt sie der Bräutigam selbst.

Auch das Auffangen des Brautzugs seitens Kinder, sowie das Abholen durch Musik von der Kirchtüre ab ist jetzt nicht mehr Brauch.

Angekommen im Gasthofe, folgen, wenn Musik vorhanden ist, die sogenannten „Vortänze“, ausgeführt vom Brautpaar und dem Brautführer. Besonders geehrt fühlt sich derjenige, der mit der Brautjungfer oder gar mit der Braut tanzen darf.

Bild 5: Die Hochzeitsgesellschaft nach dem Kirchgang auf dem Weg in das „Gasthaus zur Krone“, das früher im ersten Stock einen Saal hatte. (Die Aufnahme entstand vermutlich 1946)

Aufgabe der Brautjungfer ist es, mit möglichst viel „Buben“ und auch „Verheirateten“ zu tanzen. Die Art und Weise der „Engagierung“ ist oft sehr possierlich. Statt des üblichen Kompliments nimmt die Brautjungfer den Betreffenden kurzweg am Arm und schreit: „Komm oder kommet se, wir wölla nau drei miteinander macha.” Will der so engagierte nicht gleich mittun, so reißt und reißt die Brautjungfer so lange, bis er endlich nachgibt und mitgeht. Getanzt werden Mazurka, Walzer, Schottische, Hopser und Galopp; früher wurde auch noch der „Siebensprung” aufgeführt, bei welchem der Tänzer zum großen „Hallo” der Mittanzenden den Kopf zum Rockschlitz seiner Tänzerin herausstrecken musste. Die Bewegungsart der Tanzenden ist nicht immer galant, stampfen und hopsen, dass der Boden zittert, gehört zu den Schönheiten.

Bild 6: Hochzeit von Otto Finkbohner und Eva, geb. Seeger am 1./2. November 1933 von links, vordere Reihe: Jakob Seeger, Eva und Michael Seeger (Eltern der Braut), Klara Lutz und Johannes Finkbohner, das Brautpaar Eva und Otto Finkbohner, Wilhelm Kirschenmann und seine spätere Frau Magdalene (Schwester der Braut), Walter Kugler und sein Vater Martin Kugler (Bruder der Brautmutter) hintere Reihe: Christel Seeger (Schwester der Braut), Gotthilf Seeger (Bruder der Braut), dahinter: Johanna und Friedrich Seeger (Bruder der Braut), rechts, zweite Reihe: Marie (halbverdeckt) und Christian Seeger (Bruder der Braut)

Das Hochzeitsessen am sogenannten „Hochzeitstisch", auf welchem eine bebänderte Weinflasche und ein Strauß aus toten oder lebendigen Blumen steht, wird eingenommen in den meisten Fällen vom Brautpaar, -führern und -jungfern, der Nähterin und manchmal auch den Eltern.

Das Menü lautet: Nudelsuppe mit Rindfleisch und Beilagen (rote Rüben, Rettich, eingemachte Gurken, eingemachte Preiselbeeren), Sauerkraut mit Blut- und Bratwurst, Schweins- und Kalbsbraten mit Salat, Nachtisch (Torte oder Kuchen).

Beim Abendessen, eigentlich Vesper, um 6 oder 7 Uhr, gibt es Kaffee mit Hefekranz. Das Hauptabendessen erfolgt zwischen 11 und 12 Uhr. Gereicht werden Suppe und Braten mit Salat. Die Bratenplatte ist diesmal garniert mit dem „Sauwadel“. Er ragt aus der Mitte der Fleischsorten hervor und ist mit einem seidenen Bande geschmückt und mit einer Stricknadel durchzogen. Unter den Klängen der Musik wird die so arrangierte Platte von einem Aufwärter im Tanzschritt zum Hochzeitstisch getragen. Die Brautjungfer sucht nun möglichst rasch den Wadel abzuschneiden und ihn dem Aufwärter auf den Rücken zu werfen. Gelingt es ihr nicht, so wird sie zu einer Flasche Wein verurteilt, wird der Aufwärter getroffen, so muss er 1 Flasche Wein zahlen.

Gelingt es einem Ledigen oder Aufwärter während des Nachtessens der am Tisch sitzenden Gspiel (=Brautjungfer) einen Schuh auszuziehen, so wird derselbe fein gewichst, auf einem Teller vorgetragen und zur Versteigerung gebracht. Natürlich muss die Brautjungfer das letzte Gebot tun, wenn sie nicht mit 1 Schuh heim will. Ein solch ersteigerter Schuh kommt oft auf 3 - 4 Mark oder so vielen Flaschen Wein, welche von den „Ledigen“ getrunken werden.

Die Brautjungfer beschenkt auch die Anverwandten mit zwei Zigarren, weshalb sie oft 2 und 3  Schachteln á 2,5 Mark bis 3 Mark kauft.

Die Hochzeitsgeschenke bestehen  in Geld von 40 Pfennig aufwärts bis 1 und 3 Mark. Der Beschenkte sagt während der Annahme des Geldes: „Wenn i´s ka wettmache, will i´s au wieder doa“.

Am Sonntagmittag nach der Hochzeit ist die „Nachhochzeit“, wobei mit dem Wirt abgerechnet wird. Die Hochzeitszeche zahlen die beiderseitigen Schwiegereltern. Der Vater des Bräutigams zahlt auch in den meisten Fällen die Gebühren des Geistlichen und des Lehrers.

Bild 7: Johann Georg Maier und Friederike, geb. Sailer an ihrem Hochzeitstag

Bild 8: Aufzeichnungen aus dem Kirchenregister

Zu der Nachhochzeit kommen diejenigen Geladenen, die am Hochzeitstag am Kommen verhindert waren oder aus Sparsamkeitsrücksichten absichtlich fern geblieben sind. An der Nachhochzeit wird gewöhnlich Bier getrunken und auch Wein, Braten gegessen.

Ist bei einer Hochzeit Musik, so werden sämtliche Fuhrwerke entweder von derselben empfangen oder verabschiedet. Dafür erhalten die Musikanten entweder 1 Flasche Wein oder entsprechendes Trinkgeld. Ebenso werden dem Brautpaar beim Nachhausegehen Abschiedslieder und -märsche gespielt.

Bild 9: Hochzeit am 28. Juni 1919 Georg Vogt und Christine, geb. Maier

Mit freundlicher Unterstützung von Sybille Finkbohner, Manfred Maier, Georg Vogt und Hilde Winter.

Nr. 3/2003 Schopfloch in früherer Zeit: Bemerkenswertes aus Schopflocher Güterbüchern, Gemeindeverwaltung in früherer Zeit

 Schopflocher Skizzen Alte Ortsmitte (ca. 1975) - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Ortsmitte 1979 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 3 (2003)

Bild 1: Alte Ortsmitte (ca. 1975), Mitte links das Schulhaus, daneben das Rathaus, dahinter quer das Dach des ehemaligen Gasthauses „ zur Rose” (abgerissen 1977), an der Kirchsteige links das Haus Hayer (abgerissen 2001), und gegenüber das Haus von Schuhmacher Bauer (abgerissen 1996). Am unteren Rand ist das Dach des Hauses Barth an der Ecke von Hauptstraße und Bühlstraße (abgerissen 1977) zu sehen, rechts an der Hauptstraße das ehemalige Haus Baumelt (abgerissen 1981) und der ehemalige „Ochsen“ (abgerissen 1980)

Schopfloch in früherer Zeit:
Bemerkenswertes aus Schopflocher Güterbüchern*1

Das Dorf Schopfloch bestand um das Jahr 1700 aus annähernd 50 Häusern, die hauptsächlich in der Nähe der Kirche, der beiden Brunnen und auf dem Bühl standen. Nur das Gasthaus „zur Sonne“, die Zehntscheuer, eine Ziegelhütte und noch ein bis zwei Häuser standen auf der Laiber. Es waren neben den großen Bauernhäusern auch kleinere Häuser mit oft auch zwei Wohnungen. In der Mitte des Dorfes befand sich ein Weiher, der von dem oberhalb liegenden Brunnen gespeist wurde. Wie es urkundlich hieß, war er angelegt, um bei einem Brandfall Wasser zur Verfügung zu haben. Sicher diente er auch als Viehtränke.
Die größeren Häuser hatten teilweise einen Ziehbrunnen beim Haus. [...]

Beim Nachforschen über die damaligen Häuser zeigte sich, dass es Bauernhäuser gab, die neben dem Haus noch einen Speicher stehen hatten, unter dem sich der Keller befand und weitere Räume für Getreide, Holz und andere Vorräte. Diese alten Häuser hatten in ihrem Wohnteil die Küche an der Seite des Hauses, die Wohnstube in der Mitte, und waren nicht unterkellert, weil der Keller unter dem Speicher war. [...]

Etwa um 1780 bis 1800 wurden dann die Bauernhäuser so gebaut, dass das Haus unterkellert wurde und im Wohnteil die Stube in einer Ecke des Hauses, die Küche in der Mitte mit dem Kamin zum First, und neben der Küche das Stüble als Altenteil. [...]

Die bäuerlichen Besitzverhältnisse auf Schopflocher Markung*2

Um 1750 bewirtschafteten die Schopflocher Bauern, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen, Felder und Wald auf der Schopflocher Markung. Dabei waren nur etwa 25 – 30 % der Flächen Eigentum der Bürger.

*1 = Quelle: Schopfloch in früherer Zeit, Teil II, verfasst von Eugen Schwab

*2 = Veröffentlicht in Dornstetter Beiträge zu Heimatgeschichte Mai 1994, Manuskript von Eugen Schwab

Der übrige, größere Teil waren Lehensgüter von Landesherren, Adligen, Kirche oder eines Klosters. In Württemberg waren es fast durchweg Erblehen, wofür der Bauer feste jährliche Abgaben zu leisten halte.

Feldgrundsticke waren „frei eigen” oder „Lehen".

„Frei eigene“ Grundstücke (= persönlicher Besitz) konnten verkauft oder getauscht werden. Allerdings galt nach der Württ. Landesordnung von 1552 ein Vorkaufsrecht für Familienangehörige. Angehörige der eigenen Markung hatten Vorrang vor den „Ausmärkern“, Adelsfamilien, Klöster usw. von außerhalb der Markung waren sog. „Ausmärker“.

Die zahlreichen Abgaben und Steuern, die die Bauern vorm Mittelalter bis ins 19. Jh. an die Lehensherrn zu leisten hatten, waren für sie eine drückende Last.

Einen Lehenshof, vermutlich aus dem Besitz des Herzogs von Württemberg, hatten Jakob Kugler (der damals Schultheiß war) und Matthäus Katenbach gemeinsam neben ihren eigenen Gütern. Die Familie Kaltenbach bewohnte das älteste Schopflocher Haus (ehemaliges Haus Schwab an der Einmündung des Gartenwegs in die Kirchsteige). Sie besaß auch den größten Speicher im Ort im danebenliegenden, heute noch bestehenden Gebäude. Bauernhaus und Speicher der Familie Kugler waren auch im Gartenweg. Der dortige Speicher (unter dem alten Hof Seeger) ist noch heute begehbar.

Für diese Lehen mussten jährlich Zins, Gült und andere Abgaben (teilweise in Naturalien, in späterer Zeit zunehmend in Bargeld) geleistet werden.
Weitere Lehen waren von der Kellerei*3 Dornstetten, der Geistlichen Verwaltung Dornstetten, dem Kloster Wittichen, dem Kloster Kirchberg und der Herrschaft Diessen.

Eine Aufstellung aus den Güterbüchern der Gemeinde zeigt eigene Güter und Lehensgüter. Die Angaben sind Werte in Gulden, wie sie für Steuern und Abgaben maßgebend waren, ähnlich dem heutigen Einheitswert. Die Zusammenstellung der Angaben erfolgte durch Christian Stöhr, Ziegler und später Schultheiß, in der Zeit um 1750. Sie geben ein Bild von den damaligen bäuerlichen Besitzverhältnissen.

*3 Kellerei = Verwaltung der herrschaftlichen Güter und Einkünfte (durch den „Keller“ = Verwaltungsbeamten)

Namen

Eigentum

Lehen

gesamt

Jakob Kugler, Schulheiß

250

1204

1465

Matthäus Kaltenbach, Bauer

284

1024

1327

Jakob Stöhr, Ochsenwirt

222

867

1089

Caspar Stöhr, Sonnenwirt

304

702

1008

Josef Stöhr, Bauer

279

662

941

Christian Stöhr, Ziegler

148

636

909

Jakob Reich, Bauer

300

565

865

Adam Keck, Bauer

253

572

825

Andreas Stöhr, Bauer

402

245

648

Philipp Lutz, Bauer

278

375

653

Jakob Kugler, Ziegler

206

388

592

Conrad Schwab, Bauer

104

469

573

Pfarrer Winkler, Oberiflingen

169

334

503

Johannes Finkbohner

 

 

283

Jakob Weisser

 

 

267

Matthäus Ruoss

 

 

261

Johannes Braun

 

 

241

Jakob Kaltenbach

 

 

168

Andreas Legeler

 

 

167

Andreas Müller

 

 

129

 

Zwischen 100 und 60 Werten hatten:

  • Hans Georg Weisser
  • Matthäus Guth
  • Simon Stöhr
  • Adam Weißer
  • Josef Klein
  • Matthäus Braun
  • Johannes Wennagel
  • Johannes Maier
  • Johann Georg Schwab

Außerdem gab es noch einige kleinere Besitze:

Die Gemeinde Schopfloch ohne Allmand     626
Die Stadt Dornstetten     152
Burger von Dettlingen     91

 

Die gebräuchlichsten Abgaben waren:

1. Der große Zehnte:
Diese Abgabe war von den Römern eingeführt und von den Klöstern übernommen worden. Deshalb musste vor der Reformation an die Klöster, danach an die Herrschaft, z. B. den Herzog von Württemberg, bezahlt werden. Konkret hieß das für die Bauer, dass sie jede 10. Garbe von Dinkel, Roggen, Haber, Gerste, sowie von Erbsen, Linsen und Bohnen, wenn sie auf dem Feld gepflanzt wurden, abliefern mussten.

2. Der kleine Zehnte:
Für die Feldfrüchte, „die mit der Haue bearbeitet und im Hafen gekocht wurden", z. B. Kraut, Rüben, Zwiebeln, Obst, sowie Hanf und Flachs, musste der kleine Zehnte abgegeben werden.

3. Gült (= Urbar-Zins):
Nach der Reformation wurde das Kirchengut eingezogen und verkauft. Die vorher zinsfreien Häuser und Grundstücke der Kirche wurden nun für die Besteuerung „urbar" gemacht. Wer also ein Grundstück oder Gebäude aus dem Kirchengut kaufte, musste Gült*4 bezahlen. Auf Schopflocher Markung gab es einige solcher Grundstücke, die z. T. heute noch „Gültäcker“ genannt werden.

Die Allmand*6
Die Allmand*6 entstand in früherer Zeit wohl dadurch, dass die guten Flächen der Markung von den Lehensherren beansprucht wurden, die geringeren Böden von den Einwohnern gemeinsam genutzt wurden und als Weide dienten.

*4 Gült war auch der Name für die einmalige Zahlung des Kaufpreises
*5 Quelle: Schopfloch in früherer Zeit, Teil II, Eugen Schwab
*6 Allmand = Teil der Dorfmarkung, der gemeinschaftlich genutzt wurde

Mit der Zeit übernahmen die Bürger davon auch als eigenen Besitz. Aus Lager- und Güterbüchern ist zu sehen, dass die Allmand zwischen 1700 und 1800 noch groß war. Zur Allmand zählten auch die Wege und Dorfgassen, die hier zum Teil sehr breit waren, um mit Vieh und Schafen zur Weide zu gelangen. Die jetzige Horber Straße zeugt noch davon. Mit der allmählichen Einführung der Stallhaltung des Viehs ging das Weiden zurück und es wurde nur noch die Schafweide betrieben. [...]

In dieser Zeit wurden beträchtliche Teile der Allmand in etwa 5 ar große Flurstücke aufgeteilt, die dann von der Gemeinde an Bürger abgegeben wurden. Im Sterbefall mussten sie aber wieder an die Gemeinde zurückgegeben werden und wurden neu an junge Ehepaare ausgegeben. Im Jahr 1838 verkaufte die Gemeinde Schopfloch etwa 10 Morgen Feld der Allmand an 62 Bürger zu vermessenen 5 ar. So entstanden die sogenannten Hausteile. Die Allmandflächen im Hängle, Pfaffenholz und Schüdert wie auch an der Bräunleshalde und Dürrenhalde bildeten lange, bis in unsere Zeit hinein, für viele Bürger, besonders für solche mit wenig Feldbesitz, eine Hilfe.

Die Namen der Bürger von Schopfloch, die 1838 von der Gemeinde einen 5 ar großen Hausteil aus der Allmand als Besitz erhielten:

Alt, Jakob - Bauer, Matthias - Braun, Gottlieb - Braun, Johannes - Braun, Matthäus - Braun, Matthäus - Braun, Michael Wtw. - Dölker, Gottlieb - Eberhardt, Jakob - Eberhardt, Johannes - Finkbohner, Christian - Finkbohner, Jakob - Finkbohner, Johannes - Finkbohner, Martin – Kaupp, Matthäus - Kilgus Matthäus - Kohler, Martin - Kübler, Michael - Kugler, Friedrich - Kugler, Johannes - Kugler, Martin -  Kugler, Michael - Lehmann , Matthäus – Lutz, Jakob - Lutz, Johann Georg - Lutz, Matthäus – Mäder, Georg - Maier, Georg - Maier, Mattheis - Platz, Wilhelm - Rempp, Jakob 1 – Rempp, Jakob 2 - Ruoss, Christian - Sailer, Jakob - Schleeh, Jakob - Schmid Friedrich. - Schmid, Johann Michael - Schmid, Mattheis - Schmid, Michael Wtw, - Schübel, Georg - Schultheiß, Johannes - Schwab , Christian – Schwab, Johannes - Schwarz, Christian – Schwarz, Martin – Seeger, Georg - Seeger, Jakob - Seeger, Mattheis – Seeger, Matthäus - Seeger, Matthäus - Siegel, Christian - Siegel, Jakob Friedrich - Stöhr, Casper – Vogt, Jakob – Vogt, Johannes – Weißer, Friedrich – Winter, Friedrich – Wolber, Jakob - Wolf, Georg - Ziegler, Friedrich - Ziegler, Johannes - Ziegler, Michael

Gemeindeverwaltung in früherer Zeit (18. und 19. Jh.)*7
Die Verwaltung des Dorfes lag in Schopfloch wie in anderen Dörfern auch, in der Hand des Schultheißen*8, des Gemeinderats und der Männer des Gerichts. Der Schultheiß war immer ein größerer Bauer oder der Wirt, in dessen Wohnung oder Gaststube die Geschäfte der Gemeinde abgewickelt wurden.

Die Besitzer von Schildwirtschaften gehörten zur dörflichen Ehrbarkeit.
Wirte standen in der württembergischen Klassenordnung eine Stufe höher als die Bauern und Handwerker. Da sie die Reisenden von außerhalb, d. h. Leute aus aller Herren Ländern beherbergten, musste man Tischsitten und gute Weine kennen, sowie eine ansprechende Unterhaltung führen können. [...] Ein solcher Wirt bekleidete bisweilen hohe Ämter. In Württemberg obligatorisch bis zum Anfang des 19. Jh. das Schultheißenamt. außerdem war er Richter, Ratsschreiber, Rossschauer und Lieferant des Abendmahlsweins.*9

Da die Gemeinde Schopfloch zu der damaligen Zeit außer dem Waschhaus kein eigenes Gebäude hatte, fanden die Zusammenkünfte des Gemeinderats und des Gerichts in der Gaststube statt.

Ganz ähnlich war es mit der Schule. In der Regel war der Lehrer ein Bürger des Dorfes. Meist hatte er neben seiner Tätigkeit als Lehrer auch noch einen handwerklichen Beruf, in Schopfloch häufig Weber oder Wagner, so z. B.: Johann Jakob Maier (1725 - 1786). Er war Wagner und Schulmeister.

Da es keinen Schulraum gab, wurden die Schulkinder in der Wohnung des Schulmeisters unterrichtet. In den Sommermonaten wurde wegen der Feldarbeit, bei der man auf die Mithilfe der Kinder angewiesen war, nur gelegentlich Unterricht erteilt. In der übrigen Zeit wurde voll unterrichtet.

*7 Quelle: Manuskript von Eugen Schwab
*8 Schultheiß = der Mann, der „die Schuld heißt leisten“, d. h. er war verantwortlich für die Abgaben und Steuern.
*9 Quelle: nach Angelika Bischoff-Luithlen in: Museumsführer Neuhausen, S. 14

Als in den Jahren nach 1800 die Schülerzahlen immer mehr anstiegen, wurde ein eigener Schulraum in der Gemeinde gebraucht. So entschloss sich der Gemeinderat unter dem Schultheißen und Ochsenwirt Johann Georg Mäder (d. J.) ein Schulhaus zu bauen.
Zu diesem Zweck wurde 1817 das in der Mitte des Dorfs stehende ältere Haus der Witwe von Johann Georg Schwab gekauft und nach dem Abbruch an dessen Stelle das erste Schopflocher Schulhaus gebaut. Der Kaufpreis betrug 340 Gulden. Es mussten jedoch nur 200 Gulden bezahlt werden, weil die Frau in dem neuen Haus das Wohnrecht bis an ihr Lebensende erhielt. In diesem neuen Gebäude befanden sich neben der Wohnung des Lehrers auch Räumlichkeiten für den Gemeinderat und das Gericht.
Allmählich verlagerte sich dann die amtliche Tätigkeit des Schultheißen von seiner Wohnung oder Gaststube in die Räumlichkeiten der Gemeinde.
Deshalb sprach man auch vorm Schul- und Rathaus.*10
In den Jahren 1870 bis 1880 stieg die Zahl der Schulkinder immer mehr an und so genügte der vorhandene Schulraum nicht mehr. Deshalb entschloss sich die Gemeinde 1884 das neben dem Schul- und Rathaus stehende ältere Haus des Christian Ruoss zu kaufen und nach Abbruch desselben an dieser Stelle ein neues Schulhaus mit zwei großen Schulräumen zu bauen (Bauzeit 1897 - 98).

Bild 2: (1979, aufgenommen vom Kirchturm aus von Ernst Winter)
rechts das alte Schulhaus, in der Mitte das alte Rathaus, links das Haus Schwab. Auf dem freien Platz hinter Schule und Rathaus stand das Gasthaus „zur Rose”.

*10 Quelle: Manuskript von Eugen Schwab in: Dornstetter Beiträge zur Heimatgeschichte, Mai 1994.

Nr. 4/2003 Erinnerungen: Auszüge aus Protokollbüchern des Männergesangvereins, Erinnerungen von Eugen Lutz und Hans Kugler an frühere Begebenheiten

 Schopflocher Skizzen Liederkranz Schopfloch mit Festdamen - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 1
 Schopflocher Skizzen Eugen Lutz 1937 - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 2
 Schopflocher Skizzen Eugen Lutz heute - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 3
 Schopflocher Skizzen Hans Kugler - Bild wird mit einem Klick vergrößert
Bild 4

Altes und Neues, Interessantes, Bemerkenswertes und Lustiges aus der Gemeinde Schopfloch
Herausgeber: Gemeinde Schopfloch
Redaktion: Ursula Burkhardt
Nummer: 4 (2003)

Bild 1: Liederkranz Schopfloch mit Festdamen
Diese Aufnahme entstand anlässlich der Festlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum 1954.

Erinnerungen
Im folgenden Text werden bemerkenswerte Abschnitte aus den Protokollbüchern („...”) des Männergesangvereins sowie Erinnerungen von Eugen Lutz und Hans Kugler an frühere Begebenheiten wiedergegeben.

„Seine 1. Versammlung hielt der Verein am 28. März 1903 in der Sonne ab, woselbst die Statuten aufgestellt wurden. Dieselben lauten:

§ 1: Der „Männergesangverein Schopfloch” hat den Zweck, die edle Gesangeskunst zu pflegen.
[…]

§ 3: In den Verein kann als Aktivmitglied jeder junge Mann, der das Alter von 20 Jahren besitzt, aufgenommen werden, sofern er sich eines guten Leumunds erfreut. In zweifelhaften Fällen entscheidet eine geheime Wahl.

§ 5: Die Aktivmitglieder sind verpflichtet, regelmäßig allen Übungen und Versammlungen beizuwohnen.”*1

Die erste Erinnerung von Eugen Lutz, dem ältsten aktiven Sänger, an den Männergesangverein steht im Zusammenhang mit der Weihnachtsfeier am 27. Dezember 1920 im „Ochsen“.

Aus Papier, das jemand dem Verein geschenkt hatte, wurden kleine Zettel für Lose geschnitten, diese wurden gestempelt und mit einer Nummer versehen oder leer gelassen für die Nieten. Die Lutz-Kinder durften nun die kleinen Papierzettel über eine Stricknadel rollen und eine Öse vom Schuhmacher darüberziehen. Fertig waren die Lose für die Tombola.

*1 Quelle: Erstes Protokollbuch S. 1 ff.

Bewusst singen gehört hat Eugen Lutz den Gesangverein zum ersten Mal anfangs der Zwanzigerjahre: „ So weit dich Wellen tragen, so weit dich weht der Wind, wo Herzen für dich schlagen, ...”

Mit diesem Lied wurden die Auswanderer am Bahnhof vom Männergesangverein verabschiedet.

In der Inflationszeit dirigierte Lehrer Dieterle aus Freudenstadt den Chor. Damals regte der Vorstand Paul Maier an, zu jeder Singstunde Geld mitzubringen, um den Dirigenten gleich bezahlen zu können. Anfangs waren es 50 Pfennige, die gezahlt werden mussten, später wurden die Beträge dem aktuellen Geldwert angepasst.

Da jeder Verein eine Fahne hatte und häufig auch zu Fahnenweihen eingeladen wurde, wollte auch der Schopflocher Männergesangverein eine Fahne anschaffen.
Eugen Lutz erinnert sich gut, dass sein Vater mehrere Kataloge mit Fahnen nach Hause gebracht hatte. Diese dienten den Kindern als (einzige?) interessante Bilderbücher.

Im Mai 1926 fuhr der Verein mit 17 Sänger zum Preissingen nach Wildbad:

„Der Erfolg war ein recht schöner und konnten wir einen 2.ten Preis mit Pokal nach Hause bringen. Herr Tiefenbach aus Cresbach führte am frühen Morgen des 9. Mai mit seinem Lastauto (mit Vollgummireifen) die frohe Sängerschar über Pfalzgrafenweiler nach Wildbad. Die Fahrt war nicht nach unserem Wunsch, denn Frau Holle hat mit ihren Federn nicht sehr gespart und in Simmersfeld war es bereits winterlich schön. Der Schnee hatte Wald und Feld in seinen Bann genommen.”

Von diesem Tag wird auch erzählt, dass Ernst Schultheiß, der Vater von Johannes Schultheiß, an diesem Morgen verschlafen hatte, sodass der Lastwagen ohne ihn abgefahren war. Also machte er sich zu Fuß auf den kürzesten Weg nach Pfalzgrafenweiler, wo er tatsächlich das Fahrzeug noch erreichte.

Im Protokollbuch gibt es keinerlei weitere Eintragungen zur Fahnenweihe. Das Fest hat wohl trotzdem stattgefunden, der Festplatz war hinter der Krone, wie sich Eugen Lutz lebhaft erinnert:

Die Sonne schien vom strahlend blauen Himmel, es war ein sehr warmer Tag. Der Festzug mit Festdamen und Festreitern stellte sich am Bahnhof auf. Eugen Lutz war „Täfelesbub” der Freudenstädter Liedertafel mit ihrem Dirigenten Lehrer Bregenzer und rund 30 Sängern. Das Trinkgeld war recht großzügig, wie es dem jungen Eugen Lutz erschien.
Die Häuser entlang der Straßen, durch die der Festzug ging, waren fast alle schön geschmückt.

Er erinnert sich aber auch noch sehr gut daran, dass er an diesem heißen Tag nichts zu trinken hatte und ziemlich durstig war.

Nach der Fahnenweihe wurde die Fahne regelmäßig bei Hochzeiten und Beerdigungen mitgetragen.

Im Jahr 1930 waren es nur noch 17 Sänger und Dirigent Baumann war mit dieser geringen Anzahl ziemlich unzufrieden. Deshalb verlangte er von seinen Sängern:
„Jeder muss einen neuen Sänger mitbringen!“

Der Vater des damals 17-jährigen Eugen Lutz kam also mit dem Vorschlag nach Hause: „Du könntest doch auch mitsingen!” Es half alles nichts, der Vater akzeptierte auch die Note: ausreichend im Fach Musik nicht und empfahl es doch einfach mal zu probieren.

Daraus sind, wie man weiß, über 70 Jahre aktive Sängertätigkeit im Männergesangverein geworden.

Eugen Lutz trat also 1930 als aktiver Sänger mit der Nummer 49 in den Männergesangverein ein. Da jedes neue Mitglied im ersten Jahr keinen Mitgliedsbeitrag zahlen musste, wird erst das Jahr 1931 als Eintrittsdatum genannt.

„Ein wichtiger Beschluss für den Verein war die Fahnenweihe. Es soll anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Vereins anno 1928 zugleich eine Fahne geweiht werden. Die Gelder sollen zum Teil durch Sammeln und durch Bittschriften bei den in Amerika befindlichen Schopflochern aufgebracht werden.*2

Die Weihe wird auf den 3. Juni 1928 festgesetzt. […] Die Gauleitung wurde am 27.02. von unserer Fahnenweihe verständigt.”

Bei einer außerordentlichen Generalversammlung am 24. Nov. 1927 in der „Rose“ wird der Zusammenschluss von Liederkranz (26 Mitglieder) und Militärverein (5 Mitglieder) „in einer stürmischen Sitzung" beschlossen.

Der Gesangverein hatte sehr gerne eine eigene Fahne gehabt, aber es war kein Geld dafür in der Kasse. Deshalb wurde nach der Vereinigung der beiden Vereine die schöne Fahne des Militärvereins umgestrickt:

Jetzt war Militärgesangverein darauf zu lesen.

(Das Besondere dieser Fahne ist, dass in jeder Ecke der Name einer Schlacht aus dem Ersten Weltkrieg zu lesen ist. Das unterscheidet sie von Fahnen anderer Gesangvereine.)

„Der Militärverein ist bereit, die Vereinsfahne für den gemeinsamen Verein zu stellen. Der Verein soll nunmehr den Namen „Militärgesangverein Liederkranz Schopfloch“ führen. Die Fahne mit Zubehör und Trommel gehören nunmehr dem neuen Verein. [...]

Als Fahnensektion wurde aufgestellt: Fahnenträger: Jakob Bauer
                                                            Fahnenjunker: Jakob Seeger und Karl Kugler.*3

Der Vorstand und Schriftführer Paul Maier schrieb jedoch ins Protokollbuch: „Leider war dieses Fest zum ins Wasserfallen bestimmt, denn der Verein musste so manches durchmachen ...!“

Dazu gehört wohl der Rücktritt des Dirigenten, Herrn Oberlehrer Dieterle und des gesamten Vorstandes im Juni 1927.

*2 Quelle: Erstes Protokollbuch S. 97 f., S. 111
*3 Quelle: Erstes Protokollbuch S. 122 ff.

Das Singen am 1. Mai begann erst im Dritten Reich.
Im Protokollbuch findet sich erstmals eine Eintragung im Jahr 1938.

„Bei der Generalversammlung 1933, schon nach der Machtergreifung, trotzten die Mitglieder dem Aufruf zur Gleichschaltung und wählten den alten Vorstand wieder. PG Baumann meuterte zwar, konnte aber nichts daran ändern”.

***

Die erste Erinnerung von Hans Kugler an den Männergesangverein ist ein Auftritt bei einer Hochzeit in der „Sonne”:

Er erinnert sich ganz genau an Wilhelm Beilharz, den Vater von Fritz Beilharz, der damals im 1. Tenor sang und sich mit ausdrucksstarkem Mienenspiel bemühte, die richtige Tonhöhe zu erreichen.

Lehrer Baumann war 1936 auch die Triebfeder für den Bau eines „angemessenen Kriegerdenkmals“. Gleichzeitig unterstreicht er die Wichtigkeit eines Männerchors im neuen Staate.

Der Verein erklärte sich bereit das Denkmal zu finanzieren und plante, eine Haussammlung zu machen.

Aus dem Protokoll der Generalversammlung von 1939:

„Über das werdende Kriegerdenkmal erstattete Hauptlehrer Baumann Bericht. Es wurde eine Liste herumgereicht und ein schöner Betrag wurde von den Anwesenden gezeichnet.”*4

*4 Quelle: Zweites Protokollbuch, 22. März 1939

Am 18. Juni 1939 wirkten die Sänger bei der Einweihung des Kriegerdenkmals auf der Kirchentreppe mit. Der Sockel trug die Namen von 28 Gefallenen des Ersten Weltkriegs.

„Am heutigen Tage wurde das Kriegerdenkmal unter größter Beteiligung eingeweiht. Der Verein konnte seine Lieder gut vortragen. […] Bildhauer Fahrner hat das Denkmal gestaltet. Und unser Landsmann Fabrikant Seeger aus Berlin hat die Figur gestiftet, während der Verein den Sockel beglich. Christian Seeger wurde als Anerkennung eine Ehrenurkunde überreicht.“

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Nach dem Krieg (1951) wurden die alten Sänger eingeladen, dem wieder beleben Verein beizutreten. Vorstand war Otto Finkbohner, Dirigent Lehrer Ferchland.

Hans Kugler trat im Februar 1951 in den Männergesangverein ein. Im Protokollbuch heißt es dazu: Hans Kugler, Jungbauer, Mitgliedsnummer 25.

Jetzt wurde auch die alte Tradition wieder aufgenommen: das Maisingen „an verschiedenen Pätzen des Dorf“. 1951 waren 33 Sänger dabei.

Im Protokollbuch heißt es:

„Der Verein sang an neun verschiedenen Plätzen im Dorf mit etwa 20 Sängern. […] Die Bevölkerung fand allgemein Gefallen an den Chören und zollte verschiedene Mal spontan Beifall. Das traditionelle Singen am 1. Mai fand wieder einen allgemein guten Anklang bei der Bevölkerung, zumal in unserem Dorf keinerlei Feier, Umzug oder Festakt an diesem Festtag üblich sind und somit das morgendliche Singen das einzige Mittel ist das zur Verschönerung des Tages der Arbeit beiträgt.“*5

*5 Quelle: Zweites Protokollbuch, 1954

Immer wieder kamen Auswanderer n die alte Heimat zu Besuch. Daran nahm das ganze Dorf Anteil, auch der Männergesangverein.

So auch im Juli 1952 beim Besuch von Elfriede, geb. Braun (aus dem Gartenweg, Tante von Horst  Braun) und ihrem Ehemann, Fabrikant Ernst Marquardt, aus den USA. Die Gäste, die nach über 20 Jahren die Heimat wieder besuchten, wurden musikalisch empfangen. In guter Erinnerung blieb auch, dass Herr Marquardt „… als vermöglicher Mann ...” bei der Abreise dem Verein 100 DM geschenkt hat.

Herr Friedrich Eberhardt (Laiber) kam 1952 wieder aus Amerika nach Schopfloch. Da er selbst in USA in einem deutschen Chor sang, freute er sich ganz besonders über die freundliche Begrüßung und lud die Sänger zu einem Frühschoppen ein.

Im Februar 1961 war der ebenfalls nach USA ausgewanderte Christian Schwab zu Besuch in der alten Heimat. Er bedankte sich für das Ständchen des Gesangvereins mit Freibier in der „Sonne”.

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Das 50-jährige Jubiläum wurde mit Rücksicht auf das Gausängerfest am 12. Juli 1953 in Freudenstadt um ein Jahr verschoben.

„Wie ein stolzer Adler schwingt sich auf das Lied...” und das „Schifferlied” trugen die Schopflocher Sänger vor und wurden dafür mit einer silbernen Ehrenplakette ausgezeichnet, die an der Fahne getragen wird.

Für das Gausängerfest in Freudenstadt musste Gauchormeister Bregenzer Hosenträger bringen lassen, damit ihm nicht noch einmal das gleiche Missgeschick wie in Glatten passierte. Dort waren bei der Hauptprobe zum 75-jährigen Jubiläum dem Dirigenten Bregenzer die Hosen hinuntergerutscht, sodass er plötzlich zum allgemeinen Gelächter in der Unterhose dastand, erinnert sich Eugen Lutz.

Herr Bregenzer war übrigens der Autor des Liedes: Sängergruß: „Wo die Schwarzwaldtannen rauschen...”

So wurde also das 50 jährige Jubiläum vom 29. bis 31. Mai 1954 gefeiert.
Schon früh am Sonntagmorgen spielte die Stadtkapelle Dornstetten zum Wecken.

Otto Schwarz schrieb zu diesem Anlass ein Gedicht mit sieben Strophen:
„Seid willkommen, Sangesbrüder, hier auf Schopfochs luft'gen Höhn...!“, das von Karl Schlumberger zum 100-jährigen Jubiläum vertont wurde.

Bei der Einweihung der neuen Schule 1966 war der Männergesangverein auch dabei:
„Mit dem Herrn fang alles an, ...!" wurde vorgetragen.

Interessant ist auch die Erinnerung an die verschiedenen Begleitinstrumente:

Nachdem in der Kirche eine Orgel eingebaut worden war, erhielt das Harmonium aus der Kirche im oberen Schulsaal des Schulhauses einen neuen Platz und wurde fortan in jeder Singstunde eingesetzt.

1924 wurde unter dem Vorstand Paul Maier die Anschaffung eines Tafelklaviers beschlossen. Um das erforderliche Geld zusammen zu bekommen, regte er eine Sammlung an:

An alle Freunde md Gönner eines guten Männergesangvereins in Schopfloch!

Unser seit 10 Jahren fast ganz eingeschlafener Gesangverein ist wieder zu neuem Leben erwacht. Begeisterte junge und ältere Männer des Ortes sind bestrebt, unseren Verein neu erstehen zu lassen.

Unser Ziel wird sein, künftig bei kirchlichen und weltlichen Festen unserer Gemeinde mitzuwirken und sie zu verschönern, um so das Zusammengehörigkeitsgefühl unserer Gemeindemitglieder zu heben und zu pflegen.

Da wir nun vorläufig keinerlei Mittel besitzen, die Anschaffung eines Klaviers aber dringend notwendig ist, wir aber zu gleichem Können wie andere Vereine unserer Nachbarschaft gelangen wollen, bitten wir jeden unserer Bürger uns helfend unter die Arme zu greifen und sich mit einem angemessenen Beitrag in die Liste einzutragen.

Unseren Dank werden wir auf die Weise zum Ausdruck bringen, dass wir uns bei Festlichkeiten innerhalb der Gemeinde gerne zur Verfügung stellen.

gez.: Maier

In der sich anschließenden Einzeichnungsliste finden sich 35 Eintragungen mit Spenden zwischen 1 und 10 Mark. Auch Johannes Seeger aus Amerika hat Geld geschickt: 5 Dollar (Wert: 21 Mark). Insgesamt kam dabei die Summe von 184 Mark zusammen.

Im Protokollbuch heißt es dazu:

„Nach längeren Ausschreibungen ist es uns gelungen, ein billiges und sehr gut erhaltenes Tafelklavier von der Fa. C. A. Pfeiffer um 320 Mark zu erhalten. Da der Schulsaal noch nicht parat war, musste es vorderhand in der „Sonne” untergebracht werden.” *6

*6 Quelle: Erstes Protokollbuch S. 76

Auf dieses Tafelklavier folgte 1961 ein Flügel als Begleitinstrument. Er war von Dr. Heinz Bauer, dem  Ehemann von Alma Bauer, geb. Maier, für 800 Mark erworben worden („... Der Flügel wurde gleich bezahl!“). Christian Winter hat das für den Verein so wertvolle Instrument mit seinem Lieferwagen in Stuttgart abgeholt.

Im Protokoll der Generalversammlung von 1962 wird berichtet:

… Die Kasse wurde durch den Kauf des Flügels natürlich stark in Anspruch genommen und bedarf daher im Augenblick äußerster Schonung.”

Dieser Flügel verbrannte später bei dem Brand des Anwesens von Hans Kugler im August 1977. Er war damals dort in der Scheune auf einem Wagen abgestellt.

„Das neue Klavier ist eingetroffen und wird zum Teil kritisch bestaunt,” schrieb Christian Winter am 11. Februar 1962 ins Protokollbuch.

Von der Schule in Dettingen war ein gebrauchtes Klavier erworben worden. Die Gemeinde gab einen Zuschuss und außerdem gab es Zuschüsse des Kultusministeriums, wenn die Schule das Instrument auch mitbenutzen durfte. Dieses Klavier ist noch heute während der Singstunden in Gebrauch und steht nun im Probenraum im Feuerwehrgerätehaus.

Die 1200-Jahr-Feier im Juni 1972 war auch für den Männergesangverein eine besondere Herausforderung. Christian Winter berichtet:

„Im historischen Teil des Festzuges haben wir einen Streitwagen, er ist bespannt mit Pferden von Hopfau und der Besitzer dieser Pferde ist kostümiert und zugleich Lenker. Im neuzeitlichen Teil sind wir mit der Nr. 39 mit einem Lyrawagen vertreten. Gertrud Kugler und Gudrun Winter geben als Göttinnen der Muse dem Wagen des MGV sein besonderes Gepräge. Eine Fahnenabordnung des MGV, durch Paul Vogt; Robert Klais und Georg Schultheiß vertreten, sind Beschützer dieses selten schönen und ruhigen Festwagens. ...”.

Bei der Generalversammlung 1981 verspricht Bürgermeister Ernst Winter, ein 30 Liter Fass Bier auszugeben, wenn der Chor 30 Sänger aufweisen kann. Dies ist am 13. April der Fall. Auf dem Lattenberg im „Zaunkönig” wird beim Genuss dieses Biers ein geselliger Abend mit zahlreichen musikalischen Einlagen verbracht.

Ganz besonders erstaunlich ist die Tatsache, dass Eugen Lutz in 70 Jahren der Zugehörigkeit zum Männergesangverein nur 4 Dirigenten erlebt hat:

Herrn Baumann, Herrn Ferchland, Herrn Mattheis und Herrn Schlumberger.

Fotos 2 und 3: Eugen Lutz 1937 und heute
Foto 4: Hans Kugler